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Göttingen Kinderstube von Rochen und Haien entdeckt
Campus Göttingen Kinderstube von Rochen und Haien entdeckt
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18:25 22.09.2011
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In der Umgebung von Methanquellen im Mittelmeer und im Ost-Pazifik entdeckten die Forscher tausende Eikapseln von Tiefseehaien und -rochen. Zudem fanden sie Versteinerungen solcher Eikapseln an einer 35 Millionen Jahre alten Methanquelle im Westen der USA. Die Forschungsergebnisse der Wissenschaftler der Universität Göttingen und des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften mit Kollegen aus Österreich und den USA veröffentlichte die Fachzeitschrift Marine Ecology Progress Series.

Röhrenwürmer, riesige Bakterienkolonien, große weiße Muscheln und skurrile Karbonatlandschaften – die Lebensgemeinschaften an natürlichen Methanquellen in der Tiefsee sind einzigartig. Die Erklärung der Wissenschaftler für ihre Funde: Hai- und Rochenarten, die Eier legen, befestigen ihre Eikapseln gerne an festen Strukturen, an denen sauerstoffreiches Wasser entlang strömt, wie zum Beispiel an Korallen oder an senkrechten Felshängen. Der Tiefseeboden besteht aber größtenteils aus feinem Schlamm, feste Strukturen sind hier selten. „Daher ist es nicht überraschend, dass die Tiere auch Röhrenwurm-Dickichte und Kalksteinauswüchse an Methanquellen als Schutz für den Nachwuchs nutzen“, so die Forscher. Untersuchungen mit einem Videoschlitten auf dem Meeresboden vor Chile zeigten in 700 Metern Tiefe mehrere Generationen riesiger Eikapseln von Tiefseerochen, die zwischen Röhrenwürmern und Kalksteinblöcken abgelegt waren.

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Die Wissenschaftler filmten sogar ein trächtiges Rochenweibchen. Im Mittelmeer stießen die Forscher auf Eikapseln, die sie eindeutig Katzenhaien zuordnen konnten.

Von Katzenhaien stammen auch Eikapseln, die Untersuchungen unter der Leitung des Paläontologen Dr. Steffen Kiel von der Universität Göttingen im US-Bundesstaat Washington zutage brachten. In diesem Fall waren die Kapseln aber 35 Millionen Jahre alt und versteinert. Sie befanden sich zwischen ebenfalls versteinerten Röhrenwürmern an einer fossilen Methanquelle, die durch geologische Prozesse aus dem Meer gehoben wurde und an den südlichen Ausläufern der Olympic Mountains zugänglich ist. „Damit lässt sich das Brutverhalten dieser Tiere weit in die Erdgeschichte zurückverfolgen“, erläutert Kiel, der seit vielen Jahren die Evolutionsgeschichte von Tiefsee-Ökosystemen erforscht.

Die Entdeckung der Wissenschaftler ist auch mit Blick auf die Zukunft mariner Ökosysteme wichtig. Raubtiere sind für die Artenvielfalt von großer Bedeutung, weil sie in der Regel häufige Arten fressen und so Raum für seltenere Spezies schaffen. Haie und Rochen gehören zu den wichtigsten Raubtieren in der Tiefsee.

„Die große geografische Distanz zwischen unseren Funden und ihre lange Fossilgeschichte lassen vermuten, dass Tiefseehaie und andere Raubfische auch Methanquellen in anderen Teilen der Ozeane als Kinderstube nutzen“, sagt Prof. Tina Treude vom Kieler Meereswissenschaften-Institut. Durch Schleppnetzfischerei, bei der riesige Netze mit hoher Geschwindigkeit über den Meeresgrund gezogen werden, werden diese Ökosysteme beschädigt und in ihrer Funktion als mögliche Kinderstube für Raubfische gestört. Treude: „Mit unserer Arbeit unterstützen wir Bestrebungen, solche Methanquellen als internationale Reservate auszuweisen und unter Schutz zu stellen“.

pug