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Göttingen Göttinger Student paddelt von Genf bis nach Gibraltar
Campus Göttingen Göttinger Student paddelt von Genf bis nach Gibraltar
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15:00 25.10.2019
Selfie aus der Vogelperspektive: Lukas Borchers in seinem Kajak. Quelle: r
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Göttingen/Noirmoutier

Lukas Borchers hat sein Zelt am Strand aufgeschlagen, direkt am Wasser, nahe der Brücke, die auf die Insel Noirmoutier führt – Westfrankreich. Von hier aus kann er direkt auf den Atlantik und den Sonnenuntergang schauen. Er musste lange auf das passende Wetter warten, bis er mit seinem Kajak die große Bucht zwischen Festland und Insel durchqueren konnte. Eigentlich sollte es nur einen Tag dauern, schließlich kostete es ihn fast eine Woche. Borchers sitzt in seinem Zelt, während er auf seinem Smartphone die Fragen des Tageblatt-Reporters beantwortet.

Seit Anfang September ist der 25-jährige Student aus Göttingen mit seinem Kajak unterwegs. In Genf gestartet, hat er bislang eine Strecke von mehr als 1000 Kilometern zurückgelegt. Dabei paddelte er auf der Rhone, der Loire und erreichte vor einigen Tagen den Atlantik, das offene Meer. Für Borchers ein besonderer Moment: „Da habe ich gemerkt, dass die Aktion tatsächlich funktioniert. Immerhin hatte ich zu diesem Zeitpunkt Frankreich mit dem Kajak durchquert.“

Auf Instagram postet Borchers fast täglich Fotos von seiner Reise. Quelle: r

Bedenken hinter sich gelassen

Wann genau die Idee für die Kajak-Tour von Genf nach Gibraltar entstanden sei, könne er gar nicht genau sagen. „Das hat sich einfach entwickelt“, so Borchers. Bedenken habe es dabei viele gegeben: „Sind meine Pläne umsetzbar? Wird die Ausrüstung ihren Zweck erfüllen? Bin ich in der Lage, auf dem Meer zu paddeln oder muss ich vor den Wellen kapitulieren?“

Viele Fragen, wenig Antworten. Denn der 25-Jährige hatte vor Tourantritt keinerlei Erfahrung im Seekajakfahren. Überhaupt paddelt Borchers erst seit dem vergangenen Jahr: Von Donauwörth paddelte er in fünf Wochen 1250 Kilometer über die Donau bis nach Budapest. Kein Vergleich zu seinem jetzigen Abenteuer.

Und so war die Vorbereitung umso wichtiger. Zunächst habe er nach geeigneter Ausrüstung gesucht. „Ich habe mir außerdem viel theoretisches Wissen beispielsweise über Navigationstechniken oder Strömungen in bestimmten Gegenden angeeignet“, berichtet Borchers. Zudem lernte er die Eskimorolle und unternahm eine Testfahrt auf der Nordsee.

Die geplante Route für seine Tour hat Borchers bereits nach wenigen Wochen über Bord geworfen. Ursprünglich wollte er bis zur Mittelmeermündung der Rhone paddeln, um von dort entlang der französischen und spanischen Küste bis nach Gibraltar zu gelangen. Statt Mittelmeer heißt es nun Atlantik. Dafür musste er zwischenzeitlich sein Boot abbauen und einige Kilometer mit dem Zug fahren. Nun soll die Route also entlang der französischen, der spanischen und portugiesischen Küste verlaufen. Das Ziel bleibt Gibraltar.

"Der Weg ist das Ziel", sagt Lukas Borchers. 1000 Kilometer hat er bereits hinter sich. Quelle: r

Die neue Route ist nicht nur rund 1000 Kilometer länger, sie ist auch wesentlich anspruchsvoller. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich einzelne Abschnitte bewältigen kann. In Nordspanien wird die Küste beispielsweise sehr felsig und rau. Deshalb bin ich mir nicht sicher, ob ich Gibraltar überhaupt erreiche, ohne noch mal auf andere Transportmittel zurückzugreifen“, erläutert Borchers. Er wolle sich darüber jedoch erst Gedanken machen, wenn es soweit ist. Der Student betont: „Der Weg ist das Ziel.“

75 Kilo Ausrüstung an Bord

Zurück nach Westfrankreich. Immer mit dabei hat der Student rund 75 Kilogramm Ausrüstung. „Die zwei wichtigsten Teile sind das Boot und mein Zelt“, sagt Borchers. Hinzukommen Kocher, Schlafsack, Isomatte – jede Menge Camping-Ausrüstung. Bevor der Student in See sticht, muss er die gesamte Ausrüstung wasserdicht verpacken und in seinem Boot verstauen.

„Wenn ich aufwache gilt der erste Blick dem Wetterbericht“, erzählt Borchers. „Ich stehe meistens vor Sonnenaufgang auf, sodass ich möglichst früh aufs Wasser kann.“ Dann paddelt er einige Stunden, legt mittags eine kurze Pause ein, und paddelt weiter – bis zum späten Nachmittag. Er muss nun ein neues Lager aufschlagen. Das Boot wird entladen, das Zelt wieder aufgebaut.

„Alles in allem habe ich jeden Tag gut zu tun“, so der 25-Jährige. Er nehme sich zwar immer wieder die Zeit, bei Sehenswürdigkeiten kurz anzuhalten oder Städte zu besichtigen. Seine Reise sei aber keinesfalls mit Urlaub zu vergleichen.

Landgang - dokumentiert mit Fischauge Quelle: r

Größer Gegner ist das Wetter

Nun ist Borchers seit fast zwei Monaten unterwegs. Sein größter Gegner ist das Wetter. Zuletzt machten Windgeschwindigkeiten zwischen 40 und 80 Stundenkilometern das Paddeln teilweise unmöglich, die Gefahr war zu groß. Auch stellen ihn Strömungen des Atlantiks jeden Tag aufs Neue vor große Herausforderungen.

Bei starkem Wind steigt auch die physische Belastung für den Studenten: „Bei Gegenwind muss man viel Kraft aufwenden, um überhaupt vorwärts zu kommen. Kommt der Wind von der Seite, ist es schwer, den Kurs zu halten.“ Noch anstrengender sei es in den zurückliegenden Wochen jedoch gewesen, das vollbeladene Boot um Staudämme auf der Rhone „herumzuwuchten“, so Borchers.

Doch er nimmt die Strapazen auf sich. „Bisher bin ich sehr zufrieden und habe schon eine Menge erlebt“, sagt der 25-Jährige. Nun freue er sich darauf, „endlich richtig mit dem Seekajakfahren zu beginnen und vorwärts zu kommen“. Der Wetterbericht sei jedenfalls vielversprechend.

„Durchhaltevermögen ist sicherlich nicht verkehrt“

Lukas Borchers kommt aus Osterode am Harz und studiert seit 2015 in Göttingen, derzeit Wirtschaftsinformatik im Master. Zum Kajakfahren brauche man keinerlei außergewöhnliche Charaktereigenschaften, glaubt er.

„Wenn man das ganze allerdings so langfristig und intensiv umsetzt, wie ich es gerade mache, ist ein gewisses Durchhaltevermögen sicherlich nicht verkehrt“, sagt der 25-Jährige. Zudem sollte man sich gerne draußen aufhalten – und sich nicht zu stark an ungemütlichem Wetter stören.

Auf seinem Instagram-Profil @lukasoutdoor postet Borchers fast täglich Fotos von seiner Reise.

Von Filip Donth

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