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Göttingen Göttinger Forscher: Handbestäubung sorgt für mehr Kakao-Ertrag
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Göttinger Forscher: Handbestäubung sorgt für mehr Kakao-Ertrag

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10:00 01.10.2020
CAM-Handbestäunung - I: Kakao-Agroforest auf Sulawesi (Indonesien); - II: Von Kakao-Anbau geprägte Landschaft auf Sulawesi (Indonesien); - III: Manuel Toledo bei der Handbestäubung einer Kakaoblüte. Quelle: R
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Göttingen

Ein Forschungsteam der Universität Göttingen hat herausgefunden, dass nicht Agrochemikalien, sondern Bestäubung von Hand den Kakao-Ertrag steigert. Die Ergebnisse ihres Feldversuchs in Indonesien haben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Agriculture, Ecosystems and Environment veröffentlicht, teilt ein Sprecher der Universität mit.

Kakao sei auf dem Weltmarkt stark nachgefragt, aber um die Produktion zu steigern, gibt es sehr unterschiedliche Wege, so die Universität. Die Forscher hätten in indonesischen Agroforstsystemen nun die relative Bedeutung des Einsatzes von Pestiziden, Dünger und Handbestäubung untersucht. Kakao benötige Fremdbestäubung durch Insekten, um Früchte zu produzieren. Wie die natürliche Bestäubung durch winzige Mücken, Fliegen oder Wespen zu fördern ist, sei nach wie vor unklar, „da noch nicht einmal die Identität der wichtigsten Bestäuber geklärt“ ist, heißt es in der Mitteilung. In dieser Situation blieben mehr als 90 Prozent der Blüten ohne Insektenbesuch und entwickelten keine Früchte.

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Handbestäubung bewirkt Ertragssteigerung von 161 Prozent

Das Göttinger Team habe in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Studierenden der Tadulako Universität in Palu herausgefunden, dass die Handbestäubung eine Ertragssteigerung bei den Kakaobäumen um 161 Prozent bewirken könnte. Nach Abzug der Kosten der Handbestäubung würden die Kleinbauern eine Steigerung ihres Einkommens „um 69 Prozent“ verzeichnen, teilte die Universität mit. Der erhöhte Einsatz von Pestiziden und Dünger habe keine Steigerung des Ertrags gebracht.

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„Unsere Ergebnisse zeigen, wie agrarökologische Intensivierung mit der Förderung biologischer Prozesse oder dem Einsatz innovativer Techniken wie der Handbestäubung Erfolg haben kann“, zitiert die Universität Erstautor Manuel Toledo-Hernández, Doktorand in der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen. Der vollständige Text der Originalveröffentlichung sei bis zum 5. November verfügbar, so die Universität.

Manuel Toledo bei der Handbestäubung einer Kakaoblüte. Quelle: R

Prof. Dr. Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie, und Prof. Dr. Thomas C. Wanger (jetzt an der Westlake University in China) hätten die Arbeit betreut und erklärt, dass die Limitierung der Produktion durch unzureichende Bestäubung in vielen Kulturen in den Tropen wie auch in den gemäßigten Breiten eine große Rolle spiele – diese solle zukünftig „viel stärker bei Anstrengungen zur Produktionssteigerung berücksichtigt“ werden.

Von Stefan Kirchhoff