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Göttingen Göttingen: Wissenschaftler fordern Umstellung der Lebensmittelproduktion
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Göttingen: Forscher fordern Umstellung der Lebensmittelproduktion

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17:00 20.07.2020
Kakao-Agroforstsysteme wie dieses Cabruca, ein traditionelles Kakaoanbausystem, in Brasilien sind von hohem Erhaltungswert für die Biodiversität, betonen die am Projekt beteiligten Forscher. Quelle: R
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Göttingen

Ein internationales Team von mehr als 360 Wissenschaftlern aus 42 Ländern unter der Leitung der Universität Göttingen und der Westlake University in China plädiert dafür, auf der UN-Biodiversitätskonferenz 2020 in China agrarökologische Grundsätze in das Global Biodiversity Framework aufzunehmen. Der Artikel der Forscher ist in der Fachzeitschrift „Nature Ecology & Evolution“ erschienen.

Landwirtschaft nimmt weltweit mehr als ein Drittel der Landmasse ein und „gefährdet 62 Prozent aller bedrohten Tier- und Pflanzenarten“, teilt die Universität Göttingen mit – einerseits. Andererseits hätten Wissenschaftler erkannt, dass Agrarlandschaften trotzdem dazu beitragen könnten, die biologische Vielfalt „eher zu fördern als zu schädigen“. Um dieses Ziel zu erreichen und damit einen Beitrag zum Überleben der Menschheit zu leisten, sei eine Umstellung der weltweiten Lebensmittelproduktion nach agrarökologischen Prinzipien notwendig. Sie müssten Teil des Global Biodiversity Framework werden.

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Rückgang der Artenvielfalt umkehren

Intensive Landwirtschaft, die auf große Mengen an Pestiziden und Dünger angewiesen sei, habe negative Folgen für die biologische Vielfalt, heißt es in der Mitteilung der Universität. Eine nachhaltige Landwirtschaft, die dazu beitragen könnte, den Rückgang der Artenvielfalt umzukehren, sei nach Ansicht der Autoren nur durch weltweit koordinierte Maßnahmen möglich. „Agrarlandschaften können Lebensräume für die biologische Vielfalt bieten, die Vernetzung von Schutzgebieten fördern und die Fähigkeit der Arten erhöhen, auf Umweltbedrohungen zu reagieren“, zitiert die Uni Göttingen ein Fazit der Forscher. Ihre Forderungen lauten: Globale Forschungsnetzwerke müssten gestärkt, technische Innovationen ausgebaut und die Kommunikation verbessert werden.

Die Wissenschaftler betonten insbesondere Kooperation: die Arbeit mit und Unterstützung von Landwirten, indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften. Die Diversifizierung von Nutzpflanzen zusammen mit neuen Sorten und Kombinationen könne zum Beispiel deren Erträge sichern. Darüber hinaus könnten diese Maßnahmen die biologische Vielfalt und die Ökosysteme unterstützen „und gleichzeitig nahrhaftere und gesündere Nahrungsmittel für alle hervorbringen“.

„2020 ist für biologische Vielfalt von entscheidender Bedeutung“

„Das Jahr 2020 ist für die biologische Vielfalt von entscheidender Bedeutung, nicht nur, weil die Zeit für die Erhaltung von Insekten und anderen Wildtieren knapp wird, sondern auch, weil die 15. Conference of the Parties (COP15) in China zur UN-Biodiversitätskonferenz zusammenkommen wollte, dies ist wegen der Covid-19-Pandemie auf 2021 verschoben“, so die Universität Göttingen. Auf der COP15 würden die globalen Rahmenbedingungen für den Schutz der biologischen Vielfalt nach 2020 verabschiedet, die Ziele zur Verringerung der Bedrohung der biologischen Vielfalt enthalten würden. Die Autoren hätten ausgearbeitet, wie agrarökologische Prinzipien dazu beitragen könnten, jedes dieser Ziele zu erreichen.

Prof. Dr. Thomas Cherico Wanger Quelle: R

„Die Bedeutung der Agrarökologie für die Veränderung der Landwirtschaft und den Schutz der Biodiversität haben viele hochrangige Organisationen in Wissenschaft und Praxis anerkannt“, sagt Erstautor Prof. Dr. Thomas Cherico Wanger von der Westlake University in China und der Universität Göttingen. „Das zeigt sich auch in der Vielzahl der Unterzeichner und Institutionen unseres Artikels. Nach unseren positiven Diskussionen mit Vertretern der COP15 hoffe ich, dass dieser Artikel dazu beitragen kann, die Diskussionen auf politischer Ebene anzustoßen und einen positiven Einfluss auf die landwirtschaftlichen Produktionssysteme zu nehmen.“

Prof. Dr. Teja Tscharntke Quelle: R

Prof. Dr. Teja Tscharntke, Mitautor und Leiter der Abteilung Agrarökologie an der Universität Göttingen, fügt hinzu: „Die Agrarökologie hat das Potenzial, die Art und Weise, wie wir Landwirtschaft betreiben, zu verändern. Wir hoffen, dass unsere umfassende Forschungsagenda dazu beitragen wird, den Weg zu einer nachhaltigen, diversifizierten Landwirtschaft und zur Erhaltung der Biodiversität in der Zukunft zu beschreiten.“

Hier geht’s zur Originalveröffentlichung: Wanger et al. Integrating agroecological production in a robust post-2020 global biodiversity framework. Letter in Nature Ecology & Evolution (2020).

Von Stefan Kirchhoff