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Göttingen „Das A und O“ im Kloster Bursfelde
Campus Göttingen „Das A und O“ im Kloster Bursfelde
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17:40 10.05.2018
Himmelfahrtstreffen der Uni Göttingen in Bursfelde mit Abt Thomas Kaufmann und einem Vortrag von Prof. Hedwig Röckelein.   Quelle: Foto: Schubert
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Bursfelde

Es steht für den Anfang und das Ende, für das Erste und Letzte, vielleicht auch für das Alpha und Omega einer „Allherrschaft“ des Herrn: Das „A und O“, das so klar erscheint und doch irgendwie so uneindeutig und widersprüchlich ist, räumt Kaufmann zu Beginn seiner Interpretation einer Textpassage aus der Offenbarung des Johannes ein.

Ein „A und O“, das auch für einen Gott steht, „der er ist, der war und der er sein wird“. Das gelte auch für den Gekreuzigten, den Sohn Gottes – als Herrscher aller Herrscher, der auch Autokraten der weltlichen Welt Grenzen setzt.

Kaufmann sieht in der Johannes-Passage aber auch einen Sohn Gottes, der die Gläubigen – fast Priestern gleich – an seiner Herrschaft beteiligt. Damit bedürfe es eigentlich auch keiner „Kardinäle, Pfaffen, Universitätsprediger und eines Abtes von Bursfelde mehr“.

Das mag zunächst verunsichern, und doch beschreibe Johannes das „A und O des Glaubens“ und die Bedeutung Gottes unmissverständlich, so Kaufmann: „Er liebt uns vom Anfang bis ans Ende“. Dahinter stehe auch Vertrauen in den kommenden Gott - und Mut, „Phantomschmerzen“, zum Beispiel durch sinkende Mitgliederzahlen und „überkommene institutionelle Rechte“, abzulegen und „falsche Kompromisse mit den Konstantins, Putins und Söders dieser Welt zu vermeiden“.

Vertrauen scheint allerdings etwas gewesen zu sein, das die Mönche aus den Gründerjahren des Klosters Bursfelde in weltlichen Angelegenheiten nicht so ernst nehmen mochten. Wenn das Kloster in diesem Jahr seinen 925. Geburtstag feiert, dürfte das Datum 12. Juni 1093 zwar stimmen, die Urkunde, die das belegt, ist allerdings eine Fälschung.

Himmelfahrtsgottesdienst der Uni Göttingen im Kloster Bursfelde.   Quelle: Ulrich Schubert

Mit dieser Aussage überraschte die Mittelalterhistorikerin an der Uni Göttingen, Prof. Hedwig Röckelein, in ihrem Himmelfahrts-Fachvortrag viele Gäste. Nicht weniger mit der Feststellung, dass es im Mittelalter „gängige Praxis war“, Urkunden zu fälschen – und dies fast ausschließlich von Mönchen. Nicht selten seien damit nachträglich bis dato vorhandener Besitzt, Marktrechte und klerikale Macht gesichert worden.

Zu Bursfelde gibt es laut Röckelein viele mehr oder weniger gefälschte Urkunden – aber auch eine garantiert Echte: vom 19. Juni 1144, besiegelt von Erzbischof Heinrich I. Sie bildet, mit abweichenden Details, die Grundlage für die falsche aber dennoch gültige Gründungsurkunde von 1093.

Gottesdienst und Vortrag – eine lange Tradition

1542 wurde das einstige Benediktinerkloster Bursfelde evangelisch, 1818 kam das Anwesen nach Angeben verschiedener Internetquellen in den Besitz der Klosterkammer. Seit 1828 steht ein Theologieprofessor der Universität Göttingen, der vom Senat der evangelisch-lutherischen Landeskirche und der Landesregierung vorgeschlagen wird, dem Kloster als Abt vor – seit 2016 Thomas Kaufmann. Die Universität steht durch den Abt von Bursfelde in einer besonderen Beziehung zu dem ehemaligen Benediktinerkloster.

Vor etwa 70 Jahren entstand durch die Initiative des achten Abtes von Bursfelde, Carl Stange, die an Himmelfahrt gefeierte Tradition eines Universitätsgottesdienstes. Im Anschluss daran folgt ein akademischen Festvortrag, der seit 1982 in den Bursfelder Universitätsreden veröffentlicht wird.

Von Ulrich Schubert

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