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Göttingen Kleiner Clip stärkt schwaches Herz
Campus Göttingen Kleiner Clip stärkt schwaches Herz
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18:33 05.10.2009
Die beiden Segel der Mitralklappe legen sich in den geöffneten Clip: wird er hier geschlossen, sind die Mitralsegel an dieser Stelle fixiert.
Die beiden Segel der Mitralklappe legen sich in den geöffneten Clip: wird er hier geschlossen, sind die Mitralsegel an dieser Stelle fixiert. Quelle: Evalve,Inc
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Bei diesem Verfahren wird die mangelnde Schlussfähigkeit der Klappe behoben, indem die beiden Segel der Mitralklappe durch einen neuartigen Clip zusammengehalten werden. Dieser Clip wird über einen Herzkatheter als minimal-invasiver Eingriff bis an die entsprechende Stelle des Herzens vorgebracht und dort kontrolliert platziert. Bei diesem Verfahren sind die Eröffnung des Brustkorbes und der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine nicht erforderlich.

Bisher wird die Methode an sechs Zentren in Deutschland angewendet. Am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen wurden bereits 15 Patienten erfolgreich behandelt.

Die Mitralklappe im Herzen sieht aus wie eine Mitra (Bischofsmütze) und bildet ein Ventil, das den Rückfluss des Blutes bei der Kontraktion aus der linken Herzkammer in den linken Vorhof und in die Lunge verhindert. Schließt die Klappe nicht mehr richtig, ist die Blutzirkulation gestört. Dies kann zu Sauerstoffmangel und Lungenblutstau führen. Die dadurch auftretende Atemnot ist ein erstes Anzeichen für eine Herzschwäche.

Dreidimensional gesteuert

Bei dem neuen Verfahren stellen die Kardiologen die Ventilfunktion der Mitralklappe mit Hilfe einer speziellen Klammer wieder her. Der Clip ist in einem Katheter vormontiert. Er wird über die Leistenvene eingeführt und zum linken Vorhof des Herzens vorgebracht. Durch eine dreidimensionale Steuervorrichtung an den Kathetern wird der Clip dann in die richtige Position gebracht und an die undichten Anteile der Mitralklappe angepasst. „Bei diesem Verfahren können wir die Position vor der endgültigen Freisetzung mehrfach korrigieren, bis ein optimales Ergebnis vorliegt“, sagt Dr. Wolfgang Schillinger, Leitender Oberarzt der Abteilung Kardiologie und Pneumologie und Leiter des Herzkatheterlabors am Herzzentrum.

Der Eingriff bei Patienten mit schwerer Mitralinsuffizienz wird im Herzkatheterlabor unter Vollnarkose und Ultraschall- und Röntgenkontrolle durchgeführt. „Nicht für jeden Patienten ist der Clip die ideale Behandlung“, so Dr. Schillinger. „Die Ergebnisse der konventionellen Mitralklappenchirurgie sind gut. Manche Patienten haben aber aufgrund ihres hohen Alters oder, weil früher bereits Herzoperationen durchgeführt worden sind, ein zu hohes Operationsrisiko.“ Deshalb klären die Kardiologen in Voruntersuchungen, welches Therapieverfahren für den einzelnen Patienten am besten geeignet ist.

Prof. Gerd Hasenfuß, Direktor der Abteilung Kardiologie und Pneumologie und Leiter des Herzzentrums, sagt: „Wir betrachten den Clip als wertvolle Ergänzung in unserem Spektrum an Methoden und in unserem Bestreben, die Patienten des Herzzentrums Göttingen immer individueller zu behandeln.“

Von chb/umg

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