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Göttingen Stabilität im Nahen Osten
Campus Göttingen Stabilität im Nahen Osten
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13:47 01.02.2017
Training in einem Jugendcamp der pälästinensischen Sicherheitsrkäfte in Jericho im Januar.
Training in einem Jugendcamp der pälästinensischen Sicherheitsrkäfte in Jericho im Januar. Quelle: DPA
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Göttingen

„Israel hat in den vergangenen Jahren seine zuvor angespannten Beziehungen zu Ägypten und der Türkei normalisiert“, führte der Professor in seinem Beitrag zur Vortragsreihe „Naher Osten, Ferner Friede?“ vor etwa 90 Zuhörern aus. Es gebe eine stille Annäherung an Saudi-Arabien, das wie Israel den Iran als Gefahr betrachte. Der Palästina-Konflikt sei weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Der Krieg in Syrien, der Islamische Staat und die Flüchtlingsfrage ziehen in Europa alle Aufmerksamkeit auf sich, stellte Steinbach fest.

Die politisch Verantwortlichen in Jerusalem, so Steinbach, hofften, nun mit Rückendeckung des neuen amerikanischen Präsidenten ihre „großzionistischen Pläne“ umsetzen zu können. Von einer Zwei-Staaten-Lösung wollten sie nichts wissen. Die israelische Stärke hält der Islamwissenschaftler aber nur für vorübergehend. Die arabische Welt befinde sich in einem „tiefgreifenden Umbruch“. Es herrsche eine „ungeheure Dynamik“. Die Menschen stellten die Grenzen, die nach dem ersten Weltkrieg von den europäischen Mächten gezogen worden seien, in Frage. Die Region ringe um das Verhältnis von Staat und Religion.

Steinbach verglich die Situation im Nahen Osten mit der in Europa zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. Der Professor zeigte sich überzeugt, dass auch in der arabischen Welt „aus dem Chaos“ eine „neue Ordnung“ entstehen werde. Schon heute seien die Menschen des Blutvergießens müde. Demokratische Kräfte erstarken, Menschenrechte und Minderheiten in Zukunft geschützt, ist sich Steinbach sicher. Das klinge wie eine „Vision“, räumte der Wissenschaftler ein.

Im neuen Nahen Osten, erwartet Steinbach, werde Israel als „Relikt der Kolonialzeit“ wahrgenommen. Der Grund: Die Briten förderten die Ansiedlung von Juden in Palästina nach dem ersten Weltkrieg, um den Suez-Kanal, ihren Seeweg nach Indien, zu schützen. Die heutigen Flüchtlingsströme machten den Europäern indes klar, dass die Konflikte im Nahen Osten unmittelbare Folgen für sie haben. Daraus folge die Abwendung von einem Israel, das seine Grenzen nicht festlegen wolle. Auch die USA, wo es einen „starken Antisemitismus“ gebe, stehen nach Ansicht von Steinbach nicht immer hinter Israel.

Der Vortrag bildete den Abschluss der Vortragsreihe "Naher Osten, ferner Friede?", die von den Professoren Irene Schneider und Kai Ambos organisiert worden war. Die als Begleitprogramm geplante  Wanderausstellung "Die Nakba - Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948" wurde aufgrund von heftiger Kritik und nach einer Entscheidung der Universitätspräsidentin nicht in den Räumen der Universität gezeigt, sondern in einer Göttinger Kunstgalerie.

Mehr Infos auf: gturl.de/nakba