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Göttingen Rothirsche können zum Erhalt geschützter Lebensräume beitragen
Campus Göttingen Rothirsche können zum Erhalt geschützter Lebensräume beitragen
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13:25 12.05.2019
Göttinger Forscher haben belegt, dass Rothirsche in offenen Landschaften einen mit der extensiven Beweidung durch Nutztiere vergleichbaren positiven Effekt haben. Quelle: Marcus Meißner
Göttingen

Wildverbiss im Wald ärgert die Förster, äsende Hirsche in offenen Landschaften erfreuen Wissenschaftler und Naturschützer. Ein Forscherteam der Universität Göttingen und des Instituts für Wildbiologie hat nachgewiesen, dass wildlebende Rothirsche zum Erhalt geschützter Lebensräume beitragen.

In großen Gruppen grasen Rothirsche auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr auch tagsüber im Offenland. Quelle: Marcus Meißner

Auf dem Grünen Band bei Duderstadt beweiden Schafe den ehemaligen Grenzstreifen, am Seeanger bei Seeburg Rinder die dortigen Wiesen. Einen ähnlich positiven Effekt wie die extensive Bewirtschaftung mit Nutztieren sollen Rothirsche haben, die in offenen Landschaften grasen. Das belegt eine dreijährige Feldstudie des interdisziplinären Forscherteams, an dem die Abteilungen Grasland- und Wildtierwissenschaften der Göttinger Uni beteiligt waren, auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr in Bayern.

Extensive Beweidung

Erstautorin der Studie ist die Göttinger Doktorandin Friederike Riesch. Quelle: Anja Schmitz

„In diesem Gebiet kommen nicht nur zahlreiche geschützte Lebensräume und seltene Arten vor, sondern auch ein großer Bestand freilebender Rothirsche, sagt Friederike Riesch. Die Göttinger Doktorandin ist Erstautorin der Studie, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Journal of Applied Ecology“ erschienen sind. Da die Tiere auf den unbewaldeten Flächen des Übungsplatzes nur an wenigen Tagen bejagt würden, könnten sie die Grünland- und Heideflächen ganzjährig nutzen. Bei den Untersuchungen wurde der Pflanzenaufwuchs ebenso erfasst wie Futterqualität und -aufnahme durch die Rothirsche. Der Anteil des Pflanzenaufwuchses, der von den Hirschen gefressen werde, könne in einer vergleichbaren Größenordnung wie bei extensiver Nutztierbeweidung liegen, fasst Riesch das Ergebnis zusammen.

Schutz offener Landschaftstypen

Mit Hilfe von Weidekörben zum Ausschluss der Rothirsche wurde ermittelt, wie viel Biomasse die Tiere aufnehmen. Quelle: Friederike Riesch

Im Frühjahr war die Futteraufnahme im Grünland am höchsten, im Winter auf den Heiden. Diese saisonalen Muster würden gut zu den unterschiedlichen Beweidungsansprüchen der Vegetation passen, beide Lebensraumtypen profitieren, sagt Riesch und folgert daraus Anpassungsmöglichkeiten für das Wildtiermanagement. „Auf diese Weise kann ein Beitrag zum Erhalt naturnaher Offenlandlebensräume geleistet und gleichzeitig das Risiko von Schäden durch Rothirsche in forstlich genutzten Wäldern reduziert werden“, ergänzt Co-Autorin Dr. Bettina Tonn aus der Abteilung Graslandwirtschaft. Unterstützt wurde das Forschungsprojekt vom Bundesforstbetrieb, gefördert durch die Landwirtschaftliche Rentenbank.

Brunftschreie und neue Feinde

Als „Platzhirsch“ hat der zu den größten heimischen Tierarten zählende Rothirsch Eingang in die politische Terminologie gefunden, als Wildtier in Wäldern ist er wegen Verbiss- und Schälschäden auch der Forstwirtschaft ein Dorn im Auge. In der Region gibt es Vorkommen in Solling, Harz und Thüringer Wald. Der Anblick des bis 1,50 Meter großen Tieres mit imposantem Geweih fasziniert viele Menschen, ebenso wie das Röhren und die Kämpfe in der Brunftzeit – ein Pfund, mit dem die Nationalparks Harz und Hainich sowie der Naturpark Solling-Vogler wuchern können. Die polygamen Könige der Wälder bilden ab dem zweiten Lebensjahr Junggesellenrudel, die sich in der Brunftzeit auflösen. Bis vor einigen Jahren hatte das Rotwild in Deutschland, dessen Bestand auf knapp eine Viertelmillion Exemplare geschätzt wird, keine natürlichen Feinde. Das hat sich mit der Rückkehr von Luchs und Wolf geändert. Daten, wie das die Population beeinflusst, gibt es allerdings noch nicht. In Norddeutschland sind neben Rothirsch und Reh, das irrtümlicherweise häufig für einen weiblichen Hirsch gehalten wird, mit Damhirsch und Sikahirsch noch zwei weitere Hirscharten verbreitet. ku

Von Kuno Mahnkopf

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