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Göttingen HAWK-Wissenschaftler untersucht Resilienz in Dörfern: Risiko lohnt
Campus Göttingen HAWK-Wissenschaftler untersucht Resilienz in Dörfern: Risiko lohnt
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08:00 25.07.2019
Albarracín im Nordosten Spaniens zählt zu den von Alistair Adam-Hernández untersuchten Dörfern. Quelle: R
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Göttingen

Der Wissenschaftler an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), Fakultät Ressourcenmanagement in Göttingen, hat in seiner Untersuchung einen ersten Anhaltspunkt entdeckt: Risiko lohnt.

Widerstandsfähige Dörfer realisierten Projekte höchster Komplexität, nutzten die Kompetenzen der Bürger, hätten unternehmerische Ansätze und gingen Risiken ein. Zu diesem Schluss sei Adam-Hernández durch die Formulierungen weiterer Fragen gekommen, teilte HAWK-Pressesprecherin Sabine zu Klampen mit: „Kann das Konzept der Resilienz (Widerstands- und Anpassungsfähigkeit) erklären, warum sich einige Dörfer besser als andere dem Wandel anpassen und trotz widriger Umstände positiv entwickeln? Was bedeutet es, ein resilientes Dorf zu sein, welche Eigenschaften hat es als solches und wie können diese gefördert werden?“

Wooler in der englischen Grafschaft Northumberland. Quelle: r

Untersuchungen in Oberndorf, Wooler (England), Albarracín (Spanien)

Antworten fand der 32-Jährige insbesondere in drei Dörfern: im norddeutschen Oberndorf an der Oste im Landkreis Cuxhaven, in Wooler in der englischen Grafschaft Northumberland und in Albarracín in der nordöstlichen spanischen Provinz Teruel. Seine erste Bilanz: „Die Aktiven scheuen das Risiko nicht.“

„Mich interessiert an der Resilienz eine gewisse ‚Perspektive des Alltags‘“, sagt Adam-Hernández. „Es geht darum, ob ein Ort als lebendig, dynamisch und aktiv von innen und außen wahrgenommen wird. Ich habe mit Oberndorf, Wooler und Albarracín praktische Beispiele ausgesucht, die nachweislich Strukturen, Organisationen und Maßnahmen oder Projekte aufweisen, mit denen die Dorfgemeinschaft versucht, die Wandelprozesse aktiv zu steuern und zu gestalten.“

Oberndorf an der Oste im Landkreis Cuxhaven. Quelle: R

Strukturschwäche, Abwanderung, Kampf um Arbeitsplätze

Den drei Dörfern seien fünf Aspekte gemeinsam, so zu Klampen: Sie lägen an der Peripherie und hätten mit Problemen wie Strukturschwäche, der Abwanderung junger Menschen und Überalterung, ihrer Distanz zu den Oberzentren und mit der Erhaltung von Arbeitsplätzen zu kämpfen. In allen Dörfern gäbe es Organisationen, die die Dorfentwicklung aktiv betreiben und die Attraktivität, möglicherweise auch die Resilienz, des Ortes trotz aller Widrigkeiten aufrechterhalten würden, so zu Klampen.

Auch der unternehmerische Ansatz dieser Organisationen und Bürger sei hervorzuheben. Die Aktiven schätzten das Risiko und gingen es auch ein – entsprechend seien sie handlungsfähig. Diese Orte seien besonders erfolgreich, weil Personen aktiv rekrutiert würden, die zu den Gemeinschaftsprojekten beitragen könnten.

Routinierte Resilienz braucht Zeit

Alle Ortschaften hätten eine relativ lange Geschichte der Entwicklung hinter sich. Adam-Hernández betont: „Also können wir von der Organisationsform, von der Zusammenarbeit, im Endeffekt den Charakteristiken der Orte lernen, aber wir können nicht erwarten, dass andere Orte nach einem kurzen ‚Resilienz-Training‘ schnell ‚fit gemacht‘ werden können.“

„Eine Vision für nachhaltige und zukunftsfähige ländliche Räume in Europa ist das Ziel“, schreibt Alistair Adam-Hernández in seinem privaten Blog ruralvision.eu. Quelle: r

Adam-Hernández ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HAWK. Seine Promotionsstelle wird aus dem niedersächsischen Forschungsprogramm „Forschungsperspektive FH“ gefördert. Basis seiner Promotion zur Resilienz von Dörfern ist eine Kooperation von HAWK und Universität Vechta (apl. Prof. Dr. Karl Martin Born). In Göttingen werde er von Prof. Dr. Ulrich Harteisen von der HAWK-Fakultät Ressourcenmanagement (er leitet die „Forschungsgruppe Ländliche Räume und Dorfentwicklung“ leitet) betreut. Aktuell hat er beim 28. Kongress der Europäischen Gesellschaft für Ländliche Soziologie im norwegischen Trondheim mit weiteren Wissenschaftlern aus Schottland und Irland eine Arbeitsgruppe zur „Resilienz ländlicher Gemeinschaften“ geleitet.

Von Stefan Kirchhoff

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