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Göttingen Göttinger Forscher entwickeln Bluttest zur Früherkennung
Campus Göttingen Göttinger Forscher entwickeln Bluttest zur Früherkennung
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17:07 27.08.2013
Von Angela Brünjes
Blutprobe: Abstrich für eine DNA-Extraktion in einem Labor. Quelle: dpa
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Göttingen

Durch die exakte Bestimmung von zellfreier DNA des Transplantats in einer Blutprobe des Empfängers ist beispielsweise die Früherkennung von Abstoßungsreaktionen möglich.

Der kostengünstige und innerhalb eines Arbeitstages durchführbare Test ist von dem Göttinger Labor der Firma „Chronix Biomedical“ aus Kalifornien (USA) unter der Leitung von Dr. Ekkehard Schütz, auf einem neuartigen digitalen PCR-System (Bio-Rad QX100) entwickelt worden.

Erste klinische Ergebnisse wurden Ende Juli auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Klinische Chemie vorgestellt und von der National Academy of Clinical Biochemists in Houston (USA) prämiert.

Ausprägung durch frühere Intervention verhindern

Zusammen mit dem neuen Leiter der UMG-Transplantationschirurgie, Prof. Otto Kollmar, wurden Patienten unmittelbar nach einer Transplantation untersucht, teilte „Chronix Biomedical“ mit. Die  Untersuchungen seien Teil einer vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderten Studie zu Biomarkern nach Transplantation.

„Wir sind nunmehr in der Lage, auch subklinische Abstoßungen frühzeitig zu erkennen und eine volle Ausprägung durch frühere Intervention zu verhindern“, erklärte  Oellerich,  der Direktor der Abteilung Klinische Chemie an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) war und seit 2012 seine Forschungen im Rahmen einer „Niedersachsenprofessur – Forschung 65 +“ fortsetzt.

Transplantationschirurg Kollmar geht davon aus, dass der Test helfen kann, durch bessere Individualisierung der immunsuppressiven Therapie die Langzeitergebnisse zu verbessern.„Die direkte und empfindliche Messung von Veränderungen des transplantierten Organs wird in der klinischen Praxis eine wirkliche Hilfe, insbesondere auch zur Steuerung der Therapie sein“, sagt Kollmar.

Bedeutung der zellfreien DNA als Biomarker

Privatdozent Schütz, Leiter des  Göttinger Chronix Medical-Labors beschreibt diese neue Methode als  „Biopsie aus dem Blut“. Sie ist seiner Meinung nach ein Beispiel für die Bedeutung der zellfreien DNA als Biomarker. Schütz: „Wir sind davon überzeugt, dass diese in Zukunft, insbesondere mit den neuartigen Messtechniken, einen festen Platz in der Labordiagnostik haben werden.“

In Deutschland, Österreich und Schweiz wurden im Jahr 2012 etwa 5800 Transplantationen durchgeführt. Das Forscherteam um Oellerich kündigte an, es werde den Test an größeren Patientengruppen in multizentrisch angelegten Studien auch für Herz- und Nierentransplantationen untersuchen.