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Göttingen Göttinger Wissenschaftler: Palmölproduktion umwelt- und klimafreundlicher gestalten
Campus Göttingen Göttinger Wissenschaftler: Palmölproduktion umwelt- und klimafreundlicher gestalten
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13:46 20.05.2020
Rund die Hälfte des weltweit verwendeten Palmöls wird von Kleinbauern produziert. Transport der geernteten Ölpalmenfrüchte zu einer Sammelstelle in Indonesien. Quelle: r
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Göttingen

Das Thema Palmöl ist für viele Menschen negativ belegt. Vor allem die Abholzung tropischer Regenwälder wird damit in Verbindung gebracht. Doch es gibt eine andere Seite, wie Agrarwissenschaftler der Universität Göttingen und der IPB University Bogor (Indonesien) in einer neuen Studien zeigen. Es wurden Daten zu ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Effekten analysiert, um herauszufinden, ob sich Umweltschutz und Armutsbekämpfung vereinbaren lassen.

Zum wirtschaftlichen Wachstum und zur Armutsbekämpfung hat vor allem in Asien die starke Ausdehnung des Ölpalmenanbaus beigetragen. Hinzugezogen wurden aber auch Forschungsergebnisse aus Afrika und Lateinamerika. Diese wurden mit Daten aus Indonesien kombiniert. Indonesien gilt weltweit als größter Produzent und Exporteur von Palmöl. Dieses findet sich in der Nahrungs-, Kosmetik- und Biokraftstoffindustrie wieder.

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Verlust von Artenvielfalt

Forschungsdaten zeigen, dass die Palmölproduktion in einigen Regionen der Welt, vor allem in Indonesien und Malaysia, in erheblichem Maße zur Abholzung von Regenwäldern und zum Verlust von Artenvielfalt beiträgt. Hohe CO2-Emissionen und andere ökologische Probleme sind darüber hinaus damit verbunden.

„Deswegen die Produktion oder den Handel mit Palmöl zu verbieten, wäre aber keine nachhaltige Lösung. Denn die Ölpalme produziert pro Hektar Fläche mehr als dreimal so viel Öl wie etwa Soja, Raps oder Sonnenblumen. Wollte man Palmöl komplett durch andere Pflanzenöle ersetzen, bräuchte man also deutlich mehr Fläche und müsste zusätzliche Wälder und Naturräume in Ackerland umwandeln“, sagt Prof. Dr. Matin Qaim, Agrarökonom an der Universität Göttingen und Erstautor der Studie.

Prof. Dr. Matin Qaim. Quelle: r

In den produzierenden Ländern hätte ein solches Verbot negative wirtschaftliche und soziale Effekte. „Oft wird angenommen, dass Ölpalmen nur auf industriellen Plantagen angebaut werden“, erläutert Qaim. „In Wirklichkeit wird aber rund die Hälfte des Palmöls weltweit von Kleinbauern produziert. Unsere Daten zeigen, dass der Ölpalmenanbau die Einkommen der Kleinbauern deutlich steigert und auch zu mehr Beschäftigung und höheren Löhnen für Landarbeiterfamilien führt. Obwohl es in einigen Regionen auch zu Konflikten über Landrechte kommt, hat der Ölpalmenboom die ländliche Armut in Indonesien und anderen Anbauländern insgesamt deutlich reduziert“, so Qaim.

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Von Vicki Schwarze