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Göttingen Erdbeeren wachsen besser an Hecken
Campus Göttingen Erdbeeren wachsen besser an Hecken
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14:23 05.02.2019
Fressende Rapsglanzkäfer in den Blüten von Erdbeerpflanzen. Quelle: Denise Castle / r
Göttingen

Wirken sich Hecken und ihre Verbindung zu Waldrändern positiv auf die Bestäubung von Erdbeeren aus? Mit dieser Frage hat sich ein Team aus Göttinger Wissenschaftlern beschäftigt. Bei der Untersuchung habe sich herausgestellt, dass sowohl das Gewicht als auch die Qualität der Erdbeerfrüchte gesteigert werden, wenn Erdbeerpflanzen an Hecken platziert sind. Die Ergebnisse der Studie werden in der Ausgabe 275 der Fachzeitschrift „Agriculture, Ecosystems & Environment“ veröffentlicht, die am 1. April erscheinen soll. Beteiligt waren Forscher aus den Abteilungen Funktionelle Agrobiodiversität und Agrarökologie der Universität Göttingen.

Tests an drei Standorten

„Bienen und andere Insekten übernehmen mit ihren Blütenbesuchen eine wichtige Funktion in der Agrarlandschaft. Aufgrund ihres Angebots an Blütenpflanzen und Nistmöglichkeiten stellen Hecken und Waldränder wichtige Lebensräume für Bestäuber dar“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Forscher. Für die Untersuchungen seien Erdbeerpflanzen an drei unterschiedlichen Standorten platziert worden: neben Hecken, die an Waldränder grenzten, an freistehenden Hecken und in von Hecken isolierten Grasstreifen. „Wir wollten nicht nur die positiven Effekte der Bestäuber, sondern auch mögliche negative Effekte durch schädliche Insekten untersuchen“, sagt Denise Castle, Erstautorin der Studie, die jetzt am Julius Kühn-Institut (Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen) beschäftigt ist. „Deshalb haben wir neben den blütenbesuchenden Fliegen und Bienen auch die in den Blüten fressenden Rapsglanzkäfer in die Studie aufgenommen“, erklärt Castle.

Deutlich höherer Marktwert

Die Isolation habe sich negativ auf die Anzahl der Bestäuber ausgewirkt, nicht aber auf die Dichten der Rapsglanzkäfer. Somit konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass die Verbindung zu Waldrändern und Hecken einen deutlich positiven Effekt auf die Bestäubung von Erdbeeren hat. „Der Marktwert der Erdbeeren war mit 14,95 Euro pro 1000 Früchte an den mit Waldrändern verbundenen Hecken am höchsten und nahm mit zunehmender Isolation deutlich ab“, erklärt der Agrarökologe Dr. Ingo Grass. 1000 Früchte, die in den Grasstreifen geerntet wurden, hätten demnach nur noch einen Marktwert von 9,27 Euro erzielt.

Erdbeerpflanzen neben einer freistehenden Hecke. Quelle: Denise Castle / r

Aus der Artikel-Vorschau der Fachzeitschrift geht hervor, dass das Erdbeergewicht bei isolierten Hecken um 29 Prozent und bei Grasrändern um 32 Prozent geringer gewesen sei – verglichen mit Beeren bei verbundenen Hecken. Pflanzen, die an Waldhecken aufgestellt worden waren, erzeugten dem Bericht zufolge mehr Erdbeeren von hoher Qualität. Hier seien 90 Prozent als „marktfähig“ eingestuft worden, während nur 75 Prozent der Erdbeeren aus Pflanzen an isolierten Hecken, 48 Prozent der Erdbeeren aus Pflanzen mit grasigen Rändern und 41 Prozent der Erdbeeren aus bestäubte Kontrollanlagen als marktfähig bewertet worden seien.

Hecken als wichtige Lebensräume

„Mit unserer Studie konnten wir eindrücklich zeigen, dass Hecken wichtige Lebensräume in der Agrarlandschaft sind, die die Verbindung zwischen Lebensräumen und angrenzenden Kulturpflanzen erhöhen können und somit auch zur Steigerung der Fruchtquantität und -qualität beitragen“, folgert Prof. Dr. Catrin Westphal, Leiterin der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität.

Prof. Dr. Catrin Westphal Quelle: H. Wulftange / r

Die vorteilhaften und möglicherweise auch nachteiligen Auswirkungen von Hecken auf die Bestäubung der Ernte seien vor der jetzt veröffentlichten Studie nur unzureichend untersucht worden, wie die Göttinger Forscher in der Preview des Artikels betonen.

Von Markus Riese / r

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