Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Göttinger Studenten wollen mit Fundraising die Finno-Ugristik retten
Campus Göttingen Göttinger Studenten wollen mit Fundraising die Finno-Ugristik retten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:33 21.10.2019
Einsatz für den Erhalt des Seminars: Jarkko Clausnitzer, Maike Lock und Fachgruppensprecherin Karin Fichtner (v.l.) halten eine Flagge mit Kennzeichen finnougrischer Nationen und Völker. Quelle: r
Anzeige
Göttingen

Die Universität teilt mit: Der Fakultät fehlt Geld. Die Relevanz des Fachs sei unbestritten, habe bezüglich studentischer Nachfrage allerdings nur wenig zu bieten – der Rotstift schwebt. Doch der akademische Nachwuchs hält nichts vom Abschiednehmen: „Zur Not bezahlen die Studenten aus der eigenen Tasche für den Erhalt. Wir wollen nicht, dass die Zukunft dieses Instituts und somit auch unsere Zukunft vom Profit der Universität Göttingen abhängt”, sagt Maike Lock von der Fachgruppe.

Sie will kämpfen: „Sowohl in der persönlichen als auch der akademischen Entwicklung hat das Studium für mich große Bedeutung.“ Da die Taschen der Kommilitonen selbst beim Umdrehen nicht viel hergeben, hat sie eine Online-Fundraisingkampagne auf den Weg gebracht. „40000 Euro“ würden benötigt, „um die Professur zu finanzieren und damit das Fach zu erhalten.“

„Strukturelle Unterfinanzierung der Fakultät“

Prof. Eberhard Winkler, Direktor des Finnisch-Ugrischen Seminars, geht 2023 in den Ruhestand. „Die Philosophische Fakultät erwägt, die vorhandene Professur für Finnougristik beim Ausscheiden des Amtsinhabers nicht wieder zu besetzen, sofern sich bis dahin keine andere Finanzierungsmöglichkeit findet“, teilt Romas Bielke, Pressesprecher der Universität, mit. „Hintergrund der Maßnahme ist die strukturelle Unterfinanzierung der Fakultät.“ Der Fakultätsrat werde sich mit dem Thema im Laufe des Wintersemesters beschäftigen.

Die nächste Sitzung sei für den 6. November terminiert, so Lock. Die Tagesordnung werde noch bekannt gegeben. Sollten die Ratsmitglieder das Thema diskutieren und pro Schließung votieren, müssten „Senat und Präsidium entscheiden“, so Lock. Das letzte Wort hätte der Kultusminister. Pressesprecher Bielke erklärt: „Im Fall einer Schließung können alle derzeit eingeschriebenen Studierenden regulär zu Ende studieren. Der Studiengang könnte frühesten ab Wintersemester 2020/2021 für Neueinschreibungen geschlossen werden.“

Zweckgebundene Spende als Anschubhilfe

40 000 Euro will Lock mit der Online-Kampagne auftreiben. Der Betrag sei Bestandteil einer ungefähren Berechnung, entspreche etwa „der Hälfte eines Jahresgehalts einer Junior-Professur“, die, „nach Rücksprache mit Dozierenden ungefähr bei 90 000 Euro liegt“. Aktuell koste „eine Professur, eine wissenschaftliche Mitarbeiterin und eine Sekretärin geschätzt 180 000 Euro im Jahr“.

Die erhofften 40000 sollen der Universität „als zweckgebundene Spende überwiesen“ werden – „Verwendungszweck: Finanzierung der Finnougristik-Professur“. Das Geld sei als Anschubhilfe gedacht, so Lock. „Wir wissen, dass wir nicht den unbefristeten Erhalt sichern können. Aber wir wollen uns auf keinen Fall nachsagen lassen, nicht alles probiert zu haben.“

Finnougristik ein „Versuchsballon“?

Was „strukturelle Unterfinanzierung“ der Fakultät konkret bedeutet, ist Lock nicht bekannt. Sie vermutet, aufgrund von Andeutungen, die in den vergangenen vier Monaten auf dem Campus gehört und weitergegeben worden seien, dass etwa das Zehnfache des Jahresgehalts eines Junior-Professors gemeint sein könnte. Lock vermutet zudem, dass „die Finnougristik ein Versuchsballon ist“, um zu sehen, wie die Universitätsleitung reagiert – und wie sich die Studierenden verhalten; nicht nur die des kleinen Fachs. Gut 30 000 Studierende sind eingeschrieben.

Die im Sommer initiierte Petition für den Erhalt des Fachs „hatte 1560 Unterstützer“, so Lock – und sie hat Mut zur Eröffnung des Fundraisings gemacht. Jetzt wollen sie und ihre Mitstreiter (23 Studierende seien eingeschrieben) durchstarten. Die Kampagne soll auf „eine breite Basis“ gestellt werden. Gespräche mit Kommilitonen „anderer kleiner Fächer“ und in Seminaren für andere Sprachen könnten für Solidarisierung sorgen. Und: „Wir sind dabei, potenzielle Sponsoren zu kontaktieren, haben Kontakt zu ehemaligen Absolventen, bewerben die Kampagne stärker in sozialen Medien; wir stehen noch ganz am Anfang.“

Mehr über kleine Fächer und die Finnougristik im Tageblatt-Bericht vom 9. September: „Diese Fächer sind an der Uni Göttingen vom Aussterben bedroht“ – inklusive Link zum Bericht vom 18. Juli über die Petition zum Erhalt, der Lage der Finnougristik und Einschätzungen des Direktors des Seminars („Bleibt das finnisch-ugrische Seminar in Göttingen erhalten?“).

Von Stefan Kirchhoff

Für „unzumutbar“ hält die CDU-Ratsfraktion die derzeitige Raumsituation im Städtischen Museum am Ritterplan – für Besucher und Mitarbeiter. Jetzt hat sie Vorschläge für eine Zwischenlösung vorgelegt. Den für die CDU steht der Standort Ritterplan – anders als für die SPD im Rat – nicht zu Diskussion.

21.10.2019

Die Universität füllt sich nach der Sommerpause wieder mit Studenten. Besonders für 3830 Erstsemester heißt es: Herum(w)irren und Info-Broschüren sammeln. Was ist wirklich wichtig für den Semesterstart?

21.10.2019

Mit dem Semesterticket kommst Du ziemlich weit – wie weit, kannst Du hier entdecken. Außerdem geben wir Antworten auf Fragen, die sich jeder Göttinger Studierende schon einmal gestellt hat.

21.10.2019