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Göttingen Holz „zum Verbrennen zu schade“
Campus Göttingen Holz „zum Verbrennen zu schade“
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18:40 03.11.2011
Wichtig für Energieversorgung und Klimaschutz: Wald an der Burg Plesse bei Eddigehausen. Quelle: dpa
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Eine Gesprächsrunde der von der Heinz Sielmann-Stiftung organisierten „Sielmann Dialoge“ brachte zu diesem Thema in der Göttinger Paulinerkirche Experten aus Wissenschaft, Waldwirtschaft und Umweltschutz zusammen.

Dass die Interessen bei einer so gemischten Runde an verschiedenen Punkten alles andere als in eine Richtung laufen würden, war klar und für eine umfassende aber auch nicht zuletzt unterhaltsame Diskussion unter Moderation von Michael Spielmann (Heinz Sielmann Stiftung) wichtig. „Wir brauchen mehr Holz, wenn wir die Ziele des Klimaschutzes erreichen wollen“, so lautete ein Statement von Prof. Gerd Wegener von der Technischen Universität München.

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Dass dabei aber in besonderer Weise der Schutz und die Förderung von Biodiversität zu berücksichtigen seien, war Meinung von Prof. Hubert Weiger vom Verein Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Rund fünf Prozent der Waldfläche in Deutschland sollen sich selbst überlassen werden, so sieht es auch eine Strategie der Bundesregierung vor. Prof. Hermann Spellmann von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen jedoch verwies darauf, dass die Strategie nicht mit anderen, etwa zur Energiewende, abgestimmt sei. Hier sei dringend Nachholbedarf.

Bei der Nutzung erneuerbarer Energien wird große Hoffnung in Holz gesetzt. Und um ehrlich zu sein: Wer mag es nicht – das romantisch knisternde Kaminfeuer zu Hause? „Holz ist zunächst einmal zum Verbrennen zu schade“, betonte dagegen Prof. Hubert Merkel von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim/Holzminden/Göttingen. Zum Fressen auch, so oder ähnlich hätte es wohl auch Prof. Christian Ammer von der Universität Göttingen formulieren können, der mit dem Thema Jagd und Wildbestand einen weiteren Aspekt der Nutzung – und Gefährdung – von Wald in die Diskussion einbrachte.

Einig waren sich alle eigentlich nur darin, dass es für ein so umfassendes und komplexes Thema dringend eine breite gesellschaftliche Diskussion mit einer möglichst demokratischen Entscheidung zu Förderung und Grenzen der zukünftigen Waldwirtschaft geben muss. Auf dem Weg dahin gibt es viele gut begründete Meinungen zu beachten.

Sielmann Dialoge

Die 1994 gegründete Heinz Sielmann-Stiftung mit Sitz in München und Duderstadt hat die Erhaltung der Artenvielfalt zum Ziel. Der Tier- und Naturfilmer Heinz Sielmann (-2006) ist mit Kinofilmen und der Fernsehserie „Expeditionen ins Tierreich“ bekannt geworden. Die Veranstaltungsreihe „Sielmann Dialoge“ zum Internationalen Jahr der Wälder findet an wechselnden Orten statt.

Von Isabel Trzeciok