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Göttingen Klinik der Universitätsmedizin Göttingen zertifiziert
Campus Göttingen Klinik der Universitätsmedizin Göttingen zertifiziert
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14:00 04.01.2019
Die Seniorhauptoperateure des neuen Zentrums: Dr. Thelonius Hawellek, Prof. Dr. Frank Timo Beil, Dr. Jan Hubert (v. l.).
Die Seniorhauptoperateure des neuen Zentrums: Dr. Thelonius Hawellek, Prof. Dr. Frank Timo Beil, Dr. Jan Hubert (v. l.). Quelle: UMG
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Göttingen

Die Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie der Universitätsmedizin Göttingen ist als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung (EPZmax) anerkannt worden.

Zwei Jahre lang, so Klinikdirektor Prof. Wolfgang Lehmann, hätten sie sich auf diese Anerkennung durch die Fachgesellschaften für Orthopädie, Unfallchirurgie und Endoprothetik vorbereitet. Als erste und einzige Klinik in Südniedersachsen, die Patienten mit künstlichen Hüft- und Kniegelenken versorge, hätten sie das Zertifikat erworben. Bereits seit 2016 sei das Göttinger Krankenhaus Neu-Mariahilf als EPZ zertifiziert.

Zertifizierungsstelle ClarCert

Die Prozesse und Strukturen seiner Klinik, führt Lehmann aus, erfülle nachweislich die genau festgelegten Merkmale – unter anderem etwa hinsichtlich der mediznischen Geräte für Diagnostik und Therapie. Die Operateure und die Versorgung genügten den vorgeschriebenen Qualitätsansprüchen. Davon hätten sich drei Experten der Zertifizierungsstelle ClarCert GmbH an zwei aufeinanderfolgenden Tagen vor Ort überzeugt. Die Experten seien dazu ihrerseits von der Deutschen Akkreditierungsstelle GmbH autorisiert gewesen.

Senior-Hauptoperateur

Bei jeder Gelenkersatzoperation sei ein erfahrener Operateur, ein so genannter Senior-Hauptoperateur, beteiligt, erläutert der EPZmax-Leiter, Prof. Dr. Frank Timo Beil. Mitarbeiten dürften nur Operateure, die eine Mindestanzahl entsprechender Operationen pro Jahr vorweisen könnten. Die hohen Fallzahlen sorgten für die nötige Routine. Um die tägliche Behandlung der Patienten kümmere sich ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Pflege, Sozialdienstmitarbeitern und Physiotherapeuten.

Bei absehbaren Risiken für eine Operation, etwa wenn ein Patient andere Erkrankungen habe, könne das EPZmax schnell und kompetent reagieren, betont Beil. Die Universitätsmedizin Göttingen vereine unter ihrem Dach die notwendigen Fachdisziplinen: Intensivmedizin, Rheumatologie, Kardiologie (mit Herzkatheterlabor), Nephrologie (mit Dialyse), Pulmologie, Hämatologie und Onkologie, Urologie, Allgemein- und Gefäßchirurgie. Die Ärzte ständen Patienten jeden Tag rund um die Uhr zur Verfügung.

Wechseloperationen und Wiederholungseingriffe bei Komplikationen

„Wir haben den Auftrag und die Kompetenz, auch bei besonders komplexen Fällen Patienten mit künstlichen Hüft- oder Kniegelenken zu versorgen“, führt Zentrumsleiter Beil aus. Sie führten schwerwiegende Wechseloperationen und Wiederholungseingriffe bei Komplikationen durch, kümmerten sich um Patienten, die unter komplexen internistischen Erkrankungen oder Krebs litten.

Mitarbeit am Endoprothesenregister Deutschland

„Als EPZmax gehört es auch zu unseren Aufgaben, die regionalen Endoprothetikzentren zu unterstützen“, sagt Klinikdirektor Lehmann. Gebe es dort Versorgungsprobleme oder Unsicherheiten, berieten sie oder übernähmen die Patienten. Das EPZmax arbeite zudem am Endoprothesenregister Deutschland mit. Das Register helfe, die Gründe für vorzeitig erforderlich gewordener Wechseloperationen herauszufinden. Das sichere die Qualität verwendeter Prothesen.

In Deutschland gibt es jährlich 450 000 endoprothetische Eingriffe

In Deutschland würden jährlich rund 450 000 endoprothetische Eingriffe an Knie und Hüfte durchgeführt, weiß Klinikdirektor Lehmann. In den meisten Fällen werde das geschädigte Hüft- oder Kniegelenk durch eine Endoprothese ersetzt. So werde größtmögliche Schmerzfreiheit erreicht und die Mobilität der Betroffenen verbessert. Gerade bei Knochenbrüchen im Hüftgelenkbereich könne eine Endoprothese die Gehfähigkeit rasch wieder herstellen. Um die Behandlungsqualität zu sichern und kontinuierlich zu verbessern, sei im Jahr 2012 das Verfahren zur Zertifizierung von Endoprothetikzentren eingeführt worden.

Von Michael Caspar