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Göttingen Von Laborfleisch und Flaschennahrung
Campus Göttingen Von Laborfleisch und Flaschennahrung
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16:38 24.02.2017
Bald möglicherweise auch hier auf dem Speiseplan: Heuschrecken Quelle: Archiv
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Göttingen

„Wir haben Menschen befragt, die sich beruflich mit dem Thema Zukunft beschäftigen“, sagt Ellrott, unter anderem den deutschen Chef des sozialen Netzwerkes Twitter. Daraus seien fünf mögliche Zukunftsszenarien entstanden, die laut dem Ernährungspsychologen auch heute schon zu finden seien.

„Was wir hier machen ist ein stückweit Kaffeesatzleserei“, ist sich Ellrott bewusst. Das erste von ihm präsentierte Szenario ist die „Ressourcenschonende Ernährung in einer wertorientierten Gesellschaft“, in dem Aspekte wie Umweltschutz und  Regionalität die maßgebenden Parameter, seien. Vielversprechend sei hier das sogenannte „In-vitro-Fleisch“, also Stammzellen-Fleisch aus der Petrischale. Eine andere Prognose fokussiert sich auf Deutschlands Entwicklung als Leistungsgesellschaft.

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Was laut Ellrott in Asien auch heutzutage schon gang und gäbe sei, sei die Ernährung zur Selbstoptimierung. Gefährlich sei hier, dass die ständige digitale Aufzeichnung präziser Körperzahlen wie etwa dem Blutzuckerspiegel eine riesige Menge an Daten kreiere, die irgendwo gespeichert werden müssen, sagt der Wissenschaftler. „Stell dir vor, jemand verschafft sich Zugriff auf deine Körperdaten. Dann weiß der alles über dich. Das darf niemals passieren“, spricht der Referent die Sorgen vieler Zukunftsforscher aus. Auch die Gefahr der profitorientierten Nutzung der Daten durch Krankenkassen, sei nicht unbegründet.

Nach einer weiteren, von einer Ausgewogenheit von Genuss und Gesundheit dominierten Zukunftsversion, präsentiert Ellrott den Verlierer der öffentlichen Umfrage. Der Bildschirm an der Wand zeigt eine Fast-Food-Drohne, deren Pizza-Lieferung der Konsument am geöffneten Fenster eines Hochhauses gerade entgegen nehmen will. „Einfaches Sattwerden in einem virtuellen Umfeld“, heißt dieses Szenario. „Bescheuert“ tönt es aus der linken Ecke des Vortragsraumes.

Ellrott gibt seinem Publikum schließlich das Rätsel auf, das perfekte Lebensmittel der Zukunft zu kreieren. „Astronautennahrung aus der Tube“ lautet die Vermutung einer Zuhörerin. Laut Ellrott sei sie damit schon nah dran. Die auch heute einen breiten Absatzmarkt findende Silicon-Valley Marke „Soylent“ ist Hersteller von Mahlzeiten aus der Flasche. Statements wie „eating isn`t easy“ oder „food that frees you“ sollen zum Beispiel den fast ständig arbeitenden Google-Angestellten ansprechen, der sich vom zeitverschwenderischen Zwang der Essen-Holens befreien will.  Eine dieser Flaschen schenkt der Vortragende einer Frau im Publikum. „Coffiest“ habe schon zwei Espresso-Shots beigemischt. Laut Ellrott also „das Soylent für den Morgen“. as

Die Studiu zum Vortrag

Die Studie „Wie is(s)t“ Deutschland 2030?“ wurde vom 2010 gegründeten Nestlé-Zukunftsforum in Auftrag gegeben. Mitglieder des Zukunftsforums sind neben Wissenschaftlern wie Dr. Thomas Ellrott auch Bundesfamilien-Ministerin Renate Schmidt oder Jens Krüger, Geschäftsführer von TNS Deutschland GmbH. Das Buch zur Studie erschien im August 2015 und wurde ebenfalls vom Zukunftsforum herausgegeben.