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Göttingen Forstliche Versuchsanstalt: Leiter Spellmann geht in Ruhestand
Campus Göttingen Forstliche Versuchsanstalt: Leiter Spellmann geht in Ruhestand
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14:30 31.03.2020
Forstministerin Barbara Otte-Kinast verabschiedet Prof. Dr. Hermann Spellmann in den Ruhestand. Quelle: ML
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Göttingen

Am 30. März verabschiedete Niedersachsens Forstministerin Barbara Otte-Kinast Prof. Hermann Spellmann aus dem aktiven Berufsleben. Mit ihm wechselt eine herausragende forstliche Persönlichkeit in den Ruhestand. Er hat über 40 Jahre im forstlichen Bereich gearbeitet und die in Göttingen ansässige Mehrländerbehörde mit gegründet und 14 Jahre erfolgreich geleitet.

„Mit der Pensionierung von Prof. Spellmann endet eine überaus erfolgreiche Ära“, fasste Otte-Kinast die Leistung des scheidenden Direktors und des im In- und Ausland hoch geachteten Fachmanns für nachhaltige Forstwirtschaft zusammen. „Sein breites Wissen, seine Überzeugungskraft, sein Gestaltungswille und sein mitreißender Schwung werden uns fehlen.“

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Prof. Spellmann begann 1979 seine wissenschaftliche Laufbahn am Institut für Forsteinrichtung und Ertragskunde der Universität in Göttingen und wechselte 1987 zur Niedersächsischen Forstlichen Versuchsanstalt, in der er zunächst die Leitung des Sachgebietes Ertragskunde und anschließend die Leitung der Abteilung Waldwachstum übernahm. 2003 wurde er Leiter dieser Forschungseinrichtung und im Februar 2006 Gründungsdirektor der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA).

Mit ihm scheidet ein strategisch denkender, national und international hochgeachteter Waldfachmann und forstlicher Visionär aus dem aktiven Berufsleben aus. Er erkannte frühzeitig Herausforderungen für die Forstwirtschaft und entwickelte zusammen mit seinem Team Konzepte zur Lösung anstehender Probleme. In den letzten Jahren standen dabei die Anpassung der Wälder an den Klimawandel, die Sicherung der Nadelrohholzversorgung, die Entwicklung neuer Wege zu einem effizienten Waldnaturschutz, die Kohlenstoffspeicherung in Wäldern, die Verwendung schwacher Laubholzsortimente sowie die Weiterentwicklung der langfristigen ökologischen Waldentwicklung im Fokus der von ihm vorangetriebenen Forschung. Über 250 Veröffentlichungen hat er verfasst, wirkte an unzähligen Merkblättern für die forstliche Praxis mit und schrieb ungezählte Gutachten und Stellungnahmen für die Politik. Für seine herausragenden Verdienste in der Forstwirtschaft erhielt er viele Preise, so zuletzt 2017 den Abetz-Preis und 2019 die Bernhard-Dankelmann-Medaille. Als Mitglied in zahlreichen Fachgremien – unter anderem als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik der Bundesregierung – reichte sein Wirken bis in die höchsten Ebenen der Politik.

Auch als Mensch und Chef war er eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die durch Vorbild gepaart mit Optimismus und grenzenlosem Elan führte. Er konnte Menschen begeistern, war in der Wissenschaft und bei den Waldbesitzenden ein gefragter Berater und Redner und wurde nicht müde, sein Wissen weiterzutragen und sich für das Wohl des Waldes, der Forstbetriebe und der Waldbesitzenden einzusetzen.

Vorausschauend hat Prof. Spellmann vor seinem Weggang noch Weichen für die Zukunft der NW-FVA gestellt, indem er die Naturwaldforschung und den Arten- und Biotopschutz durch die Schaffung einer neuen fünften Abteilung „Waldnaturschutz“ zum 1. April 2020 weiter gestärkt hat. Darüber hinaus wurden in der Abteilung Waldwachstum die Forschungsbereiche der Risikomodellierung im Wald und der Waldinventur durch Umorganisation und Einrichtung eines neuen Sachgebiets aufgewertet.

Neuer Leiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt wird am 1. April 2020 Dr. Thomas Böckmann, der seit 2006 das Forstplanungsamt der Niedersächsischen Landesforsten in Wolfenbüttel geleitet hat.

Von chb/r

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