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Göttingen Göttinger Forscher machen wichtige Entdeckung
Campus Göttingen Göttinger Forscher machen wichtige Entdeckung
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16:13 07.03.2019
Unter dem Mikroskop: Die pathogenen T-Zellen (grün) sind in großer Zahl in das Gewebe der grauen Hirnsubstanz einer Ratte eingedrungen. Quelle: r/UMG
Göttingen

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben herausgefunden, wie Immunzellen die graue Hirnsubstanz, die Schaltzentrale des Gehirns, angreifen und zerstören. Diese Entdeckung sei für das Verständnis vor allem der Multiplen Sklerose und auch anderer neurologischer Erkrankungen von Bedeutung, teilt die UMG mit.

Multiple Sklerose (MS) wurde lange Zeit als Erkrankung der weißen Hirnsubstanz angesehen. Diese ist darauf spezialisiert, die ein- und ausgehenden Signale möglichst schnell und zielgerichtet weiterzuleiten. Man kann die weiße Substanz des Gehirns daher am ehesten mit dem Kabelwerk im Computer vergleichen.

Doch viele Krankheitssymptome der MS lassen sich nicht durch eine alleinige Schädigung der weißen Hirnsubstanz erklären. Symptome wie zum Beispiel chronische Fatigue, Gedächtnisstörungen und manchmal sogar epileptische Anfälle müssen eine andere Ursache haben. Sie weisen auf eine Schädigung der grauen Hirnsubstanz hin.

Neues Modell der Göttinger Forscher

Wissenschaftler des Instituts für Neuroimmunologie und Multiple-Sklerose-Forschung der UMG haben nun ein neues Modell entwickelt, „mit dem sich erstmals gezielt Schädigungen in der grauen Hirnsubstanz erforschen lassen“, so die UMG. Über diesen Weg hätten sie einen neuen Krankheitsmechanismus bei Multipler Sklerose entdeckt.

Die Forscher fanden demnach im Tiermodell heraus, durch welche Immunzellen bei dieser autoimmunologischen Erkrankung des Zentralnervensystems die graue Hirnsubstanz angegriffen werden könnte. Dieser Teil ist die Schalt- und Speicherzentrale des Gehirns, hier werden nahezu sämtliche Signale verschaltet, verrechnet und gespeichert.

Die Ergebnisse der Forschungen sind in der Februar-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature veröffentlicht worden. Immunzellen, die gegen das in Nervenzellen vorkommende Eiweiß beta-Synuklein gerichtet sind, dringen demnach gezielt in das Steuerzentrum des Gehirns ein und lösen vor Ort eine Entzündungsreaktion aus. Dadurch werden die hochspezialisierten und zarten Nervengeflechte geschädigt. Die fatale Folge: Das Gehirn schrumpft, und es kommt zu nicht reparierbaren neurologischen Ausfällen. Die Göttinger Wissenschaftler entdeckten zudem, dass solche zerstörerischen Immunzellen vor allem im Blut von Multiple Sklerose-Erkrankten mit einem fortschreitend-chronischen Verlauf vermehrt sind.

Angriff auf die Zentrale des Gehirns

Unser Immunsystem schützt uns gegen schädliche Eindringlinge, zum Beispiel pathogene Bakterien oder Viren. Manchmal aber greifen Immunzellen fälschlicherweise das eigene Gewebe an. Ein solches „Missverständnis“ scheint auch bei Multipler Sklerose vorzuliegen. Diese Erkenntnis hat die Forschung aus Studien an Tiermodellen gewonnen: Hier sehen bestimmte Immunzellen, sogenannte T-Zellen, das Hirnge-webe als Feind an und bekämpfen es mit den bekannten fatalen Folgen.

„Eigenartigerweise konnte aber in solchen Studien nie ein gezielter Immunangriff auf die graue Hirnsubstanz gefunden werden, sondern es ist stets die weiße Substanz entzündet“, sagt Prof. Alexander Flügel, Direktor des Instituts für Neuroimmunologie der UMG und Senior-Autor der Publikation. „Ein zentrales Merkmal der Multip-len Sklerose blieb daher rätselhaft. Schädigungsmechanismen in der grauen Hirnsubstanz konnten nicht systematisch erforscht werden und somit sind auch die Ursachen der Schädigungen im menschlichen Gehirn bislang weitgehend unbekannt“, so Flügel.

Bedeutung für die Behandlung Multipler Sklerose

Das ist die Neuigkeit der Göttinger Arbeit: Die Göttinger Forscher haben herausgefunden, wann das Immunsystem doch die graue Hirnsubstanz angreift. Die Beobachtungen des Göttinger Forscherteams könnten für die Behandlung der Multiplen Sklerose von Bedeutung sein, so die UMG. „Die Möglichkeit, im Modell die autoimmune Zerstörung der grauen Hirnsubstanz nachzuvollziehen und damit systematisch untersuchen zu können, kann möglicherweise zur Entwicklung geeigneter therapeutischer Gegenstrategien genutzt werden.“ Zudem könnte die Erforschung der pathogenen T-Zellen im menschlichen Blut dazu führen, Patienten mit Multipler Sklerose besser über die möglichen Risiken ihrer Krankheit und geeignete Therapieoptionen aufzuklären.

Von afu/r

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