Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Hülsenfrüchte beliebter machen
Campus Göttingen Hülsenfrüchte beliebter machen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:22 10.12.2017
Innovative Produktgestaltung: Nudeln aus Erbsen. Quelle: R
Anzeige
Göttingen

Kaum ein Land konsumiert so wenig Hülsenfrüchte pro Person wie Deutschland. Dabei seien Erbsen und Bohnen grundsätzlich reich an Proteinen und gesunden Ballaststoffen, und ihr Anbau ist vergleichsweise umweltfreundlich, so die Göttinger Forscher. Die Symbiose von Hülsenfrüchten mit Bodenbakterien ermögliche die Nutzung von Luftstickstoff, einem zentralen Baustein im Pflanzenwachstum. Hülsenfrüchte benötigten daher keinen zusätzlichen Stickstoffdünger. Die Produktion von mineralischem Stickstoffdünger sei sehr energieaufwendig und seine Anwendung könne die Nitratbelastung des Grundwassers erhöhen.

Die Forscher organisierten eine experimentelle Auktion, bei der rund 1000 Teilnehmer auf Hülsenfruchtprodukte bieten konnten. Je nach Untersuchungsgruppe enthielten die Produkte unterschiedliche Werbebotschaften. Dabei boten die Teilnehmenden, die eine Werbebotschaft erhielten, im Durchschnitt mehr als jene, die keinen positiven Aspekt der Produkte aufgezeigt bekamen. „Die Gruppe, die sowohl Umwelt- als auch Gesundheitsaspekte aufgezeigt bekam, zeigte eine deutlich höhere Zahlungsbereitschaft“, erläutert der Erstautor der Studie, Dominic Lemken. Gleichzeitig weisen die Ergebnisse aber auch darauf hin, dass eine große Anzahl von Werbebotschaften zunehmend weniger zusätzliche Überzeugungskraft für den Verbraucher haben kann.

Anzeige

Weitere Analysen zeigen auch Konsumbarrieren und Vermarktungschancen für Hülsenfrüchte auf. „Neue und verbesserte Pflanzensorten könnten die Verdaulichkeit optimieren und damit die Vorbehalte einiger Verbraucher zerstreuen“, so Lemken. Auch eine innovativere Produktgestaltung, beispielsweise für Erbsen, die in der Regel in Dosen verkauft werden, könnte neue Verbrauchersegmente erschließen. Die Erbse bringe gute Verarbeitungsqualitäten mit, beispielsweise in Form von Nudeln. „Wenn Umweltaspekte stärker in die Produktkommunikation einbezogen und Konsumbarrieren abgebaut werden, könnten Hülsenfrüchte schon bald wieder einen höheren Stellenwert in unserer Ernährung einnehmen“, so das Fazit der Wissenschaftler.

Von Christiane Böhm

09.12.2017
08.12.2017