Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Göttinger erforschen Basis für gesellschaftlichen Zusammenhalt
Campus Göttingen Göttinger erforschen Basis für gesellschaftlichen Zusammenhalt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 10.04.2019
Engagierte Lehrer müssen mehr Unterstützung erfahren. Quelle: dpa
Göttingen

Gesellschaftlicher Zusammenhang ist nur möglich, wenn eine gute Verwaltung dahintersteht. Dies geht aus der aktuell erschienenen Studie „Politik des Zusammenhalts. Über Demokratie und Bürokratie“ hervor. Autoren sind Berthold Vogel (Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen, Claudia Neu (Universitäten Göttingen und Kassel) und Jens Kersten (LMU München).

Der Zusammenhalt in der Gesellschaft ist gegenwärtig eine oft gestellte Frage. Gibt es ihn überhaupt noch? Oftmals wird er sogar als Krise betitelt. Bürger zeigen sich vermehrt verunsichert. Das Vertrauen in den Staat und die demokratischen Institutionen scheint nicht mehr vorhanden zu sein. Sie sehen ihren persönlichen Status, ihre soziale Teilhabe und auch ihre ökonomischen Chancen gefährdet.

Erfüllung im privaten Bereich

Die Konsequenz daraus: Einige suchen die eigene Erfüllung im privaten Bereich. Auch der Zusammenhalt im heimatlichen Dorf oder aber in der Nachbarschaft ist für manche eine Alternative. Andere hingegen, so die Wahrnehmung der Experten, schließen sich autoritären Parteien und Bewegungen an. Sie suchen die homogene Gemeinschaft und bekämpfen die pluralistische Gesellschaft in der Bundesrepublik.

Politik des Zusammenhalts

Das Buch von Jens Kersten (Professor für Öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München), Claudia Neu (Inhaberin des Lehrstuhls Soziologie ländlicher Räume an den Universitäten Göttingen und Kassel) und Berthold Vogel (Geschäftsführender Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen an der Georg-August-Universität) ist in der Hamburger Edition, dem Verlag des Hamburger Instituts für Sozialforschung, erschienen. Das Buch umfasst 160 Seiten und ist unter der ISBN 978-3-86854-328-5 zu beziehen.

Dazu der Göttinger Soziologe Berthold Vogel, Mit-Autor der Studie: „Um es vorwegzunehmen: Dieser Politik des Zusammenhalts geht es nicht um die Verwaltung der Heimat als heiler Welt. Es geht vielmehr um die Frage, wie wir Verteilungsfragen lösen, zwischen Stadt und Land, zwischen den Generationen, zwischen unterschiedlichen Lebensformen. Eine solche Politik des Zusammenhalts – so lautet unsere These – wird nur mit einer guten Verwaltung gelingen. Denn sie sichert Daseinsvorsorge, technische Infrastrukturen und öffentliche Güter. Eine professionelle und gute Verwaltung sorgt für Bildung und Gesundheit, für Alterssicherung und Pflege, für Fragen von Wohnen und Verkehr. All dies wird durch eine gute Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten ermöglicht. Daher sind wir alle auf eine gute Verwaltung angewiesen.“

Zentrale Bedeutung der Bürokratie

In der jüngst erschienen Studie wird detailliert beschrieben, wie der Zusammenhalt einer demokratischen Gesellschaft in Zeiten von Umbrüchen, sowohl gesellschaftlicher als auch sozialräumlicher Art, gerade unter zu Zuhilfenahme einer professionellen Verwaltung gelingen kann. Dabei wird die zentrale Bedeutung der Bürokratie für eine lebendige Demokratie aus soziologischer und juristischer Perspektive analysiert.

Vor allem durch die Verwaltung funktioniere die Gestaltung des sozialen Zusammenhalts, und nicht nur durch den verfassungsrechtlichen Rahmen oder das bürgerschaftliche Engagement. Die Gewährleistung des gesellschaftlichen Zusammenhalts durch eine professionelle Bürokratie ist allerdings nicht im Handstreich umzusetzen, wie der Göttinger Soziologe betont.

Personelle und finanzielle Ressourcen fehlen

„Wir müssen wissen, was uns eine gute Verwaltung wert ist. Wir dürfen die Verwaltungen nicht idealisieren, sondern müssen ihre Probleme sehen. Schulen, Polizei, Gerichte und Sozialverwaltungen stehen unter Druck. Hier fehlt es an personellen und finanziellen Ressourcen, sodass man diesen Beschäftigten mehr Aufmerksamkeit schenken sollte. Wir müssen die engagierten Lehrerinnen, Polizisten, Pflegekräfte, Busfahrer und Verwaltungsangestellte stärker unterstützen, da es vor allem in diesen Arbeitsbereichen nicht um Dienst nach Vorschrift geht. Angesichts der zentralen Funktion, die eine gute Verwaltung für die soziale Demokratie mit der Gewährleistung des gesellschaftlichen Zusammenhalts entfaltet, ist es Zeit dafür, den Wert der Bürokratie und Verwaltung für die Entwicklung und den Bestand einer demokratischen Gesellschaft zu würdigen“, betonte Vogel.

Von Vicki Schwarze

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Göttinger Xlab können Schüler aus ganz Deutschland in den Ferien für eine Woche Forscher sein: In den Schülercamps probieren sie sich an der Molekularmedizin und der Neurobiologie aus. Das könnte bei der Berufswahl helfen.

15.04.2019

Der Präsident der Privaten Hochschule Göttingen, Prof. Frank Albe, hat Markus Quirin zum Professor für Persönlichkeitspsychologie ernannt. Zugleich will Quirin seine Forschung an der TU München fortsetzen.

09.04.2019

Der Direktor des Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, Christian Griesinger, erhält den Günther-Laukien-Preis. Der Chemiker forscht zu Kernspinresonanz-Spektroskopie.

08.04.2019