Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Göttinger Wissenschaftler erhalten unerwartete Bilder und Daten
Campus Göttingen Göttinger Wissenschaftler erhalten unerwartete Bilder und Daten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:05 29.07.2014
Eine Kiste voller High-Tech mit drei Beinen: Projektmanager Reinhard Roll zeigt ein Modell der Sonde „Philae“, die im November auf dem Kometen landen soll. Quelle: pid
Anzeige
Göttingen

„Rosetta“ ist zwar noch mehrere tausend Kilometer von ihrem Ziel entfernt, sendet aber bereits seit dem Frühjahr jede Menge Daten zur Erde, die die Forscher analysieren müssen. Dabei erleben sie ständig neue Überraschungen: Der kosmische Brocken sieht nicht nur anders aus als gedacht, sondern hat auch andere Eigenheiten, mit denen sie nicht gerechnet hatten.

Die Forscher stehen unter großem Zeitdruck: Im November soll erstmals in der Geschichte der Raumfahrt eine Landeeinheit auf einem Kometen abgesetzt werden – und hierfür müssen sie einen passenden Landeplatz finden.

Anzeige

Das MPS spielt bei der spektakulären Mission eine zentrale Rolle. Es hat nicht nur wichtige Teile der Landeeinheit entwickelt, sondern hat auch von allen beteiligten Forschungseinrichtungen weltweit den größten Anteil an den wissenschaftlichen Experimenten. Unter anderem hat es das Kamerasystem „Osiris“ beigesteuert, das mit einer Weitwinkel- und einer Telekamera regelmäßig die Oberfläche des Kometen abfotografiert.  

„Wir schleichen uns langsam heran und sehen zur Zeit auf den Nordpol“, sagt der Leiter des „Osiris“-Teams, Dr. Holger Sierks. Der Forscher steht derzeit unter Dauerstress: Jede Fotosequenz liefert neue Erkenntnisse über den Kometen, die das internationale Team möglichst schnell auswerten muss.

Flackernder Punkt im Weltraum

Sierks tauscht jetzt täglich eine Vielzahl von Emails mit seinen Forscherkollegen aus, jeden Tag gibt es mehrere Meetings, in denen sich die Forscher über die Ergebnisse und das weitere Vorgehen abstimmen.    

Die ersten Bilder zeigten noch einen flackernden Punkt im Weltraum. Mit jedem „Foto-Shooting“ werden die Bilder immer schärfer. Anfang August wird Rosetta nur noch 100 Kilometer vom Kometen entfernt sein, dann wird das Kamerasystem die ersten hochauflösenden Bilder liefern. „Die Auflösung wird atemberaubend sein“, sagt Sierks.

Schon jetzt haben die Forscher anhand der „Osiris“-Aufnahmen viele neue Erkenntnisse gewonnen, zum Beispiel, dass der Komet alle 12,4 Stunden um sich selbst rotiert. Bislang war man davon ausgegangen, dass er 12,7 Stunden benötigt, um sich um die eigene Achse zudrehen.

Vor einigen Tagen kamen die Forscher auch selbst erheblich ins Rotieren, als sie bei der Auswertung der jüngsten Aufnahmen feststellten, dass der Komet offenbar aus zwei Teilen zu bestehen scheint. Bisherige Modellrechnungen gingen eher von einer kartoffelartigen Form aus. Jetzt rätseln die Wissenschaftler, wie diese Form zustande gekommen ist.

„Das wird eine große Herausforderung“

Die Zweiteilung überraschte auch jene Forscher, die mit den Vorbereitungen zum Absetzen des Landers beschäftigt sind. „Das wird eine große Herausforderung“, sagt Reinhard Roll, Projektmanager der Landesonde „Philae“.

Damit die Landung gelingt und die Sonde nicht umkippt, müssen die Forscher nicht nur die physikalischen Gesetze, sondern auch die aktuellen Daten über die Bodenbeschaffenheit des Kometen in ihre Modellrechnungen einbeziehen.

In dieser Woche steht außerdem ein spektakulärer Test an: Gemeinsam mit Ingenieuren des Deutschen Forschungszentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen will Roll die Harpunentechnik testen, die sich die Max-Planck-Forscher für den Philae-Lander ausgedacht haben.

Damit die Sonde nicht gleich wieder abhebt, sollen bei der Landung sofort zwei Harpunen abgeschossen werden, die das Landegerät auf dem Kometen fixieren. Die Ergebnisse des Tests sollen dazu dienen, den Landevorgang zu optimieren.

Von Heidi Niemann

Mehr zum Thema

Fünf Forschungsprojekte am Institut für Astrophysik der Universität Göttingen werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über einen Zeitraum von drei Jahren mit 2,7 Millionen Euro gefördert. Die Projekte werden im Rahmen der Verbundforschung „Erdgebundene Astrophysik und Astroteilchenphysik“ unterstützt.

22.07.2014

Wissenschaftler der Universitäten Göttingen, Köln und Münster haben erstmals einen Unterschied im Verhältnis der Sauerstoffisotope zwischen Erde und Mond nachgewiesen. Damit bestätigten sie die Hypothese, nach der der Mond aus einer Kollision der frühen Erde und eines anderen Planeten entstand.

05.06.2014

Ein internationales Team von Astronomen unter Beteiligung der Universität Göttingen hat in der Nähe eines sehr alten Sterns, Kapteyns Stern, zwei Planeten entdeckt. Einer der neuen Planeten könnte lebensfreundliche Eigenschaften besitzen.

03.06.2014