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Göttingen Je weniger Metall desto älter der Stern
Campus Göttingen Je weniger Metall desto älter der Stern
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20:22 22.08.2012
Von Angela Brünjes
Seit ihrer Jugend vom Sternenhimmel fasziniert: Astrophysikerin Prof. Anna Frebel. Quelle: Breitinger
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Göttingen

Die 1980 in Berlin geborene und in Göttingen aufgewachsene Astrophysikerin bevorzugt die „Diamanten des Himmels“: metallarme Sterne.

Die sind sehr selten zu finden und viele von ihnen zeichnen sich aus durch große Kohlenstoffmengen. Anna Frebel hat 2004 einen der ältesten Sterne des Universums gefunden: HE 1327-2326. Damals war sie Doktorandin am Observatorium der australischen National-Universität in Canberra und bearbeitete bei einer Himmelsdurchmusterung 1800 Sterne. Im Sternbild Wasserschlange entdeckte sie ihren Stern, den Kollegen bald „Frebel-Stern“ nannten.

Er ist der eisenärmste Stern und verfügt umso mehr über Wasserstoff, Helium, Kohlen- und Stickstoff in der Materie. Das ist das Kennzeichen für Sterne, die nahezu gleich nach dem Urknall entstanden und seit Milliarden von Jahren funkeln. Davon hat Anna Frebel 2007 noch einen weiteren gefunden.

Inzwischen ist die Astrophysikerin, die 1999 ihr Abitur in Göttingen ablegte und in Freiburg Physik studierte, Professorin am  Massachusetts Institute of Tecnology (MIT) in Cambridge (USA). „Ich arbeite  auf dem Gebiet der stellaren Archäologie und interessiere mich für den Ursprung der Elemente, die Elementnukleosynthese, die ersten Sterne und Supernovaexplosionen, die chemische Entwicklung der Milchstrasse und die diversen Zwerggalaxien, die die Milchstrasse umkreisen.

Alles in allem helfen diese vielen Puzzlestücke, die Entstehungsgeschichte der Milchstrasse zu verstehen“, erzählt Frebel.

„Auf der Suche nach den ältesten Sternen“

Das ist auch Thema ihres Buches „Auf der Suche nach den ältesten Sternen“. Damit will sie, neben Vorträgen, den Prozess wissenschaftlichen Arbeitens der Öffentlichkeit vermitteln. „Außerdem hoffe ich sehr, dass Jugendliche sich mehr für Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwissenschaften und Mathematik interessieren, vor allem Mädchen“, sagt die Sternen-Archäologin.

Beginnend beim Urknall und der Erklärung, warum jeder Mensch, aber auch jeder Apfel etwas Sternenstaub in sich tragen, erklärt Frebel die wichtigsten Entdeckungen der Astronomie, die Spektroskopie oder die größten Teleskope der Welt. Ihre Passion als Archäologin wird deutlich, wenn sie das frühe Universum beschreibt: Veränderungen von Sternengeneration zu Sternengeneration, ohne die die heute bekannten chemischen Elemente auf der Erde und im Weltall nicht hätten entstehen können.

Die stellare Archäologie steht im Mittelpunkt des Buches von Anna Frebel. Sie lässt darin auch sehr persönlich teilhaben an ihrem Werdegang als Naturwissenschaftlerin. Nach der Lektüre weiß man viel übers Weltall und auch, warum die Diamanten des Himmels Anna Frebel wichtiger sind als die geschliffenen von Juwelieren.   

Anna Frebel: „Auf der Suche nach den ältesten Sternen“. S. Fischer Verlag, 352 Seiten mit Abbildungen, 19,99 Euro.

Am Dienstag, 16. Oktober, eröffnet Frebel die Vortragsreihe „Faszinierendes Weltall“ um 20 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude, Platz der Göttinger Sieben, Raum 009.