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Göttingen Lernprozess durch „Schauprozesse“ bei ELSA-Regionalentscheid in Göttingen
Campus Göttingen Lernprozess durch „Schauprozesse“ bei ELSA-Regionalentscheid in Göttingen
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21:00 03.05.2019
Die Jurastudenten Lauridz Achilles (links) und Torben Schneider haben die Göttinger Fakultät beim Gerichtswettbewerb vertreten. Quelle: Kuno Mahnkopf
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Göttingen

Die Göttinger Jurastudenten Lauridz Achilles und Torben Schrader haben am Freitag den Regionalentscheid Nord der deutschen ELSA-Moot-Courts (European Law Students Association) gewonnen. Damit ist das Göttinger Team beim Bundesentscheid vor dem Bundesgerichtshof Karlsruhe am 19. Juli dabei und misst sich dort mit dem Gewinner des Regionalentscheids Süd. Im vergangenen Jahr hatte das Göttinger Team den zweiten Platz beim Moot-Court-Wettbewerb des Bundesarbeitsgerichts gewonnen.

Acht Fakultäten vertreten

Jura-Studenten aus acht norddeutschen Fakultäten von Hamburg bis Hannover sind am Freitag bei einem fiktiven Prozessmarathon im Göttinger Landgericht gegeneinander angetreten. Die Doppel-Teams mit jeweils zwei „Rechtsanwälten“ und ihre zuhörenden Kommilitonen nahmen zwei Gerichtssäle in Beschlag, Richter moderierten den Schlagabtausch, übernahmen die Rolle von Coaches und Juroren.

Cederic Meier (links) hat den Regionalentscheid in Göttingen organisiert. Quelle: Kuno Mahnkopf

Auf das Ausgangsszenario – ein klassischer Zivilprozess als Fall für ein Amtsgericht – konnten sich die Parteien vorbereiten, die Nachfragen der Richter und der Verhandlungsverlauf bargen dann aber doch immer wieder Überraschungen: Ein Sportradfahrer aus Berlin, der in Stuttgart zwei Fahrräder erworben hatte, erlitt damit Schiffbruch und verklagte die Betreiber des Fahrradladens auf Schadensersatz. Bei einem Rad drehte sich nach Austausch des defekten linken Pedals das rechte nicht mehr, beim anderen Rad platzte der überalterte Vorderreifen. Bei dem Unfall blieb der Fahrer unverletzt, das Fahrrad geriet unter die Räder eines Lastwagens.

Bei den Moot-Courts erproben Jura-Studenten in simulierten Prozessen ihr Argumentationstalent vor waschechten Richtern. Quelle: Kuno Mahnkopf

Prozess gegen Fahrradhändler

In einer der vier Vorrunden traten die Göttinger Studenten Lauridz Achilles und Torben Schrader gegen zwei Studentinnen aus Kiel an und vertraten die Beklagten. Die Zuständigkeit des angenommenen Amtsgerichts Berlin-Mitte zweifelten sie unter Verweis auf den Leistungs- und Erfüllungsort ebenso an wie eine generelle Überprüfungspflicht für Reifen – selbst nach Maßstäben eines Bundesgerichtshof-Urteils für Autohändler, machten Material- statt Montagefehler geltend. Ihre Kontrahentinnen konterten mit der Verletzung der Sorgfaltspflicht, Fahrlässigkeit und unterlassenen Kontrollen. Paragraphen wurden ebenso bemüht wie juristische Fachbegriffe, bei denen die drei Richter unter Vorsitz von Carsten Schindler (Wirtschaftsstrafkammer) immer wieder nachhakten: Integritätsinteresse, Rechtspflichtverletzung, Entbehrlichkeit der Fristsetzung, Pflichtenhorizont, Anerkenntnis und Zumutbarkeit. Manchmal klemmte es noch ein wenig, wurde nicht laut und prägnant genug gesprochen. Aber die Praxis-Lektion sollte ja auch der Übung dienen – und nicht dazu, auf Anhieb geschliffenes Gerichtsdeutsch auszuspucken. Die Göttinger Studenten überzeugten jedenfalls, traten mit vertauschten Rollen im Finale erneut gegen Kiel an und entschieden auch dieses Match für sich.

Vom Hörsaal in den Gerichtssaal

ELSA (European Law Students Association) wurde 1981 in Wien gegründet. Die weltgrößte Vereinigung von Jurastudenten mit 50 000 Mitgliedern in 43 Ländern bietet Möglichkeiten, sich zu engagieren und weiterzubilden. Ein wichtiger Baustein sind die sogenannten Moot Courts - fiktive Gerichtsverhandlungen, um die Berufspraxis zu erproben. Die Idee zu fiktiven Gerichten mit erdachten Fällen stammt aus den Vereinigten Staaten. Der ELSA-Deutschland-Moot-Court (EDMC) ist der bundesweit größte Moot-Court im Zivilrecht. Als Wettbewerb wird der EDMC jährlich über Lokal- und Regionalentscheide bis zum Bundesentscheid ausgetragen, das Finale am Bundesgerichtshof in Karlsruhe bestritten. Beim Göttinger ELSA-Ableger, der als gemeinnütziger Verein anerkannt ist, organisiert Cederic Meier als Vice President for Academic Activities die Moot Courts. Der 21-Jährige studiert seit dem Wintersemester 2015/2016 an der Uni Göttingen Rechtswissenschaften, war selbst bereits Teilnehmer von Moot Courts und spielt in seiner Freizeit Basketball bei der BG Göttingen.

Bei den „Schauprozessen“, die den Studierenden einen Einblick in die Praxis ermöglichten, zeigte sich, dass eine noch so gute Vorbereitung juristisch freies Argumentieren nicht ersetzen kann. Das bestätigen Malte Drouet und Arthur Gaudzinski aus Osnabrück. „Gute Vorbereitung wird honoriert, ersetzt aber nicht Improvisationstalent“, sagt Gaudzinski. Drouet bedauert den starren Zeitrahmen der simulierten Verhandlung, die aber einen Blick über den Tellerrand ermögliche und als Praxisübung eine gute Vorbereitung auf die mündliche Prüfung sei.

Verfolgen die fiktiven Verhandlungen: Jurastudenten im Landgerichtssaal. Quelle: Kuno Mahnkopf

Wäre es ein echter Prozess gewesen, wären Gerichts- und Anwaltskosten wesentlich höher gewesen als der Streitwert des Zivilverfahrens. Und wäre der Radfahrer beim Unfall verletzt worden, hätte der „Schauprozess“ noch ganz andere Dimensionen angenommen. Richtig zur Sache geht es beim renommierten „Moot Court“ in Washington. Dort wird der Ernstfall geprobt, bis Tränen fließen.

Von Kuno Mahnkopf

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