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Göttingen Göttinger KWZ zeigt Plakate zur Protestbewegung 1968
Campus Göttingen Göttinger KWZ zeigt Plakate zur Protestbewegung 1968
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20:50 23.11.2018
Die Plakataustellung "Mai-68 - Les murs ont la parole!" eröffnete Prof. Dr. Jürgen Kühl im Kulturwissenschaftlichen Zentrums.
Die Plakataustellung "Mai-68 - Les murs ont la parole!" eröffnete Prof. Dr. Jürgen Kühl im Kulturwissenschaftlichen Zentrums. Quelle: Foto: Hinzmann / GT
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Göttingen

Zum ersten Tag des 39. Europäischen Filmfestivals in Göttingen hat im KWZ die Plakatausstellung „Mai 68 – Les murs ont la parole!“ eröffnet. „Was hat ein Mediziner, der kurz in Paris war, mit der Protestbewegung im Mai 1968 zu tun?“, fragte Jürgen Kühl aus Bremen, der inhaltlich in die Ausstellung einführte. Der pensionierte Arzt arbeitete Zeit von 1964 bis 1966 in einem Pariser Kinderkrankenhaus. Als die Protestbewegungen um 1968 begannen, fuhr er nach eigenen Angaben oft mit dem Nachtzug nach Paris. An den Demonstrationen war er nicht beteiligt, dennoch bekam er den Verlauf der Dinge hautnah durch seinen französischen Freundeskreis mit.

Ein Buchband mit Plakaten der Demonstrationen faszinierte ihn in der damaligen Zeit besonders. Kühl war begeistert von der herrschenden Akzeptanz und Gleichberechtigung. „Die Bewegung war zugänglich für jeden. Es war eine Zeit, in der man alles tat, was man nicht tun durfte.“ Insgesamt 30 Plakate wurden vom Institut Français Bremen kopiert und zum Teil vergrößert im Foyer des Kulturwissenschaftlichen Zentrums der Universität Göttingen (KWZ), Heinrich Düker-Weg 14, ausgestellt.

Filme passend zu Plakaten

Der Fokus des Filmfestivals liegt nach Telke Reeck, Geschäftsführerin vom Lumiere, auf den französischen Produktionen, zu denen die Ausstellung eine inhaltliche Ergänzung bietet. Unterstützung bei der Umsetzung gab es von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und dem Lumiere, das Schauplatz mehrerer Werke des Filmfestivals sein wird.

Übersetzt heißt der französische Titel der Ausstellung „Les murs ont la parole!“ „Die Mauern haben das Wort! Vor 50 Jahren, so Kühl, war in Frankreich eine Zeit der großen Freiheiten. Anders als es häufig den Eindruck machte, beschäftigten sich die Protestler nicht nur mit Themen und Problemen, die nur Frankreich betrafen. Auch der Vietnamkrieg war ein oft benanntes Themengebiet. „Leichte Löhne, schwere Panzer“ heißt es auf einem der Plakate. Die Proteste im Mai 1968 richteten sich unter anderem gegen die Konsumgesellschaft und verstaubte Universitätsstrukturen.

Die Plakate aus der Ausstellung im KWZ riefen 1968 zu Protesten auf. Quelle: Christina Hinzmann / GT

Nachwirkungen der Proteste bis heute zu spüren

Bis heute sind die Nachwirkungen der Proteste laut Regina Bendix, Kondekanin der Philosophischen Fakultät der Uni Göttingen, zu spüren. Dabei verweist sie auf die Occupy-Bewegung 2011, die gegen soziale Ungleichheiten und Spekulationsgeschäfte der Banken vorging. „Die damaligen Studentenbewegungen gingen ganz stark gegen die Starrheit der Universitäten.“

Die Plakate sprechen den Betrachter direkt an. „Wir sind alle unerwünscht“, schreit Daniel Cohn-Bendit, ein prominenter Sprecher der Pariser Studenten der 68er Bewegung, dem Betrachter entgegen. Die langen Haare der Flower-Power-Bewegung rebellierten gegen die geschniegelten Haarschnitte der Oberschicht. „Die Studenten haben sich sehr missachtet gefühlt“, sagte Kühl. Neben einfacher Stellungnahme und der Demonstration von Wut gab es auch extrem provozierende Aussagen der Studentenbewegung wie „Wir sind alles deutsche Juden“.

Die Ausstellung kann bis Sonntag, 16. Dezember, besichtigt werden. Die Öffnungszeiten des KWZ sind von montags bis freitags zwischen 8.30 und 21 Uhr sowie samstags zwischen 10 und 18 Uhr.

Von Lisa Hausmann