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Göttingen Beisiegel beendet Amtszeit früher
Campus Göttingen Beisiegel beendet Amtszeit früher
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11:56 19.07.2019
Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Georg-August-Universität Göttingen von 2011 bis 2019. Quelle: r
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Göttingen

Ulrike Beisiegel, seit Januar 2011 Präsidentin der Georg-August-Universität, will ihre Amtszeit früher beenden. Am Donnerstag ließ sie über die Pressestelle der Universität mitteilen, dass sie die Universität zum 30. September verlässt. Im Herbst 2018 hatte sie bereits angekündigt, den vorzeitigen Ruhestand ab 2020 zu beantragen.

Erklärung der Präsidentin

Der Wortlaut der Erklärung der Präsidentin zu ihrer Entscheidung: „Diese Entscheidung soll dem Präsidium, dem Senat und meinem vor kurzem gewählten Nachfolger schnellstmöglich die Gelegenheit geben, sich mit einem eigenen neuen Konzept für die Weiterentwicklung der Universität auf den Weg zu machen. Ich bin überzeugt, dass jetzt nach der Wahl meines Nachfolgers und der erfolgreichen Einarbeitung der hauptberuflichen Vizepräsidentin für Finanzen und Personal der richtige Zeitpunkt ist, die Leitung der Universität bis zum Amtsantritt des zukünftigen Präsidenten in die Hände der Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten zu legen. Ich berücksichtige bei dieser Entscheidung auch die aktuellen Diskussionen in der Universität zu meiner Amtsführung.

Eines der wichtigen Ziele meiner Amtszeit war, die Universität für die Region zu öffnen und dabei den Wissenstransfer maßgeblich zu stärken. Dies habe ich vor allem mit zwei Projekten vorangetrieben: Zum einen mit dem SüdniedersachsenInnovationsCampus (SNIC), für den wir und unsere Partner gerade vom Land eine Förderung für die zweite Phase erhalten haben. Zum anderen haben wir mit dem Forum Wissen eine national und international sichtbare neue Form des Wissenstransfers und der Interaktion mit der Gesellschaft auf den Weg gebracht. Ich wünsche meinem Nachfolger und der Universität viel Erfolg beim weiteren Umsetzen dieses in Deutschland einzigartigen, für die Sichtbarkeit der Universität relevanten und für die Region attraktiven Leuchtturmprojekts.

Ich habe die Universität Göttingen mit hohem Engagement und großer Freude geleitet und schaue auf eine bewegte und sehr interessante Zeit in Göttingen zurück. Mein Dank gilt allen, die mich während meiner Amtszeit unterstützt haben. Ich wünsche der Universität alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft.“

Vorzeitigen Ruhestand beantragt

Beisiegel hatte nach dem Scheitern der Universität Göttingen im Wettbewerb um die Exzellenz-Universitäten im vergangenen Jahr ihren vorzeitigen Ruhestand zum 31. Dezember 2019 beantragt. Die Biochemikerin wechselte 2011 von der Universität Hamburg als Nachfolgerin von Kurt von Figura nach Göttingen. Als Präsidentin der Stiftungsuniversität Öffentlichen Rechts wurde sie 2015 für eine zweite Amtszeit ab 2017 bestätigt.

Ihre Entscheidung das Amt früher zu beenden, begründete Beisiegel im Tageblatt-Interview im Oktober 2018 folgendermaßen: „Ich habe in den vergangenen Jahren mit viel Engagement an der Vorbereitung der Exzellenz-Strategie gearbeitet. Da wir jetzt nicht die Möglichkeit haben, diese Strategie als Antrag einzureichen, muss sich die Universität auf diese neue Situation einstellen. Ich halte es daher für richtig, nach einer Übergangsphase, für die ich noch die Verantwortung trage, die langfristige Entwicklung der Universität in die Hände eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin zu legen.“

Ärger um Nachfolger Spoun

Ein Nachfolger wurde im Juni von Senat und Stiftungsausschuss der Universität gewählt. Der Lüneburger Universitätspräsident Sascha Spoun (50) tritt die Nachfolge von Beisiegel im Januar 2020 an.

Sascha Spoun Quelle: Peter Heller

Seine Wahl und seine Person wurden von Teilen der Professorenschaft kritisiert. Zum einen ging es darum, dass er der einzige Kandidat war, den die Findungskommission vorschlug und andererseits wird Spoun, der mehr als Wissenschaftsmanager gilt, vorgeworfen, nicht die wie bisher bei den Universitätspräsidenten übliche Forscherpersönlichkeit sei.

Dank aus Wissenschaft und Politik

Dr. Wilhelm Krull, Vorsitzender des Stiftungsrates der Universität Göttingen: „Frau Beisiegel hat in Göttingen hervorragende Arbeit geleistet. Ihr Wirken in vielen nationalen und internationalen Gremien ist ein Beleg für die große Anerkennung ihrer forschungs- und hochschulpolitischen Kompetenz.

Dr. Wilhelm Krull Quelle: VW-Stiftung

Für den Stiftungsrat und den Stiftungsausschuss der Georg-August-Universität war es stets eine große Freude, mit Frau Beisiegel zum Wohle der Göttinger Universität zusammenwirken zu können. Es zeugt von charakterlicher Größe, dass sie nun den Weg freimacht für eine konzeptionelle und strategische Neuaufstellung der Universität unter Federführung des designierten Präsidenten.“

Björn Thümler (CDU), Niedersächsischer Wissenschaftsminister: „Frau Prof. Dr. Beisiegel ist die erste Frau an der Spitze der 1737 gegründeten Universität.

