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Campus Göttingen Göttinger Forscher finden Erklärung für leuchtendes Meer
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01:18 01.12.2018
Künstlerische Wiedergabe von Phytoplanktonarten, die eine ungleichmäßige Verteilung bilden.
Künstlerische Wiedergabe von Phytoplanktonarten, die eine ungleichmäßige Verteilung bilden. Quelle: R
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Göttingen

Seit Jahrtausenden wissen Seefahrer, dass die Meere regelmäßig richtig rot werden können. Diese großen Farbschichten, die sich über Dutzende bis zu Hunderte von Kilometern erstrecken, werden vom Phytoplankton verursacht. Ein Team von Wissenschaftlern des Göttinger Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation hat in einer neuen Studie herausgefunden, wie Ungleichmäßigkeiten in der Algenblüte durch leichte Turbulenz ausgelöst werden können.  Die Ergebnisse sind auch für die Fischereiindustrie interessant.

Färbt sich das Meer rot oder grün, ist Phytoplankton am Werk – unzählige mikroskopisch kleine Algen, die das Sonnenlicht zur Energiegewinnung nutzen und die Färbung verursachen. Das Phytoplankton ist die Basis der marinen Nahrungskette und produziert 50 Prozent oder mehr des Sauerstoffs in der Atmosphäre. Jüngste Beobachtungen zeigen, dass schwimmende Phytoplanktonarten in Ozeanen und Seen eine ungleichmäßige räumliche Verteilung bis in den Millimeterbereich aufweisen. Dies ist insofern überraschend, als es der intuitiven Erwartung entgegensteht, dass die milden Turbulenzen, die in Gewässern allgegenwärtig sind, die Mikroorganismen vermischen und relativ gleich verteilen.

„In unserer Arbeit haben wir festgestellt, dass milde Turbulenzen subtil mit der Schwimmfähigkeit des Phytoplanktons wechselwirken und so zu räumlich ungleichmäßigen Verteilungen der Zellen führen können“, sagt Rebekka Breier, Hauptautorin der Göttinger Studie.

Wenn die typischen Zeitskalen der Turbulenz etwa den Skalen der Interaktion zwischen den Phytoplanktonzellen entsprechen, entstehen kleine dichte Ansammlungen von beweglichen Zellen auf Millimeter großen Skalen.

„Unsere Arbeit ebnet den Weg, um zu verstehen, wie ungleichmäßige Verteilung bei Algen entsteht und wächst. Der aufgedeckte physikalische Mechanismus hilft zu verstehen, welche Faktoren Algenblüten auslösen können. Dies wird uns wahrscheinlich erlauben, bessere Vorhersagen darüber zu treffen, wie sich Algenblüten verhalten. Dies ist auch für die Fischereiindustrie interessant, da die Algenblüte für sie einen immensen wirtschaftlichen Schaden verursacht ", betont Marco Mazza, der für das Projekt verantwortlich ist.

Von Christiane Böhm