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Göttingen Universität Göttingen: Insekten und Algen als Nahrung für Geflügel
Campus Göttingen

Göttinger Forscher untersuchen alternatives Tierfutter

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08:00 03.07.2020
Forschende der Universität Göttingen haben herausgefunden, dass die Fleischqualität von Hähnchen, die mit bestimmten Insekten oder Mikroalgen gefüttert sind, besser wird. Quelle: r
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Göttingen

Insekten und Mikroalgen sind für Geflügel zum Verzehr geeignet. Das haben Forscher der Universität Göttingen in einer Untersuchung herausgefunden. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Journal of the Science of Food and Agriculture“ erschienen.

In der Studie haben die Wissenschaftler Hähnchen mit Soja, Spirulina-Algen oder Insekten als Hauptproteinquelle im Futter gemästet. Anschließend untersuchten sie die Fleischqualität. Im Fokus standen dabei ihre Wachstumsleistung, die Fleischbeschaffenheit unter industriellen Verpackungsbedingungen und ihre sensorischen Eigenschaften. Die Analyse des Fleischs von 132 Tieren zeigte, dass sowohl Mehl aus Larven der Schwarzen Soldatenfliege als auch Spirulina ohne große Qualitätseinbußen einsetzbar ist.

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Fütterung mit Larvenmehl und Algen

Hähnchen, die mit dem Larvenmehl gefüttert werden, produzieren Fleisch, das dem aktuellen Status quo entspricht, heißt es seitens der Universität. Werden die Hähnchen dagegen mit Spirulina gefüttert, seien sowohl die Fleischfarbe als auch der Geschmack intensiver. „Insgesamt erwiesen sich beide Proteinquellen als geeignet und stellen daher eine geeignete Alternative zu Soja dar“, so Erstautorin Brianne Altmann von der Abteilung „Produktqualität tierischer Erzeugnisse“ der Universität Göttingen.

Brianne Altmann von der Abteilung „Produktqualität tierischer Erzeugnisse“ der Universität Göttingen. Quelle: r

Mikroalgen werden bereits weltweit für Biokraftstoffe, Tierfutter und den menschlichen Verzehr produziert, so die Universität Göttingen. Sie seien allerdings teurer als Sojaschrot. Insekten seien in der Europäischen Union gegenwärtig nur für Fische als Futtermittel zugelassen. Es werde jedoch erwartet, dass sie in naher Zukunft auch als Geflügelfutter zugelassen werden. Dazu müssten Insekten jedoch mit zertifizierten Futtermitteln erzeugt werden. „Wirklich nachhaltig wird die Erzeugung von Insekten als Futtermittel jedoch nur, wenn auch Rest- und Abfallstoffe als Futtermittel eingesetzt werden dürften“, erläutert Abteilungsleiter Prof. Daniel Mörlein. Die Studie fand anlässlich des Projektes „Sustainability Transitions in der Lebensmittelproduktion“ statt.

Nach Universitäts-Angaben werden weltweit immer mehr tierische Produkte verzehrt. Gleichzeitig würden vegane und vegetarische Ernährungsstile in westlichen Ländern immer beliebter. Diese wachsende Nachfrage erfordere eine beträchtliche Menge an proteinreichem Futter für die landwirtschaftlichen Nutztiere. Der Anbau von Futtermitteln gehe jedoch oft mit Landnutzungsveränderungen wie der Abholzung von Wäldern einher. Künftige Proteinfuttermittel sollten deshalb unabhängig von Ackerland werden.

Von Anja Semonjek

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