Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Neue Prüfung von alter Habilitation
Campus Göttingen Neue Prüfung von alter Habilitation
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:36 14.01.2015
Jörg Rüdiger Siewert (rechts) während einer Pressekonferenz. Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen

Demnach werden die Beauftragten für gute wissenschaftliche Praxis „klären, ob genügend Anhaltspunkte für eine förmliche Untersuchung der erhobenen Vorwürfe vorliegen.“ Dafür wäre eine fünfköpfige Kommission zuständig, der mindestens ein Jurist angehören muss.  

Die fraglichen Vorwürfe stützen sich auf anonyme Informanten aus  der Göttinger Fakultät und öffentliche Hinweise des Freiburger Medizin-Publizisten Hermann Scharnagl. Dieser hat Siewert ins Fadenkreuz genommen, nachdem der sich für die Rücknahme der plagiatverdächtigen Habilitation  des Freiburger Sportmediziners Hans-Hermann Dickhuth stark gemacht hat.  Umgekehrt behaupten jetzt Siewerts Kritiker  auffällige Überschneidungen seiner  Habilitationsschrift und einer Dissertation, die aber nicht durch Zitate kenntlich gemacht worden seien.

Das Ombudsgremium der Göttinger Medizinprofessoren hatte sich vor zwei Wochen noch für unzuständig erklärt, weil Siewert nicht mehr zur hiesigen Georg-August-Universität gehört. Dabei wurde übersehen, dass es in der „Ordnung zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ heißt: „Die Universität wird jedem konkreten Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten ihrer jetzigen oder ehemaligen Mitglieder und Angehörigen  nachgehen, soweit die betreffenden Arbeiten und Leistungen an der Universität Göttingen erbracht wurden.“ Bei „Prüfungsleistungen“  wie einer  Habilitationsschrift oder  Doktorarbeit „kann das Ombudsgremium die Sache an die zuständige Fakultät verweisen.“ Davon abgesehen, könnte auch der Dekan den Fachbereichsrat  von sich aus damit befassen oder ein Fakultätsmitglied einen entsprechenden Antrag einbringen. Das stellt etwa der frühere Sprecher des bundesweiten Ombudsgremiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Hamburger Rechtsprofessor Hans-Heinrich Trute auf Nachfrage klar. Der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen und UMG-Vorstandsvorsitzende, Prof. Heyo Kroemer, verspricht, in der Sache „sorgfältig und transparent vorzugehen“, – um  so jeden Anschein einer Voreingenommenheit zugunsten von Siewert zu vermeiden.

Von Hermann Horstkotte