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Göttingen Herzrhythmuspflaster: Göttinger Forscher an Studie beteiligt
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Herzrhythmuspflaster: Göttinger Forscher an Studie beteiligt

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10:00 28.02.2021
So sieht das XIO_XT_Rhythmuspflaster mit der integrierten Aufzeichnungseinheit aus.
So sieht das XIO_XT_Rhythmuspflaster mit der integrierten Aufzeichnungseinheit aus. Quelle: umg/hzg
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Göttingen

Unentdecktes Vorhofflimmern kann zum Schlaganfall führen. Ein mobiles Rhythmuspflaster soll nun Abhilfe schaffen. Es erkennt Vorhofflimmern bei Risikopatienten zehnmal häufiger als die herkömmliche Diagnostik, heißt es in einer Mitteilung der UMG und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Das ist das Ergebnis einer neuen transatlantischen Studie, an der Forscher aus Kanada und Deutschland – unter anderen der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) – beteiligt waren.

Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, von der mehr als 30 Millionen Menschen weltweit betroffen sind. Durch den unregelmäßigen Herzschlag kann das Blut in den Vorhöfen verklumpen. Gelangen solche Gerinnsel ins Gehirn und verschließen Gefäße, entsteht ein Schlaganfall. Bei älteren Menschen ist Vorhofflimmern eine der wichtigsten Ursachen für einen Schlaganfall. Häufig mache Vorhofflimmern keine Beschwerden und sei deshalb nur schwer zu erkennen.

„Wir hoffen, dass, wenn wir stummes Vorhofflimmern besser erkennen, mehr Menschen frühzeitig behandelt und Schlaganfälle verhindert werden könnten“, sagt der kanadische Studienleiter Dr. David Gladstone vom Sunnybrook Health Sciences Centre und der Universität Toronto. Die Studie wurde am Population Health Research Institute in Hamilton, Kanada, koordiniert.

Stummes Vorhofflimmern aufspüren

In der multizentrischen, randomisierten Studie mit dem Namen SCREEN-AF wurde ein Rhythmuspflaster untersucht, das jeden Herzschlag aufzeichnet und stummes Vorhofflimmern aufspüren kann. An der Studie nahmen 856 Personen aus 48 Hausarztpraxen im Zeitraum von 2015 bis 2019 teil. Die Teilnehmer waren 75 Jahre oder älter und hatten einen hohen Blutdruck, aber kein bekanntes Vorhofflimmern.

Rund ein Drittel der Teilnehmer wurden in Deutschland über hausärztliche Kooperationspraxen der DZHK-Partnereinrichtungen Göttingen und Hamburg erreicht. „Für zukünftige Studien zum Vorhofflimmerscreening eignen sich Hausarztpraxen sehr gut“, ergänzt Prof. Eva Hummers vom Institut für Allgemeinmedizin der UMG. Sie hat die Zusammenarbeit mit den hausärztlichen Praxen geleitet.

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Die Hälfte der Teilnehmer erhielt das Rhythmuspflaster, das zweimal für jeweils zwei Wochen auf die Brust aufgeklebt wurde. Die andere Hälfte erhielt die medizinische Standardversorgung. In das Rhythmuspflaster ist eine EKG-Aufzeichnungseinheit integriert, die den Herzschlag für zwei Wochen durchgehend aufzeichnet. Das Pflaster wurde nach zwei Wochen abgenommen und zur Auswertung eingeschickt. Alle Teilnehmer wurden sechs Monate lang beobachtet.

Blutverdünner können vor Schlaganfällen schützen

Die Studie ergab, dass das Rhythmuspflaster von den Teilnehmern gut vertragen und Vorhofflimmern zehnmal häufiger erkannt wurde. In der Rhythmuspflastergruppe wurde bei 23 Teilnehmern Vorhofflimmern festgestellt, in der Kontrollgruppe nur bei zwei. Von den Vorhofflimmerpatienten erhielten 75 Prozent ein blutverdünnendes Medikament zum Schutz vor Schlaganfällen.

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„Die Vorhofflimmerepisoden, die wir gefunden haben, waren meist mehrere Stunden lang. Blutverdünner sind allgemein bei Vorhofflimmerpatienten sehr effektive Medikamente und können das Schlaganfallrisiko um fast 70 Prozent senken. Allerdings ist für die von uns identifizierten Patienten die bestmögliche Therapie noch nicht ausreichend untersucht“, sagt Ko-Studienleiter Prof. Rolf Wachter. Wachter war zum Studienzeitpunkt am Herzzentrum der UMG tätig. Seit 2019 ist er Professor für Klinische und Interventionelle Kardiologie am Universitätsklinikum der Universität Leipzig.

Von chb