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Göttingen Göttinger Geschichte der Erforschung des Tierreichs
Campus Göttingen Göttinger Geschichte der Erforschung des Tierreichs
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17:28 12.09.2014
Bekanntes Objekt des Zoologischen Museums: Das Skelett eines Pottwals. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Prof. Rüdiger Hardeland sprach am Donnerstag bei der Eröffnung der Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität über die Geschichte der Zoologie in Göttingen.

Die Disziplin war damals noch kein eigenständiges Fach. Büttner baute eine Sammlung auf, die neben zoologischen auch mineralogische, botanische und paläontolische Stücke umfasste.

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Eine zoologische Dissertation verfasste der spätere Göttinger Professor Johann Christian Polycarp Erxleben, der die Tierheilkunde begründet hat. Als Vater der Zoologie und Anthropologie gilt Johann Friedrich Blumenbach. Nach ihm ist das Zoologische Institut in Göttingen benannt. Der Professor, so Hardeland, habe sich zwar mit Unterschieden zwischen menschlichen Populationen befasst, sei aber ein Gegner des Rassismus gewesen.

1864 entstanden

Unter Arnold Adolf Berthold, dem Begründer der Endokrinologie, wurde die zoologische Sammlung der Universität eigenständig. Rudolf Wagner war der erste Göttinger Professor, der die Zoologie in seinem Titel führte, neben Physiologie und vergleichender Anatomie.

1864 entstand das Zoologische Institut. Institutsleiter Wilhelm Moritz Keferstein initiierte den Bau eines eigenen Gebäudes in der Berliner Straße 28. Es wurde unter seinem Nachfolger, Ernst Ehlers, 1877 fertig gestellt und beherbergte anfangs neben der zoologischen auch die geologische Sammlung.

Genetiker Alfred Kühn, Institutsleiter von 1920 bis 1937, fand mit seinen Ausführungen zur „Rassenpflege“ Anklang bei den Nationalsozialisten, was Hardeland in seinem Vortrag nicht thematisierte. Hardeland stellte Kühns Mitarbeiter Ernst Wolfgang Caspari heraus, der sich mit Genetik und Biochemie befasste. Caspari musste Nazideutschland 1935 wegen seiner jüdischen Abstammung verlassen. Seine Eltern wurden dagegen deportiert und kamen um.

Wirkungsstätten auf sieben universitäre Standorte

1961 entstand ein zweites Zoologisches Institut, an dem 1971 eine Abteilung für Ökologie eingerichtet wurde. 1985 gab es dann drei zoologische Institute. Im Wintersemester 1981/82 besuchte dort die amerikanische Studentin Carol Greider Veranstaltungen. Sie wurde Molekularbiologin und erhielt 2009 für ihre Forschung mit anderen den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Heute verteilen sich die Wirkungsstätten der Göttinger Zoologen auf sieben universitäre  Standorte, vor allem in Neubauten auf dem Nordcampus. Der Grund, so Hardeland, sei einmal der Bedarf nach modernen Laborräumen, aber auch die gewünschte Nähe zum Deutschen Primatenzentrum und Forschergruppen des Göttinger Bernstein Center for Computational Neuroscience.

In der Berliner Straße soll nach Plänen des Universitätspräsidiums aus dem Institutsgebäude das Haus des Wissens werden, wo künftig wechselnde Ausstellungen der wissenschaftlichen Sammlungen der Universität gezeigt werden.

Von Michael Caspar