Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Juristen und Ärzte diskutieren am Donnerstag über den assistierten Suizid
Campus Göttingen Juristen und Ärzte diskutieren am Donnerstag über den assistierten Suizid
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:00 17.07.2019
Hat zwei Ärzte, die an Sterbebegleitung mitwirkten, vom Vorwurf eines Tötungsdelikts freigesprochen: Bundesgerichtshof in Leipzig im Juli. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/
Anzeige
Göttingen

Wenn Menschen sich bewusst und freiwillig für ihren Tod entscheiden, sind Ärzte nicht zu lebensrettenden Maßnahmen verpflichtet. Dass ein Arzt mit der unterlassenen Hilfeleistung möglicherweise ärztliche Berufspflichten verletzt, ist dabei juristisch nicht von Bedeutung. So hat der Bundesgerichtshof in Leipzig am 3. Juli 2019 in einem lange erwarteten und stark beachteten Urteil entschieden. Der Ärzteverband „Marburger Bund“ widersprach umgehend. Ärztliche Aufgabe ist es demnach, Leben zu erhalten und Leiden zu lindern, nicht an einer Selbsttötung mitzuwirken, erklärte Rudolf Henke, der Vorsitzende des Bundes.

Unter dem Motto „Ist der Tod frei? – Wenn Gerichte über das Sterben bestimmen“ diskutiert am Donnerstag eine interdisziplinär besetzte Runde über das Thema. Die Beweggründe zum Suizid lassen sich schmerz- und psychotherapeutisch behandeln, meint Prof. Bernd Alt-Epping, Leitender Oberarzt der Klinik für Palliativmedizin an der Universitätsmedizin Göttingen. Mit einer guten Vorsorge für das Lebensende, insbesondere mit einer Vorsorgevollmacht und einer Patientenverfügung, kann dem Gefühl des Selbstbestimmungsverlustes entgegen gewirkt werden, ist er überzeugt. Das Mitglied des Klinischen Ethikkomitees: „Ein Sterben in Würde ist ohne Suizid möglich.“

Assistierte und einsame Suizide

Die freiverantwortliche Sterbebegleitung befürwortet dagegen Dr. Johann Friedrich Spittler, Facharzt für Neurologie und Psychologie. Er unterscheidet verschiedene Arten von Freitod. Seiner Einschätzung nach ist der assistierte Suizid, bei dem sich ein Mensch an eine Organisation wendet, um sich beim Freitod helfen zu lassen, eine deutlich andere Situation, als der einsame Suizid oder der nicht ernst gemeinte Suizidversuch. Bei letzterem will ein Mensch sein Umfeld auf seine hoffnungslose Situation aufmerksam machen.

Arzt unterließ Rettungsmaßnahmen

Spittler war Verfahrensbeteiligter bei dem Prozess in Leipzig. Zwei mehr als 80-jährige Frauen hatten sich an einen Sterbehilfeverein gewendet und Unterstützung gebeten. Der Verein zog Spittler als Gutachter hinzu. Dieser attestierte den beiden Seniorinnen volle Einsichts- und Urteilsfähigkeit. Auf Wunsch der Suizidwilligen wohnte er der Selbsttötung durch Medikamente bei und unterließ auf deren ausdrücklichen Wunsch Rettungsmaßnahmen. Deswegen musste er sich erst vor dem Landgericht Hamburg und dann vor dem Bundesgerichtshof verantworten. Beide Gerichte sprachen ihn frei.

Der freie Wille ist schwierig festzustellen

Prof. Dr. Gunnar Duttge, Inhaber des Lehrstuhls Strafrecht an der Universität Göttingen sowie Leiter der Abteilung für strafrechtliches Medizin- und Biorecht, lehnt den ärztlich assistierten Suizid tendenziell ab. Menschliches Leben ist besonders kostbar und einzigartig, da der Verlust nicht mehr rückgängig zu machen ist, argumentiert er. Aus seiner Sicht gestaltet es sich schwierig, den „freien Willen“ eines Suizidwilligen festzustellen.

Ärztekammer-Präsidentin moderiert

Moderiert wird die Veranstaltung von Dr. Martina Wenker, der Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen. Ausgerichtet wird sie von der Demokratischen Aktion Fachschaft, die rund 120 Mitglieder zählt und im Fachschaftsparlament der Juristen die absolute Mehrheit hat. Mitveranstalter ist die Abteilung für strafrechtliche Medizin- und Biorecht der Juristischen Fakultät. Beide haben bereits zusammen Podiumsdiskussionen zum Schwangerschaftsabbruch und zur die Impfpflicht organisiert.

Von Michael Caspar

Mit Ruhe und einer sicheren Geistes- und Körperhaltung trainiert die Göttinger Studentin Katharina Geisenhainer mit Pferden, die aus verschiedenen Gründen nicht an Menschen und Reiter gewöhnt sind.

16.07.2019
Göttingen Uni Göttingen testet Verfahren Evaluation digital statt auf Papier

Die Universität Göttingen testet mit dem „Online-In-Präsenz“-Verfahren derzeit eine digitale Alternative der Lehrveranstaltungsevaluation. Bei Erfolg könnte sie in den Regelbetrieb übernommen werden.

16.07.2019

Einen Preis der Göttinger Dr.-Walther-Liebehenz-Stiftung erhalten zwei Nachwuchs-Kulturwissenschaftlerinnen für ihre Forschung. Die eine hat Tischuhren untersucht – die andere Meissener Porzellan.

16.07.2019