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Göttingen Gute Arbeit, kaum bekannt
Campus Göttingen Gute Arbeit, kaum bekannt
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00:30 06.05.2018
Greta Colmsee (l.) erläutert die Ergebnisse ihrer Gruppe zur Spendermotivation. Quelle: Richter
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Göttingen

Der Göttinger Tafel e.V. lebt von Spenden und gibt Lebensmittel kostenlos ab. Doch trotz der fast 24 Jahre, die es die Tafel bereits gibt, weiß man nur wenig über die Kunden und die Spender. Eine studentisches Forschungsprojekt hat darauf Antworten gefunden und einige neue Erkenntnisse gewonnen.

„Wir haben im Alltag fast keine Zeit, mit den Kunden zu reden“, sagt Martina May, Geschäftsführerin der Göttinger Tafel. Warum die Kunden kommen, wie sie zur Tafel finden, ihre individuellen Geschichten – offene Fragen. Und ebenso, wer eigentlich die Tafel unterstützt, denn bisher lief die Spendenakquise eher nebenher.

In einem Seminar von Florian Berens, Doktorand am Methodenzentrum der Sozialwissenschaftlichen Fakultät, befassten sich daher 14 Studenten mit drei verschiedenen Aspekten: Wer sind die Kunden der Tafel? Wer sind die Spender? Wie bekannt ist die Göttinger Tafel in der Bevölkerung?

Zahl über Jahre konstant

Die Kunden: Deren Zahl liegt bei durchschnittlich 1200, zu Spitzenzeiten auch 1400, darunter 350 bis 400 Kinder und Jugendliche unter 18 – bei insgesamt rund 12000 Menschen, die die Tafel nutzen dürften. Die Zahl ist über Jahre konstant. Etwa 25 Prozent der Kunden sprechen offen darüber, dass sie zur Tafel gehen, wohingegen knapp zehn Prozent niemandem davon erzählen.

Auch scheinen die meisten Tafelkunden nur ein bis zwei Jahre die Tafel in Anspruch zu nehmen. „Die Verweildauer bei der Tafel ist relativ kurz“, so Florian Berens. „Die hohe Fluktuation der Kunden weist darauf hin, dass sie der Überbrückung einer schwierigen Situation dient.“ Das zeige sich auch in manchen Fragebögen, so einer der Studienautoren. Auf die Frage, wie es ihnen gehen würde, wenn es die Tafel nicht gäbe, fiel mehrfach das Wort „Katastrophe“ und auch die Aussage „weniger Lebensmittel verfügbar/hungern“.

Aus sozialen Gründen engagieren?

Die Spender: Gerade Kleinunternehmen mit bis zu neun Beschäftigten scheinen deutlich unterrepräsentiert zu sein. Unter anderem hier sehen die Studienautoren noch viel Luft nach oben für die Spenderakquise, zumal sich Kleinunternehmer zu einem sehr großen Teil aus rein sozialen Gründen engagieren, während das bei den spendenden Großunternehmen zwar auch eine Rolle spielt, aber ebenso ökonomische Gründe genannt werden, wie den eigenen Einsatz zu Marketingzwecken einzusetzen.

Das Image der Tafel: Zum einen ließ sich feststellen, dass die Göttinger Tafel ein sehr positives Image besitzt. Der Nachteil allerdings ist, dass über die Tafel immer noch wenig bekannt ist. So gingen viele Befragte davon aus, dass die Tafel eine städtisch oder kirchlich unterstützte Einrichtung ist – und kein sich selbst tragender Verein. Auch war nur wenig bekannt, wer eigentlich das Angebot nutzen darf, so zum Beispiel Studierenden, die Bafög beziehen. Studierenden ist zudem kaum bekannt, dass sie sich hier auch ehrenamtlich engagieren können.

„Ich muss das erstmal sacken lassen.“

Was heißt das jetzt für Martina May und die Tafel? „Ich muss das erstmal sacken lassen. Aber wir können da sehr viel herausziehen, und ich denke, dass wir auch einiges umsetzen werden.“ Besonders verwundert ist sie darüber, dass nach bald 24 Jahren, die es die Tafel gibt, immer noch viele Menschen die Tafel nicht kennen oder wissen, was deren Angebot ist.

Ab Ende Mai wird der Bericht auch für alle Interessierten beim Online-Publikationsdienst der Universität, GoeScholar, verfügbar sein – unter dem Suchbegriff „Tafel Göttingen“.

Der Tafel Göttingen e.V.

Die Tafel wurden Ende 1994 gegründet. Sie verfolgt den Zweck, Menschen mit geringem Einkommen bei der Sicherung ihres Nahrungsmittelversorgung zu helfen, da bei Armut dort oft gespart wird. Betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche. An die Kunden werden gespendete Nahrungsmittel wie Obst mit kleinen Schönheitsfehlern, Brot vom Vortag oder Fehlabfüllungen kostenlos abgegeben. Die Tafel wird zu einem großen Teil durch das Ehrenamt getragen – rund 29000 Arbeitsstunden umfasst das Engagement, schätzt die Tafel. Knapp 100 Lebensmittelbetriebe spenden regelmäßig, jährlich werden etwa 200 Tonnen Nahrungsmittel ausgegeben. sg

Von Sven Grünewald

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