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Göttingen DFG-Präsident spricht zum Thema Wissenschaftsfreiheit
Campus Göttingen DFG-Präsident spricht zum Thema Wissenschaftsfreiheit
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17:30 30.11.2019
Festredner DFG-Präsident Peter Strohschneider spricht auf Jahresfeier „Über Wissenschaftsfreiheit“. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen hat am Sonnabend, 30. November, ihre Jahresfeier 2019 ausgerichtet. Der Festakt ist in der Aula der Universität am Wilhelmsplatz veranstaltet worden. Zum Programm gehörte neben dem Bericht des Präsidenten Andreas Gardt und dem vom Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Peter Strohschneider, gehaltenen Festvortrag, die Auszeichnung von jungen Wissenschaftlern. Für die musikalische Umrahmung sorgte Florian Albrecht am Flügel.

Florian Albrecht verzaubert mit Sonate

Kein bisschen vom akademischen Viertel ist gewährt worden: pünktlich um 11 Uhr begann die Veranstaltung. Zuerst einmal musikalisch. Der bereits mehrfach ausgezeichnete, erst 16-jährige Florian Albrecht aus Buchholz (Nordheide) beeindruckte eingangs mit der Interpretation der Waldsteinsonate von Ludwig van Beethoven. Sein Können und Talent bildeten eine kongeniale Ergänzung zu den Ansprüchen, Leistungen und Erfolgen, auf die die Akademie der Wissenschaften verweisen kann und nicht minder zum Festvortrag, der sich des Themas „Wissenschaftsfreiheit“ annahm.

Die Akademie konnte dafür Peter Strohschneider gewinnen. Der gebürtige Stuttgarter ist Germanist und Geschichtswissenschaftler (Fachgebiet germanistische Mediävistik). Seinen ausgefeilten Vortrag begann er mit dem Hinweis auf die im Grundgesetz verankerte Zusicherung auf Freiheit von Forschung und Wissenschaft. Inzwischen seien aber auch hierzulande öffentliche Debatten von einer „Erregtheit“ geprägt, unter anderem in den sozialen Medien, die dieses Prinzip gefährden. Zudem wies er auf den offensichtlichen Vormarsch autoritärer Herrschaftsformen weltweit hin, verbunden mit einer Instrumentalisierung der Wissenschaften.

Jahresfeier der Akademie der Wissenschaften

Wenn Algorithmen Wissenschaft bestreiten

Strohschneider ging auf den Ethos und die Verantwortung ein, denen sich Wissenschaftler verpflichtet fühlen sollten, ebenso auf die Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Wenn Algorithmen und damit automatisiertes Denken an die Stelle von Theorien und selbstständigem Denken treten – ist das dann noch Forschung, fragte er. „Und wer verantwortet sie? Und wer setzt die Grenzen?“ Hier offenbare sich ein Glaubwürdigkeitsproblem. Zudem stehe eine rein marktorientierte und anwendungsbezogene Ausrichtung der Forschung der reinen Neugier entgegen. Forschung, wenn sie denn gelinge, sei Erwartungsdurchbrechung, Basis dafür sei Freiheit.

Pluralismus schafft neues Wissen

Strohschneider beobachtet und kritisiert weltweit „populistische Vereinfachungen“ und „unverantwortliche Simplifizierungen“. Wahrheit werde zu einer Funktion des Machtbesitzes, Autokraten würden Attacken reiten auf die Freiheit der Wissenschaften. Auch die Politik der EU sei diesbezüglich nicht freizusprechen. Kritik äußerte der 64-Jährige an der AfD, die dem Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung wissenschaftliche Objektivität abspreche. Nichtsdestotrotz sei alles Wissen mit einem Revisionsvorbehalt versehen. Neues Wissen entstehe am besten in pluralistischen Forschungssystemen, betonte der Referent.

Akademie-Präsident zitiert Steinmeier

Akademie-Präsident Gardt verwies in Sachen Freiheit und Meinungsfreiheit auf die Worte, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) vor wenigen Tagen bei der Jahreshauptversammlung der Hochschulrektorenkonferenz in Hamburg äußerte: Wer eine Universität betrete, so der Bundespräsident, betrete nicht „die stille, erdabgewandte Seite des Mondes. Sondern der betritt einen Raum der geistigen, auch politischen Auseinandersetzung“.

Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen zeichnete junge Wissenschaftler aus. Preisträger sind Oscar Randal-Williams aus Cambridge (Anerkennung seiner Arbeiten zur Strukturforschung), Katrin Arens aus Frankfurt/Main (Anerkennung ihrer Arbeit zur menschlichen Selbstwahrnehmung), Ferdinand Weber aus Göttingen (Anerkennung seiner Dissertation zum Thema Staatsangehörigkeit) und Tobias Beck aus Aachen (Anerkennung seiner Forschung über die Fähigkeit von Molekülen zur Selbstorganisation).

Die Anwesenden gedachten der in diesem Jahr verstorbenen Mitglieder und ließen sich über die neune Mitglieder informieren.

Zu Ehren von König Georg II.

Peter Strohschneider ist Professor für Germanistische Mediävistik an der Universität München und Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Die Jahresfeier der Göttinger Akademie, zu der auch Gäste aus dem Ausland anreisen, findet zu Ehren ihres Gründers König Georg II. von Großbritannien traditionell in dessen Geburtsmonat statt. Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen ist nach eigenem Bekunden eine traditionsreiche Gelehrtengesellschaft und eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung. Sie vereint rund 400 herausragende Wissenschaftler über Fach- und Ländergrenzen hinweg. Als Forschungseinrichtung betreut sie in einer schnellebigen Zeit wissenschaftliche Langzeitprojekte von internationaler Bedeutung. Auf dem Gebiet der geisteswissenschaftlichen Grundlagenforschung ist sie die größte außeruniversitäre Einrichtung Niedersachsens. Zugleich treibt sie die Digitalisierung in der Forschung voran und setzt sich für die freie Zugänglichkeit wissenschaftlicher Publikationen im Internet ein. In öffentlichen Veranstaltungen sucht sie den Dialog mit der Öffentlichkeit in gesellschaftsrelevanten Fragen oder bietet vertiefende Einblicke in spezielle Wissensgebiete. (Quelle: www.adw-goe.de)

Von Ulrich Meinhard

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