Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Was sich für Medizin-Bewerber in Göttingen ändern könnte
Campus Göttingen Was sich für Medizin-Bewerber in Göttingen ändern könnte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 02.08.2019
Wer Hausarzt, Chirurg oder Neurologe werden möchte, brauchte bislang eine Abiturnote von 1,0. Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen

Medizin studieren mit einem Abiturnotendurchschnitt von mehr als 1,0 – noch immer ist das an deutschen Hochschulen nicht bedingungslos möglich. Eine geplante Reform der hochschulzulassungsrechtlichen Vorschriften soll dies ab kommendem Jahr ändern. Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) sieht sich bereits gut dafür aufgestellt.

Das Auswahlverfahren für Medizinstudierende soll künftig eignungsorientiert sein. Quelle: dpa

Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts hatte neue Regelungen notwendig gemacht. Zwar sei die Auswahl von Bewerbern aufgrund der Abiturnote grundsätzlich rechtens, befanden die Richter im Jahr 2017, jedoch fänden keine keine weiteren Auswahlkriterien bedeutende Berücksichtigung. Im Juli nun brachte das Landeskabinett einen Gesetzentwurf auf den Weg.

Eignungsorientiertes Auswahlverfahren

Vorrangig eignungs- und nicht mehr leistungsorientiert soll die Auswahl für die Studiengänge Tiermedizin, Zahnmedizin, Pharmazie und Medizin künftig sein, heißt es in einer Mitteilung der Niedersächsischen Staatskanzlei. „Die Vergabe der Studienplätze in der Abiturbestenquote, die unmittelbar von der Stiftung für Hochschulzulassung vergeben werden, steigt von 20 auf 30 Prozent“, berichten der stellvertretende UMG-Studiendekan Prof. Martin Oppermann und die geschäftsführende Leiterin für den Bereich Studium und Lehre an der UMG Dr. Kathrin Lagodny.

Die Universitätsmedizin Göttingen sieht sich, falls die Änderungen im Auswahlverfahren kommen, bereits gut aufgestellt. Quelle: dpa

 

Dabei kommen lediglich die Besten mit einem Numerus clausus von 1,0 oder 1,1 zum Zuge. Wer bislang nur einen schlechteren Notendurchschnitt vorweisen konnte, konnte über eine Wartezeit das Medizinstudium aufgreifen. Dies soll nun abgeschafft werden. Stattdessen könnte eine Zentrale Eignungsquote folgen, die den Studieninteressierten neue Möglichkeiten öffnet.

Wartezeitregelung soll entfallen

Zu zehn Prozent sollen dann Kriterien gelten, die nichts mit der Abiturnote zu tun haben, heißt es in der Mitteilung der Staatskanzlei weiter. Konkret heißt das: Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung, fachlich einschlägige Praktika oder ein gutes Ergebnis im Eignungstest für medizinische Studiengänge nachweist, hat bessere Chancen auf einen Studienplatz. In der Summe werde dadurch der Anteil von älteren Studienanfängern, die ihren Studienplatz erst nach Ablauf einer Wartefrist erhalten, zurückgehen, schätzen Lagodny und Oppermann.

Stiftung für Hochschulzulassung

Für den Studiengang Medizin müssen sich Interessierte zentral bewerben: Die Stiftung für Hochschulzulassung regelt das bundesweite Auswahlverfahren für alle Medizinfakultäten von ihrem Sitz in Dortmund aus. Über das Online-Portal hochschulstart.de können die Bewerber ein Nutzerkonto anlegen und einen Antrag ausfüllen. Diesen müssen sie dann fristgerecht per Post an die Stiftung senden. Die Stiftung wählt die Studieninteressierten nach eigenen Angaben bislang nach Abzug einer Vorabquote anhand von drei Kriterien aus: der Abiturnote, der angesammelten Wartezeit und dem von den Hochschulen mitgeteilten Ergebnis ihres internen Auswahlverfahrens. Außer für Medizin müssen sich auch Studienbewerber der Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie über das zentrale Auswahlverfahren bewerben. Die Stiftung beschreibt sich selbst als Dienstleister für die Bewerber, die Hochschulen sowie den Bund und die Länder. Weitere Informationen gibt es unter hochschulstart.de.

Außerdem soll das hochschulinterne Auswahlverfahren der Studienbewerber umgestaltet werden. Zu 60 Prozent zählt es in die Bestenauslese hinein. Doch statt wie bisher soll auch hier nicht mehr ausschließlich die Abiturnote von Gewicht sein. Eine „erhebliche Bedeutung“ solle ihr zwar weiterhin zukommen, kündigt die Staatskanzlei an, aber nicht mehr zwingend überwiegend für oder wider einen Studienbewerber entscheiden.

Schulnotenunabhängig Kriterien

Ein Eignungstest und außerschulisches Engagement sollen unter anderem verbindliche Kriterien werden. „Da die UMG in ihrem hochschuleigenen Verfahren bereits schulnotenunabhängige Kriterien berücksichtigt“ und zudem Auswahlgespräche mit den Bewerbern führe, sei sie schon jetzt gut für die Änderungen gewappnet, sagen Lagodny und Oppermann.

Mehr Chancengleichheit sollen die geplanten Änderungen des Hochschulzulassungsgesetzes garantieren. Quelle: dpa

Die niedersächsische Staatssekretärin Sabine Johannsen betonte, dass der Gesetzentwurf als Gesamtsystem durch Quoten- und Kriterienvielfalt die vom Bundesverfassungsgericht erwartete Chancenoffenheit sicherstelle. Mit den geplanten Änderungen soll nach Staatskanzleiangaben der im Frühjahr unterzeichnete Staatsvertrag über die Hochschulzulassung in Landesrecht umgesetzt werden. Außerdem soll das Hochschulzulassungsgesetz angepasst werden.

Der Entwurf muss nun in den Landtag eingebracht werden. Die neuen Regelungen könnten für bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge bereits ab dem Sommersemester 2020 greifen, für örtlich zulassungsbeschränkte ab dem Wintersemester 2020.

Von Norma Jean Levin

Die Reformvorschläge im Agrarbereich der Europäischen Union bringen keine Verbesserungen für das Klima. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher aus Göttingen und Leipzig.

02.08.2019

Mehr Geld für den Lebensunterhalt und das Wohnen: Nach einer Reform steigt ab August das Bafög in Deutschland. Das Göttinger Studentenwerk empfiehlt Studierenden, neue Anträge zu stellen.

02.08.2019

Richtfest für das neue Studentenwohnheim „Lutterterrasse“ des Studentenwerks Göttingen am Nordcampus: Bis zu 264 Studierende sollen hier von Anfang 2020 an wohnen. Das Besondere ist ein neuartiges Wohnmodulsystem.

01.08.2019