Björn Thümler Quelle: Peter Heller

Sie hat sich durch ihren Einsatz für die Hochschule große Anerkennung weit über die Hochschule hinaus erworben. Die nun anstehende Planung zur Weiterentwicklung der Stiftungsuniversität und deren Umsetzung ist mit großen Herausforderungen verbunden. Ich wünsche dem designierten Präsidenten für die Bewältigung der anstehenden Aufgaben viel Erfolg.“

Thomas Oppermann (SPD), Göttinger Bundestagsabgeordneter: „Die Entscheidung verdient Respekt. Die Universität steht vor einer großen Herausforderung, den Anschluss an die Exzellenz-Universitäten zu halten.

Thomas Oppermann Quelle: R

Eine monatelange Vakanz im Präsidentenamt erscheint mir jedoch nicht angemessen. Deshalb wäre es gut, wenn der bereits gewählte Nachfolger sein Amt früher als vorgesehen übernehmen könnte. Der Präsidentin gebührt großer Dank für die geleistete Arbeit.“

Prof. Thomas Kaufmann, Theologische Fakultät: „Prof. Ulrike Beisiegel scheidet nach turbulenten Auseinandersetzungen vorzeitig aus ihrem Amt aus. Sie war mit außerordentlicher Arbeitsbereitschaft für diese Universität tätig.

Thomas Kaufmann Quelle: r

 

Als sie begann, erfreute sich die international anerkannte Wissenschaftlerin des uneingeschränkten Rückhaltes der Universität, was für den zu ihrem Nachfolger gewählten Dr. Spoun in keiner Weise gelten kann. Göttingens Scheitern in der Exzellenzinitiative allein oder doch primär Präsidentin Beisiegel anzulasten, ist erbärmlich und geht an den strukturellen Problemen der Stiftungskonstruktion der Universität völlig vorbei. Ein Dilemma, das Beisiegel hinterlässt, besteht darin, dass eben jene Kräfte und Strukturen, die für ihr eigenes Scheitern und ihre zusehends einsameren Entscheidungen mitverantwortlich waren, ihrem Nachfolger Dr. Spoun ins Amt verholfen haben. Wie eine – im Unterschied zu Beisiegels Dienstantritt – mit gravierenden Vertrauensdefiziten beginnende Präsidentschaft enden soll, ist sehr zweifelhaft. Die Gouvernancestrukturen der Universität zu überprüfen, ist dringend geboten. Die persönliche Integrität und Arbeitsleistung der ausscheidenden Präsidentin verdienen großen Respekt.“

Prof. Andreas Busch, Vorstand Institut für Politikwissenschaft: „Frau Prof. Ulrike Beisiegel hat seit ihrem Amtsantritt als erste Präsidentin im Jahr 2011 mit großem Einsatz für die Georg-August-Universität gearbeitet.

Andreas Busch Quelle: Christoph Mischke

Dafür gebührt ihr unser aller Dank. In vielen Initiativen hat sie der Universität neue Tätigkeitsfelder erschlossen – ich denke besonders gerne an die sehr erfolgreiche „Nacht des Wissens“. Dass die Universität zweimal bei der Exzellenzinitiative scheiterte, hat sie sicher selbst am meisten bedauert. Ich wünsche ihr für den Ruhestand alles Gute und bin sicher, dass er nicht allzu ruhig werden wird!“

Rolf-Georg-Köhler (SPD), Göttinger Oberbürgermeister: „Ich habe sehr viel Respekt vor dieser Entscheidung. Frau Beisiegel stellt sich damit vor die Institution.

Rolf-Georg Köhler. Quelle: Peter Heller

Für die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit kann ich mich nur bedanken.“ Es sei, so Köhler, sicher eine sehr schwere Entscheidung für die Uni-Präsidentin gewesen, die in ihrer Amtszeit sehr viel geleistet habe, um die Universität in die Mitte der Stadt und der Stadtgesellschaft zu rücken.

Fritz Güntzler (CDU), Göttinger Bundestagsabgeordneter: „Ihr Rücktritt ist ein konsequenter Schritt. Zunächst gilt es, Beisiegel zu danken. Sie hat die Universität für die Gesellschaft geöffnet. Die Universität ist bei der Bürgerschaft angekommen, das ist auch ihr Verdienst.

Fritz Güntzler Quelle: Swen Pförtner

Den Misserfolg der Exzellenz-Strategie kann man ihr nicht alleine zuschreiben. Seitdem war sie in einer Schwebesituation, die sie mit ihrem Rücktritt beendet hat. Das ist ein gutes Signal und einer klarer Schnitt, sodass die Universität neu anfangen kann. Mit Spoun könnten neue Impulse für die Universität gesetzt werden.“

Prof. Nicolai Miosge, Sprecher des Senates der Universität Göttingen: „Als Senatssprecher nehme ich Frau Beisiegels Entscheidung, die Universität vorzeitig zu verlassen, mit Respekt zur Kenntnis.

Senatssprecher Prof. Dr. Nicolai Miosge. Quelle: R

Sie hat die Universität maßgeblich gestaltet und in die Zukunft geführt, dafür gebührt ihr mein allergrößter Dank.“

Von Angela Brünjes

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