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Göttingen Göttinger Nobelpreisträger: „Wir sind heute zehnmal besser als bei Preisvergabe“
Campus Göttingen Göttinger Nobelpreisträger: „Wir sind heute zehnmal besser als bei Preisvergabe“
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20:37 13.10.2019
Der Träger des Nobelpreises für Chemie, Stefan Hell während der 65. Nobelpreisträgertagung. Quelle: Felix Kästle/dpa
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Göttingen

Der Nobelpreis hat den Physiker Stefan Hell vor fünf Jahrenmit einem Schlag einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht. Wie geht es dem Göttinger Forscher heute? Hat die Auszeichnung sein Leben verändert?

Professor Hell, Sie haben viel geschafft in Ihrem wissenschaftlichen Leben. Aber was liegt noch vor Ihnen: Welches Rätsel möchten Sie noch lösen?

Meiner Arbeitsgruppe und mir ist es kürzlich gelungen, die maximal mögliche Trennschärfe in der Fluoreszenzmikroskopie zu erreichen, nämlich die Größenordnung eines Moleküls. Noch Anfang des letzten Jahrzehnts, als es schon klar wurde, dass man die alte Abbesche Grenze überwinden kann, wurde man für „kühn“ erklärt, wenn man behauptete, dass man irgendwann Moleküle im Abstand von nur ein paar Moleküldurchmessern im Lichtmikroskop trennen können wird.

Und wie ist das heute?

Wir haben es geschafft. Heute sind wir nicht nur zehnmal schärfer, sondern hundertmal schärfer als das, was die Abbesche Grenze im 20. Jahrhundert zugelassen hatte. Und damit noch einmal zehnmal besser als bei der Nobelpreisvergabe 2014. Da ich für diese Idee gebrannt habe, ist das wie ein Traum, der am Ende wahrgeworden ist. Nur im Gegensatz zum Traum ist der Ausgang echt - und wird über kurz oder lang auch für andere bedeutsam sein.

Zur Person

Stefan Hell (56) erhielt 2014 den Nobelpreis für Chemie, zusammen mit zwei weiteren Forschern. Damit wurde die Arbeit des Physikers auf dem Gebiet der Mikroskopie gewürdigt - Hell gelang es, die Auflösungsgrenze optischer Mikroskope neu zu definieren und damit neue Erkenntnisse in der biologischen und medizinischen Forschung zu ermöglichten. Hell forscht seit 1997 am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, seit 2002 leitet er die Abteilung Nanobiophotonik. Darüber hinaus leitet er die Abteilung Optische Nanoskopie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Wie sieht eigentlich Ihr Arbeitsplatz aus? Gibt es Dinge, die da nie fehlen dürfen?

Ich bin kein Pedant und habe auch keine Talismane. Was ich allerdings hin und wieder brauche, ist die Muße und die Ruhe, um wichtige von unwichtigen Dingen zu trennen.

Die Vergabe des Nobelpreises an Sie liegt nun fünf Jahre. Hat die Auszeichnung Ihr Leben verändert?

Ja, insofern, dass das Interesse an meiner Arbeit und meiner Person zugenommen hat. Und gleichzeitig nein - insofern, dass ich versucht habe, dieses Interesse auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren.

Werden Sie Göttingen als Forscher treu bleiben?

Göttingen und Heidelberg, wo ich ebenfalls tätig bin, nehmen ja durch ihre Universitäten herausragende Positionen in Europa ein. Beide Universitäten arbeiten hervorragend mit den dort ansässigen Max-Planck-Instituten zusammen. Und die Max-Planck-Institute, an denen ich glücklicherweise Direktor bin, spielen ja in der Weltliga.

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