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Göttingen „In Göttingen die Zukunft in die Gegenwart holen“
Campus Göttingen „In Göttingen die Zukunft in die Gegenwart holen“
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17:42 16.11.2011
Hat neue Aufgaben im Blick: Cornelius Frömmel. Quelle: CR
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Was reizt Sie an der Übernahme der Gründungsprofessur medizintechnische Orthobionik an der Universität Göttingen?
Einiges. Wieder direkt am studentischen Unterricht sein. Mit tollen Partnern Geburtshelfer von etwas Neuem sein. Ein Fach, das an der Schnittstelle zwischen Medizin und Technik steht, mit zu entwickeln. Außerdem bin ich bin Technikfreak – insbesondere dann, wenn man sich keine Sorgen um die Umwelt machen muss. Und die Hoffnung, Menschen die ein Handycap haben, heute und noch mehr in Zukunft Hilfe angedeihen zu lassen, motiviert doppelt.

Orthobionik stellt nicht Ihr Fachgebiet dar. Ist das nachrangig, weil es sich um ein neues Forschungsgebiet handelt?
Von Haus aus bin ich Mediziner, als Hochschullehrer Bioinformatiker, das heißt so völlig fremd ist mir das Gebiet nicht, denn ohne Informatik funktioniert Orthobionik nicht. Und ich wage die Behauptung: Orthobioniker, oder was dem am Nächsten kommt, gibt es derzeit - weltweit - nur bei Otto Bock. Und wenn es tröstet: Der erste Kinderarzt war keiner von der Ausbildung, der erste Augenarzt dito und so weiter und sofern...

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Werden Sie auch Koordinator der Kooperationspartner sein?
In der Aufbauphase des Studienganges sehe ich meine Rolle als Teamplayer.

Wie weit sind die Vorarbeiten für die Zulassung der neuen Studiengänge und die Einrichtung der Forschungsräume?
Der Bachelorstudiengang hat nach seiner Zertifizierung, an der ich mitwirken durfte, an der Privaten Hochschule (PFH) in Göttingen dieses Semester begonnen. Der Master- und PhD-Studiengang werden von PFH, dem Unternehmen Otto Bock, der Universitätsmedizin Göttingen und einer Reihe von Instituten der Georg-August-Universität beziehungsweise der Max-Planck-Gesellschaft in Angriff genommen. Ich denke, mit diesen Studiengängen wird man in Göttingen die Zukunft in die Gegenwart holen.

Sie sind seit mehr als sechs Jahre UMG-Vorstandssprecher und Dekan der Medizinischen Fakultät. Was waren in dieser Zeit die wichtigsten Neuerungen und Veränderungen?
Für die Göttinger Universitätsmedizin sind über sechs Jahre Amtszeit eines Vorstandsmitgliedes ja schon eine bemerkenswert lange Zeit. Da ist viel passiert. Als Meilensteine werte ich: 1. Wir haben in der Fakultät eine neue Kultur zwischen Studierenden und Lehrenden, ein anregendes Miteinander, etablieren können. Das ist für mich die Basis einer gut funktionierenden Lehre. 2. Die Studienbedingungen – unter der Aegide der Studierenden selbst – konnten durch Erstellung des Lernzielkatalogs, des Studentischen Trainingszentrum für Ärztliche Praxis und Simulation (STÄPS), des STÄPS-Zahnmedizin, des Learning Ressource Center (LRC), Log-Buch Praktisches Jahr (PJ) und zusätzliche Gelder deutlich verbessert werden und fanden bundesweit Beachtung. 3. In der Forschung hat sich der Forschungsschwerpunkt Neurowissenschaften beeindruckend entwickelt. 4. Wir haben einen weiteren Forschungsschwerpunkt mit nationaler und internationaler Sichtbarkeit nachhaltig aufgebaut: Die UMG ist Teil des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislaufforschung. 5. Die Palliativmedizin – ohne den engagierten Bürgerverein mit Frau Frels gar nicht zu denken – hat sich zum Nutzen der Patienten und deren Angehörigen in meiner Amtszeit wundervoll entwickeln können. 6. In punkto wirtschaftliche Leistungskraft hat sich unter dem Engagement vieler, insbesondere von Vorstandsmitglied Barbara Schulte, die UMG vom kurzatmigen grauen Entlein zu einem elegant fliegenden Schwan der Forschung, Lehre und Krankenversorgung gewandelt, den auch das Land Niedersachsen mit einem beachtlichen geförderten Neubauprogramm würdigt – sowohl der 1. Bauabschnitt für das Klinikum als auch der Bau für das Theodor-Förster-Zentrum konnten in Angriff genommen werden. 7. Unter tätiger Mitwirkung der UMG ist die Gesundheitsregion Göttingen gegründet worden. Und – ganz persönlich – in dieser Zeit sind uns drei Enkelchen dazu gewachsen…

Was gibt es für Sie noch unbedingt zu erledigen in den verbleibenden fast fünf Monaten im Amt als UMG-Vorstandssprecher und Dekan?
Der To-Do-Katalog ist – bei der dynamischen Entwicklung verständlicherweise – noch lang: An erster Stelle steht die kräftigste Unterstützung des Exzellenzantrages der Georg-August-Universität in den nächsten Monaten. Bei der oben beschriebenen dynamischen Entwicklung der Lehre werde ich nicht locker lassen. Hier gilt es noch einige Pflöcke einzurammen, zum Beispiel Kern-Mantel-Curriculum, Studierbarkeit. Weiter stehen wir vor wichtigen Berufungen beziehungsweise Bleibeverhandlungen. Außerdem ist herauszufinden, wo und wie wir die neu zur Verfügung stehenden Gelder der UMG am besten in Lehre und Forschung und Krankenversorgung einsetzen können. Und als ein mir besonders wichtiges Projekt wurde der Aufbau einer Biobank begonnen.

Welche Eigenschaften sollte die Person mitbringen, die Ihre Nachfolge antritt?
Nach meinen Erfahrungen ist die Liste der Anforderungen für die Leitung der UMG nicht gerade kurz: 1. Liebe zu den Studierenden. 2. Vertrauen zu den kreativen, aber oft eigenwilligen Forschern. 3. Wertschätzung gegenüber all den mehr als 7    000 Fleißigen an der UMG, Wertschätzung der Mediziner-Kollegen auf dem flachen Land. 4. Visionen, über den Tellerrand hinaus, besitzen ohne die Detailarbeit des Alltags zu vernachlässigen. 5. Kultur, Kultur, Kultur: Ein Universitätsklinikum ist nach meiner Einschätzung auch eine große kulturelle Unternehmung. Und gerade die Universitätsmedizin kann davon nur profitieren. 6. Bildung, um insbesondere den Studenten ein Vorbild zu sein. 7. hohe Kommunikationsfähigkeit und Bereitschaft dazu. 8. Zuneigung zu und Wohnsitz in Göttingen. 9. Führungskraft (manche meinen bis zur Herrschsucht, andere bevorzugen das ‚„in der Ruhe liegt die Kraft“). 10. Vorbild in vielerlei Hinsicht: sportlich, umweltfreundlich, kinderfreundlich, kulturfreundlich, ausdauernd, sparsam sein und großzügig, an den richtigen Stellen. 11. Humboldt- und Jaspers-Fan damit freiheitsliebend und der akademischen Welt ebenso. 12. Und sich den bei uns Heilung oder Linderung Suchenden verpflichtet fühlen.