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Göttingen Göttinger Studenten geben Auskunft über politisches Engagement
Campus Göttingen Göttinger Studenten geben Auskunft über politisches Engagement
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11:45 16.09.2013
Von Angela Brünjes
Hörsaal 011 im Zentralen Hörsaalgebäude bietet 894 Plätze: An der Onlinebefragung nehmen 2200 teil Göttinger Studierende teil. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

In einer Onlinebefragung in Zusammenarbeit mit dem Methodenzentrum Sozialwissenschaften der Universität befragten sie Göttinger Studenten nach ihrer politischen Meinung und ihrer Wahlbereitschaft. Fast 2200 Studenten aller Fakultäten haben sich beteiligt.

„Unpolitisch sind die Studenten jedenfalls nicht“, stellen die Sozialwissenschaftler Lars Geiges, Verena Hambauer und Daniela Kallinich fest. Nach ihren Angaben sind 40 Prozent der Befragten Mitglied in einem gemeinnützigen Verein. Ein ähnlich hoher Anteil hat ein Ehrenamt. Nur drei Prozent der Befragten geben an, sich nicht für Politik zu interessieren.

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Überdurchschnittlich hoch ist das politische Engagement: Knapp 14 Prozent sagen, sie seien „politisch aktiv“. Über ein Parteibuch verfügen fast sechs Prozent der Studenten an der Göttinger Alma Mater.

48 Prozent „eher links“

Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung sind es nur noch zwei Prozent, die Mitglied einer Partei sind. Tendenz abnehmend. Doch sind die Parteibücher nicht paritätisch unter den Studenten verteilt: Etwa zwei Drittel finden sich bei Rot-Rot-Grün.

Noch deutlicher wird diese Lagerbildung auf der Links-Rechts-Skala: 70 Prozent der befragten Studenten verorten sich hier „eher links“ (48 Prozent) und in der Mitte (22 Prozent), während knapp 30 Prozent sich als „eher rechts“ bezeichneten.

„Unseren Ergebnissen zufolge sind die befragten Studenten also politisch-gesellschaftlich überdurchschnittlich aktiv und neigen eher den Mitte-Links-Parteien zu“, erklären die drei Autoren, die das als typisch für die vergangenen 30 Jahre bezeichnen. Ginge es nach den jetzigen Göttinger Studenten, würde die bundesdeutsche Regierung künftig von den Grünen Jürgen Trittin beziehungsweise Katrin Göring-Eckardt angeführt werden.

Blick auf die Fakultäten

Ein Drittel der Befragten antwortete auf die Sonntagsfrage – „Wen würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Wahltag wäre?“ –, für die Grünen zu stimmen. Gut 23 Prozent sind für die CDU; etwas mehr als 20 Prozent für die SPD und kaum drei Prozent würden die FDP wählen oder auch die Piratenpartei.

Die Unterschiede finden sich erst beim Blick auf die Fakultäten. Studenten der Biologie (43 Prozent), Sozialwissenschaften (38 Prozent) und Geowissenschaften (48 Prozent) gaben mehrheitlich an, am 22. September die Ökopartei zu wählen.

Die Grünen kratzen in dieser Gruppe an der absoluten Mehrheit. Die CDU stößt indes bei angehenden Juristen (33 Prozent), Ökonomen (30 Prozent) sowie Agrarwissenschaftlern (53 Prozent) auf Zustimmung wie in keinem anderen Fachbereich. Hier ist sie jeweils die stärkste Partei.

Weitgehend grün

Die SPD erhält innerhalb keiner Fakultät vergleichbare Mehrheiten, schneidet überhaupt bei den Angehörigen der Georgia Augusta schlechter ab als in den bundesweiten Wahlprognosen dieser Tage. Bei den Philosophen, Theologen und Sozialwissenschaftlern überspringen die Sozialdemokraten die 20-Prozent-Marke.

Die Göttinger Studentenschaft ist weitgehend grün. Die Hälfte der Befragten, die angeben, einer Partei zuzuneigen, findet die Grünen sympathisch. Unter denjenigen Kommilitonen, die gleich mehreren Parteien zuneigen, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Ökopartei dazugehört bei über 70 Prozent.

Auffällig zeigt sich diese Präferenz in Verbindung mit dem Bildungsgrad der Eltern. Es gilt: Je gebildeter die Eltern, desto mehr Studierende  wählen bei der Sonntagsfrage die Grünen.

Eine bewusste Entscheidung

Fragt man danach, wer Bundeskanzler werden soll – Angela Merkel (CDU) oder Peer Steinbrück (SPD) –, wünschen 37 Prozent der Befragten, dass Merkel Kanzlerin bleibt. Steinbrück wünschen sich nur 14 Prozent. Selbst bei den sozialdemokratischen Wählern schneidet Merkel gut ab. Jeder fünfte von ihnen möchte – trotz seines geplanten Votums für die SPD – die Christdemokratin im Kanzleramt behalten.

Und nur jeder dritte SPD-Wähler gibt an, sich auch den eigenen Kandidaten, Steinbrück, als Regierungschef zu wünschen. Auch aus dem Lager der Grünen-Wähler erfährt Merkel (24 Prozent) mehr Zustimmung als Steinbrück (14 Prozent).

Doch der angebliche Vorteil Merkels relativiert sich mit einem Blick auf die Unentschlossenen, urteilen die Autoren der Studie. Jeder zweite Student weiß noch nicht, für wen er stimmen wird oder wünscht sich jemand ganz anderen als Kanzler.

Und es scheint angesichts des hohen politischen Interesses eine bewusste Entscheidung zu sein: Für jeden Zehnten steht fest, in diesem Jahr überhaupt nicht wählen beziehungsweise eine ungültige Stimme abgeben zu wollen.

Weitere Infos unter demokratie-goettingen.de

Der Artikel wurde geändert.