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Göttingen Humboldt-Biografin Wulf mit Lichtenberg-Medaille ausgezeichnet
Campus Göttingen Humboldt-Biografin Wulf mit Lichtenberg-Medaille ausgezeichnet
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15:41 29.06.2019
Der Humboldt-Biografin Andrea Wulf wird von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (hier mit Präsident Professor Andreas Gardt) die Lichtenberg-Medaille 2019 verliehen. Quelle: lin
Göttingen

Die Verleihung wurde während einer öffentlichen Sommersitzung der Akademie in der Aula der Universität Göttingen am Wilhelmsplatz vollzogen. Zuvor hielt Wulf einen Vortrag über Alexander von Humboldt.

In der Anmoderation bezeichnete der Präsident der Akademie, Professor Andreas Gardt, Humboldt unter anderem als „Wissenschaftsfürst“ und „Prototyp eines modernen Wissenschaftlers“. Nach Angaben des Laudators Professor Werner Lehfeldt würdige die Akademie mit der Auszeichnung eine Autorin, „die den Zusammenhang von Ideen- und Naturgeschichte sowie die Internationalität der wissenschaftlichen Forschung im Zeitalter der Aufklärung höchst anschaulich macht – für ein globales, auch nichtakademisches Publikum“.

Autorin lebt in London

Nach der Veröffentlichung ihres Wissenschaftsthrillers „Die Vermessung des Himmels“ hat sich die seit mehr als zwanzig Jahren in London lebende Autorin in „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ dem Leben und dem wissenschaftlichen Werk Humboldts auf allgemeinverständliche, unterhaltsame und zugleich spannende, auch für Nichtwissenschaftler transparente, Art gewidmet.

Charmant und mit großem Elan begann Wulf ihren Vortrag. Sie sei direkt aus Berlin angereist und wann immer sie dort sei, besuche sie auch „ihren Alex“ an der nach ihm benannten Universität. Es war spürbar, dass sie das Wirken Humboldts förmlich mitlebte. Sie fühle sich ein wenig wie Humboldts Pressedame auf ihren zahlreichen Vortragsreisen, warf sie augenzwinkernd ein. Dieser sei schon in frühen Tagen hoch angesehen gewesen und seine Konzepte würden uns noch heute prägen.

Mehrfach preisgekrönt

Ihrem mehrfach preisgekrönten Werk hat Wulf noch die reich illustrierte Graphic Novel „Die Abenteuer des Alexander von Humboldt“ über dessen berühmte Südamerikaexpedition folgen lassen. Diese beruht auf seinen erst kürzlich öffentlich zugänglich gemachten Tagebüchern. In ihrem Vortrag nutzte Wulf die großformatigen Zeichnungen des Buches zur Veranschaulichung bestimmter Vorgänge. Ihre Lieblingsstelle sei die, wo Humboldt während eines schweren Sturms sein Tagebuch unter Lebensgefahr aus dem Wasser rettet.

Auf seiner Südamerika-Reise in den Jahren 1799 bis 1804 erkannte Humboldt die Natur als zusammenhängendes Netz des Lebens, als „Web of life“ und globale Kraft. Humboldt sei kein Gelehrter im Elfenbeinturm gewesen, so Wulf, sondern ein rastloser Visionär. Bei der Besteigung des Vulkans Chimborazo kam er zu der Erkenntnis, dass es Klimazonen rund um die Erde gab. Humboldt prägte so das Verständnis von Ökosystemen.

Klimaschutz-Mahner

Ebenso erkannte Humboldt am Valenciasee im heutigen Venezuela schon zur damaligen Zeit die Folgen massiver Abholzungen für das globale Klima. So entwickelte er früh den Begriff des vom Menschen verursachten Klimawandels und könnte als Vorreiter aller Klimaschutz-Mahner gesehen werden.

Seine Forschungsreisen machten ihn in aller Welt zu einem geschätzten und gefragten Mann. Zu seinen engsten Freunden und Bewunderern zählte neben Johann Wolfgang von Goethe auch der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Thomas Jefferson. Zeitgenossen nannten Humboldt den „Shakespeare der Wissenschaften“.

Großer Vordenker

Zum Abschluss ihres lebhaften Vortrags bezeichnete Wulf Humboldt als „Brücke zwischen Aufklärung und Romantik“. Sie hoffe, dass das Bewusstsein für diesen großen Vordenker im Jahr seines 250. Geburtstages noch mal vertieft werde. Die Verleihung der Lichtenberg-Medaille und der Urkunde nahm im Anschluss Präsident Professor Andreas Gardt vor.

Mit Andrea Wulf kehrte für einen Moment der Geist Humboldts zurück in die Stadt, in der dieser einst wie auch sein Bruder Wilhelm studiert hat. Humboldt immatrikulierte sich am 25. April 1789 an der Universität Göttingen.

Lichtenberg-Medaille

Als traditionsreiche Gelehrtengesellschaft und außeruniversitäre Forschungseinrichtung vereint die Akademie der Wissenschaften Göttingen rund 400 herausragende Wissenschaftler über Fach- und Ländergrenzen hinweg. In einer öffentlichen Sitzung verleiht die Akademie seit 2004 jährlich (seit 2015 alle zwei Jahre) die Lichtenberg-Medaille „an besonders hervorragende und in der Öffentlichkeit angesehene Wissenschaftler“. Die jeweiligen Preisträgerinnen oder Preisträger erhalten eine Goldmedaille und eine Urkunde. Das Vorschlagsrecht wechselt zwischen der Mathematisch-Physikalischen oder der Philologisch-Historischen Klasse. Bei der Auswahl sind diese frei und nicht an Alter, Geschlecht oder Herkunft gebunden. Die Medaille ist eine Stiftung in Erinnerung an den Göttinger Gelehrten Georg Christoph Lichtenberg.

Vor der Laudatio auf die Preisträgerin Andrea Wulf wurden noch Auszeichnungen an Akademiemitglieder bekannt gegeben und neue Mitglieder der Akademie und deren Vita genannt und vorgestellt. Neu gewählte Akademiemitglieder 2019:

Mitglieder der Geistes- und Gesellschaftswissenschaftlichen Klasse :

Martin Laube, Professor für Systematische Theologie in Göttingen

Henrike Manuwald, Professorin für Germanistische Mediävistik in Göttingen

Franziska Meier, Professorin für Romanische Literaturwissenschaft in Göttingen

Dagmar Freist, Professorin für Geschichte der frühen Neuzeit in Oldenburg

Mitglied der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Klasse:

Wolfgang Bach, Professor für Petrologie in Bremen

Von Jörg Linnhoff

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