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Göttingen Göttinger Wissenschaftler: Mit Gentechnik Mikronährstoffmangel bekämpfen 
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Göttinger Wissenschaftler: Mit Gentechnik Mikronährstoffmangel bekämpfen 

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16:30 21.10.2020
In Indonesien leben vor allem mittellose Bürger oft und vorwiegend von Grundnahrungsmitteln – wie vom Reisanbau. Quelle: R
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Göttingen

Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Göttingen zeige in einem neuen Überblicksartikel, wie Gentechnik helfen könne, den globalen Mikronährstoffmangel nachhaltig zu bekämpfen. Das teilt die Pressestelle der Universität Göttingen mit. Mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit würden an Mikronährstoffmangel durch unzureichende Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen leiden.

Arme Bevölkerungsgruppen in den Entwicklungsländern seien besonders betroffen, weil sie sich häufig überwiegend von Grundnahrungsmitteln ernährten, die zwar viele Kalorien, aber nur wenig Mikronährstoffe enthalten würden. Gentechnik könne Abhilfe schaffen.

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Nährstoffmangel führt zu Gesundheitsproblemen

Mikronährstoffmangel führe oft zu schwerwiegenden Gesundheitsproblemen, so die Universität. Defizite an Vitamin A und Zink gehörten zum Beispiel zu den wichtigsten Risikofaktoren für Kindersterblichkeit, während eine Unterversorgung mit Eisen und Folsäure Anämie sowie körperliche und geistige Entwicklungsstörungen nach sich ziehen könne. Oft wüssten die Betroffenen nicht, dass die Gesundheitsprobleme auf Mikronährstoffmangel zurückzuführen seien. Langfristiges Ziel müsse es sein, „dass alle Menschen über ein ausreichendes Wissen und genügend Einkommen verfügen, um sich ganzjährig ausgewogen ernähren zu können“, heißt es in der Mitteilung. Kurz- und mittelfristig seien jedoch gezieltere Maßnahmen erforderlich.

Eine Maßnahme sei die sogenannte Biofortifikation, also die Züchtung von Grundnahrungsmittelpflanzen auf höhere Mikronährstoffgehalte, die Kleinbauern selbst anpflanzen und weitervermehren könnten. In den vergangenen 20 Jahren hätten internationale Agrarforschungszentren verschiedene biofortifizierte Pflanzen mit konventionellen Züchtungsmethoden entwickelt, unter anderem Mais und Süßkartoffeln mit Vitamin A oder Reis mit höherem Zinkgehalt, so die Universität. Diese Pflanzen würden inzwischen in zahlreichen Entwicklungsländern angebaut – „mit nachgewiesenen Vorteilen für Ernährung und Gesundheit“. Allerdings hätten konventionelle Züchtungsmethoden „gewisse Grenzen“.

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Gentechnik soll Nutzen von Pflanzen steigern

In ihrem Überblicksartikel erläutern die Wissenschaftler, wie Gentechnik helfen könne, Effektivität und Nutzen biofortifizierter Pflanzen weiter zu steigern. „Mit gentechnischen Ansätzen können deutlich höhere Mikronährstoffgehalte in den Pflanzen erreicht werden als mit konventionellen Züchtungsmethoden allein. Wir haben dies bereits für Folsäure in Reis und Kartoffeln gezeigt“, wird Erstautorin Prof. Dr. Dominique Van Der Straeten von der Universität Gent in der Mitteilung der Pressestelle zitiert. „Außerdem ist es uns gelungen, die Vitaminverluste nach der Ernte erheblich zu senken.“ Der Artikel ist in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht worden.

Ein weiterer Vorteil der Gentechnik sei, dass hohe Gehalte verschiedener Mikronährstoffe in der gleichen Pflanzensorte miteinander kombiniert werden könnten. „Das ist wichtig, weil arme Menschen häufig unter verschiedenen Nährstoffdefiziten gleichzeitig leiden“, so Koautor Dr. Howarth Bouis vom International Food Policy Research Institute. Die Gentechnik erleichtere es zudem, hohe Mikronährstoffgehalte in der Pflanze mit neuen agronomisch relevanten Eigenschaften zu kombinieren - wie etwa Dürre- oder Schädlingstoleranz, die vor dem Hintergrund des Klimawandels immer wichtiger würden.

Akzeptanz für Gentechnik

„Bauern sollten sich nicht entscheiden müssen, ob sie Sorten anbauen, die entweder nährstoffreich sind oder stabile Erträge liefern. Beide Aspekte in den gleichen Sorten zu kombinieren, ist wichtig und kann mit zu einer weiten Verbreitung gerade im Kleinbauernsektor beitragen“, so Koautor Prof. Dr. Matin Qaim von der Universität Göttingen.

Die Wissenschaftler seien sich bewusst, dass viele Menschen Gentechnik mit Skepsis betrachten, „obwohl die so entwickelten Pflanzen sicher für Umwelt und menschliche Gesundheit sind“, heißt es in der Mitteilung. Gentechnik werde häufig mit großen Agrarkonzernen assoziiert. Aber:„Biofortifizierte Pflanzen könnten dabei helfen, die Akzeptanz zu steigern, weil diese Pflanzen speziell zum Wohle armer Bevölkerungsgruppen entwickelt werden“, werden die Autoren in der Mitteilung zitiert. „Hierfür sind öffentliche Finanzierung und Unterstützung besonders wichtig.“

Göttinger Department ist Träger des Kollegs „Global Food“

Dr. Matin Qaim, Ko-Autor des vom Forscherteam publizierten Überblicksartikels, ist Professor im Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen. Das Department sei Initiator und Träger des Graduiertenkollegs (GRK 1666) „Transformation of Global Agri-Food Systems“ (Global Food), das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird, heißt es auf der Website des Departments. Qaim sei Sprecher des Kollegs. Neben der Fakultät für Agrarwissenschaften ist auch die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Göttingen am Kolleg beteiligt.

Die Wissenschaftler beschäftigten sich mit der „Transformation von Lebensmittelmärkten im Kontext der Globalisierung“. Weltweit seien Lebensmittelmärkte einem „rasanten Wandel“ unterworfen. Große Supermarktketten gewönnen auch in Entwicklunhsländern zunehmend an Bedeutung. Die Konsequenzen für Landwirte und Verbraucher sowie die Folgen für Hunger und Armut in Entwicklungsländern sind Forschungsthemen.

Von Stefan Kirchhoff