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16:01 30.03.2018
Ein Querschnitt durch das Instrument SEIS.
Ein Querschnitt durch das Instrument SEIS. Quelle: r
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Göttingen

Keine Region des Mars ist so unerforscht wie sein Inneres. Bisher haben Raumsonden und Landeeinheiten vor allem die Oberfläche und die Atmosphäre unseres Nachbarplaneten untersucht. Mit der NASA-Mission InSight, die voraussichtlich am Sonnabend, 5. Mai, ins All startet, soll sich dies ändern. Wenn die Landesonde im November auf dem Mars aufsetzt, wird sie das erste geophysikalische Labor sein, das dort betrieben wird.

Erde und Mars offenbaren ihre Verwandtschaft im Innern: sie sind aus eisenreichem Kern, silikathaltigem Mantel und fester Gesteinskruste aufgebaut. Für die Erde sind die Dicke und die genaue Zusammensetzung dieser Schichten bekannt. „Wir vermuten, dass der Mars eine etwas andere Entwicklung durchlaufen hat als die Erde“, erklärt Prof. Ulrich Christensen, Direktor am MPS und Mitglied des Seismometer-Teams der InSight-Mission. Grund dafür sei unter anderem, dass er deutlich kleiner ist und in seinem Innern ein geringer Druck herrscht.

InSight wird das erste geophysikalische Labor auf dem Mars sein. Das Seismometer SEIS ist das kuppelförmige Instrument, das in der linken Bildhälfte auf dem Marsboden steht. Quelle: r

Ebenfalls ungeklärt ist, ob der Mars für einen kurzen Zeitraum Plattentektonik aufwies. Heute besteht seine Oberfläche aus einer einzelnen Platte; heiße Aufströme aus dem Innern konzentrieren sich wahrscheinlich allein auf die beiden vulkanischen Regionen Tharsis und Elysium. Auf der Erde hingegen steigt überall heißes Mantelmaterial aus dem Innern auf, kühlt ab und sinkt wieder in die Tiefe. Die Kontinentalplatten, die sich gegeneinander verschieben, sind eine Folge dieser gewaltigen Umwälzungsprozesse.

Fehlen der Plattentektonik erlaubt Blick zurück

„Gerade das Fehlen der Plattentektonik in den vergangenen vier Milliarden Jahren erlaubt uns einen Blick zurück“, so Christensen. Große Teile der Marskruste sind aus der Frühzeit der Planetenentwicklung erhalten geblieben, während es auf der Erde so gut wie keine Kruste aus dieser Zeit mehr gibt. Die Forscher erhoffen sich, am Beispiel des Mars Grundsätzliches über die Entstehung aller erdähnlichen Planeten zu erfahren.

InSight soll am 26. November auf dem Mars landen

Eine wichtige Rolle spielt dabei das Seismometer SEIS (Seismic Experiment for Interior Structure). „Entscheidend ist, dass SEIS exakt waagegerecht auf der Marsoberfläche zum Stehen kommt“, erklärt SEIS-Teammitglied Dr. Brigitte Knapmeyer-Endrun vom MPS. Nach der Landung wird ein Roboter-Arm das Messgerät von der Instrumentenplattform auf den Boden setzen. Das Lageregelungssystem, das am MPS entwickelt und gebaut wurde, richtet das Instrument dann aus.

Bis die ersten Messdaten auf der Erde eintreffen, werden jedoch noch einige Monate vergehen. Am 26. November soll InSight auf dem Mars in der äquatornahen Region Elysium Planitia landen.

Von Christiane Böhm

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