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Göttingen Gleich und Gleich: Affen setzen auf ähnliche Partner
Campus Göttingen Gleich und Gleich: Affen setzen auf ähnliche Partner
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16:00 15.08.2019
Zwei männliche Assammakaken (Macaca assamensis) in Interaktion mit einem Säugling. Quelle: R
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Göttingen

Verhaltensbiologen und Psychologen vom Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung und der Universität Göttingen haben beobachtet, dass männliche Assammakaken umso engere Beziehungen zu anderen Männchen eingehen, je ähnlicher sie sich in ihrer Persönlichkeit sind. Andere Charaktäre lassen sie eher links liegen.

Dass die Kausalität nicht anders herum verläuft, sich also enge Partner im Laufe der Zeit immer ähnlicher werden, konnte in der Studie weitestgehend ausgeschlossen werden; Die Persönlichkeit der Affen blieb relativ stabil, auch wenn sie ihre Gruppen und damit ihre Sozialpartner wechselten.

Vorteile in kritischen Situationen

„Wir gehen davon aus, dass es sich bei Homophilie als Strategie für die Partnerwahl um ein generelles biologisches Prinzip handelt, das tief in der Evolution von Menschen und Tieren verankert ist“, sagt Oliver Schülke, Wissenschaftler in der Abteilung Verhaltensökologie an der Universität Göttingen und Leiter der Studie. Als Homophilie wird die Tendenz bezeichnet, andere zu mögen, wenn diese einem ähnlich sind. Die Wissenschaftler vermuten, dass dieses Verhalten aufgrund eines evolutiven Vorteils entstanden ist: Hat der Freund eine ähnliche Persönlichkeit, so erleichtert dies die Kommunikation und damit auch die Kooperation in kritischen Situationen (Animal Behaviour).

Für das Graduiertenkolleg „Verstehen von Sozialbeziehungen“ des Deutschen Primatenzentrums und der Universität Göttingen hat ein Team um die Doktorandin Anja Ebenau Daten von 24 freilebenden, männlichen Assammakaken im Phu Khieo Reservat in Thailand über einen Zeitraum von knapp zwei Jahren erhoben. In enger Zusammenarbeit mit den Psychologen Lars Penke und Christoph von Borell wurden die Persönlichkeiten der Männchen beschrieben. So konnten die Wissenschaftler die Ähnlichkeit der Männchen in den Merkmalen Geselligkeit, Aggressivität, Freundlichkeit, Wachsamkeit und Selbstvertrauen ermittelt werden.

Geselligkeit entscheidend

Die Datenanalysen ergab, dass die Bindung zwischen zwei Männchen umso enger ist, je ähnlicher sich die Tiere in Bezug auf die Eigenschaft Geselligkeit sind. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Tiere sehr oder wenig gesellig sind, sie müssen nur im Grad ihrer Geselligkeit übereinstimmen: Zwei eher einzelgängerische Tiere, die anderen aus dem Weg gehen, können eine ebenso enge Beziehung pflegen wie zwei gleichermaßen kontaktfreudige Tiere, so Ebenau.

Zwei männliche Assammakaken. Quelle: Deutsches Primatenzentrum GmbH

Um auszuschließen, dass es sich nicht andersherum verhält, sich also enge Partner in ihrer Persönlichkeit mit der Zeit immer ähnlicher werden, wurden die Eigenschaften von Männchen untersucht, bevor und nachdem sie in eine Gruppe eingewandert waren und dort neue Sozialpartner gefunden hatten. Es stellte sich heraus, dass die Persönlichkeit der Tiere recht stabil blieb, sich also nicht mit einem neuen Freund veränderte.

Folgestudie

Es hätten also diejenigen Individuen einen Vorteil, deren Partner einen ähnlichen Charakter haben. „Ein Grund könnte sein, dass ähnliche Persönlichkeiten auch ähnliche Bedürfnisse haben, sich besonders gut verstehen, effektiv kommunizieren und damit erfolgreichere Kooperationspartner sind“, sagt Schülke. Ob Koalitionen gleichartiger Persönlichkeiten tatsächlich siegreicher aus Kämpfen hervorgehen und damit länger einen hohen Dominanzrang verteidigen können, soll in einer Folgestudie untersucht werden.

Graduiertenkolleg

Die Forschungsprojekte des Graduiertenkollegs untersuchen das Verstehen von Sozialbeziehungen bei nicht menschlichen Primaten unter den folgenden Aspekten: dem Gebrauch und Verständnis von sozialen Signalen als wesentliche Bestandteile sozialer Beziehungen; der Fähigkeit soziale Beziehungen nachzuverfolgen, zu evaluieren als auch zu pflegen, und der sozialen Koordination.

Es sind die Ziele des Kollegs Promotionsstudenten und jungen Wissenschaftlern eine strukturierte Ausbildung bieten zu können. Das methodische Spektrum reicht von Verhaltensbeobachtungen an freilebenden nicht-menschlichen Primaten über experimentelle Studien mit Erwachsenen, Kindern und Affen zu elektrophysiologischen und endokrinologischen Untersuchungsmethoden. Das von der Deutschen Forschungsgesellschaft geförderte Graduiertenkolleg ist eine gemeinsame Einrichtung der Universität Göttingen und des Deutschen Primatenzentrums unter Beteiligung von Wissenschaftlern aus den Bereichen Verhaltensbiologie, Psychologie, Linguistik und Psycholinguistik.

Von Christiane Böhm

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