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Göttingen „Arbeitswelten der Zukunft“
Campus Göttingen „Arbeitswelten der Zukunft“
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10:30 19.09.2018
Akademiewoche 2018 „Arbeitswelten der Zukunft“ : Kilian Bizer. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

In Zukunft werden immer mehr Dienstleistungen über Plattformen im Internet gebucht, führte der Göttinger Professor für Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung vor 100 Zuhörern aus. Bizer sprach im Alten Rathaus zum Auftakt der Akademiewoche, in der es um „Arbeitswelten der Zukunft“ geht.

Die Plattformen, so der Wissenschaftler, würden sich durchsetzen, weil sie Konsumenten Preis-Leistungs-Transparenz böten. Gleichzeitig erleichterten sie neuen Anbietern den Marktzugang.

Bürgerversicherung

„Allerdings setzen die Plattformen die Dienstleister einem erheblichen Preisdruck aus“, führte Bizer aus. Die Zahl der Kleinselbstständigen steige. Sie unterlägen nicht dem klassischen Arbeitsschutz, bezögen keinen Mindestlohn und seien nicht sozialversicherungspflichtig tätig. Deshalb spreche er sich für eine Bürgerversicherung aus, in die auch Selbstständige und Beamte einzahlen müssten.

Alternativ, so Bizer, sei auch ein Modell vergleichbar mit der Künstlersozialkasse denkbar, wo Auftraggeber einen Teil der Sozialversicherungskosten übernähmen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen lehne er dagegen ab, weil es viele als „Freifahrtschein“ für Müßiggang betrachten würden.

„ Chatbots, Clickworker und Co.: Wie verändert die künstliche Intelligenz unsere Berufe?“ Quelle: Christina Hinzmann

 

Online-Handel

„Die Plattformen haben bereits heute erhebliche Auswirkungen auf die Innenstädte“, stellte der Professor fest. Der Onlinehandel wachse auf Kosten des stationären Einzelhandels, was in Kleinstädten bereits sichtbar zu Geschäftsaufgaben und Leerständen führe. Reisebüros würden Kunden verlieren, weil sich Konsumenten auf Plattformen informierten und dort buchten. Um gegenzusteuern, müssten sich die Innenstädte selbst als Plattform begreifen, ihre Online-Präsenz deutlich verbessern und Angebotslücken durch gezielte Ansiedelung von Firmen schließen.

Chatbots

„Mit der Digitalisierung werden immer mehr Routinearbeiten durch Maschinen ersetzt“, sagte Bizer. So würden sogenannte Chatbots, chattende Roboter, in absehbarer Zeit den Mitarbeitern von Service-Hotlinen einen großen Teil der Arbeit abnehmen. Diese Entwicklung treffe verstärkt auch Akademiker.

Computer könnten mittlerweile den schwarzen Hautkrebs schneller und besser erkennen als ein Großteil der Ärzte. Computer würden in Zukunft Standardverträge innerhalb von Sekunden ausarbeiten, wofür Rechtsanwälte mehrere Stunden benötigten. Hochschulen stellten Studierenden regelmäßig wiederkehrende Vorlesungen künftig online zur Verfügung. Professoren würden dafür nicht mehr benötigt. Damit brächen gut bezahlte Stellen weg. Die Lohnsumme schrumpfe, was das Rentensystem schwäche.

Lebenslanges Lernen

„Angesichts der Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt wird lebenslanges Lernen wichtiger“, betonte der Professor. Um ein weithin wahrgenommenes Zeichen zu setzen, solle der Bundestag zwei Weiterbildungstage pro Jahr für sämtliche Arbeitnehmer einführen. Einen Tag sollten die Arbeitgeber finanzieren, die Arbeitnehmer einen Urlaubstag opfern. Hochschullehrer könnten diese Zeit nutzen, um ihre didaktischen Fähigkeiten zu verbessern, regte Bizer an.

Universität Göttingen

Für Hochschulen würden sich damit interessante Perspektiven auftun, erklärte der Volkswirt. Bisher würden die 5000 Absolventen, die die Universität Göttingen pro Jahr verließen, nie wieder in die Hörsäle und Seminarräume zurückkehren. Künftig könnten Hochschulen Weiterbildungen anbieten und so ihren im Vorlesungsbetrieb nicht mehr benötigten Professoren ein neues Betätigungsfeld erschließen.

Vorträge am 19. und 20. September

Die Akademiewoche wird am Mittwoch, 19. September, fortgesetzt mit dem Vortrag „Arbeit in Zeiten der Digitalisierung: Von Naturgewalten, betrieblicher Organisation und Konflikten um gute Arbeit“ von Nicole Mayer-Ahuja, Göttingen. Zum Abschluss der Akademiewoche am Donnerstag, 20. September, spricht Christoph Scherrer, Kassel, unter dem Titel „Die Überflüssigen: Was macht die wirtschaftliche Entwicklung im Globalen Süden so schwierig?“. Die Vorträge beginnen um 18.15 Uhr im Alten Rathaus, Markt 9, in Göttingen.

Von Michael Caspar

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