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Göttingen Verkommt die Georg-August-Universität Göttingen zur akademischen Pommesbude?
Campus Göttingen Verkommt die Georg-August-Universität Göttingen zur akademischen Pommesbude?
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19:52 21.08.2019
Sascha Spoun tritt das Amt als Unipräsident in Göttingen nicht an. Quelle: Philipp Schulze/dpa
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Göttingen

Die Universität Göttingen hat den Exzellenz-Status verloren und im Nachgang zur Initiative auch die Präsidentin. Nun winkt auch ihr Nachfolger ab – und will lieber in Lüneburg bleiben. Was für eine erbärmliche Vorstellung. Welch jämmerliches Bild. Mit Sascha Spouns Amtsverzicht scheint das Desaster perfekt. In bemerkenswert kurzer Zeit hat sich das Bild der Georg-August-Universität von der Exzellenz-Uni zur Chaos-Hochschule gewandelt.

Dafür gibt es einige Gründe und mehrere Verantwortliche. Drei verdienen dabei besondere Beachtung:

Eindeutige Schlappe

Ulrike Beisiegel hat als Präsidentin die Exzellenz-Initiative zu verantworten und nach deren Scheitern auch den einzig gangbaren Weg gewählt – den Abschied. Zu eng war die Unternehmung mit ihrem Namen verknüpft, zu eindeutig die Schlappe. Göttingen war nicht einmal in der Nähe des Exzellenz-Siegels.

Christoph Oppermann Quelle: Christina Hinzmann

Angreifbares Verfahren

Sascha Spoun hat sich im Zuge der Beisiegel-Nachfolge zum Teil eines angreifbaren Verfahrens gemacht oder machen lassen. Auch wenn er bislang keine Hochschule von der Größe der Uni Göttingen geleitet hat, muss er die Regeln beherrschen, nach denen das neue Amt besetzt wird und die Amtsführung zu geschehen hat.

Teil der Lösung oder des Problems?

Wilhelm Krull ist Vorsitzender des Stiftungsrates der Universität und war Teil der Findungskommission. Er hat die meisten Fragen zu beantworten – zum Beispiel:

Hat er nach dem Exzellenz-Desaster auf einen früheren Wechsel im Präsidentenamt gedrängt? Falls nein – warum nicht?

Wie kann es bei Auswahl, Wahl und Bestellung eines neuen Unipräsidenten zu Fehlern in der Dokumentation kommen? Wenn wissenschaftlich sauberes Arbeiten bereits in derlei Zirkeln zum Fallstrick wird, dürfte der Verlust des Exzellenz-Status‘ eigentlich noch das kleinste Problem an der Uni Göttingen sein.

Wie sind die unterschiedlichen Deutungen der Anforderungen an den akademischen Hintergrund für das Präsidentenamt zu erklären? Muss dieser Posten mit einem Spitzenwissenschaftler besetzt sein oder nicht?

Warum formuliert Krull, „dass es wohl ein profiliertes Mitglied der Göttinger Universität übernehmen muss“ – wenn vorher doch mit Spoun ausdrücklich ein externer Bewerber für das Präsidentenamt ausgewählt wurde? Ist Spouns Wechsel an Formalien gescheitert oder daran, dass er nicht aus Göttingen kommt?

Welche Rolle genau hat Krull selbst bei Exzellenz-Initiative und Regelung der Beisiegel-Nachfolge gespielt?

Welche Konsequenzen zieht er selbst aus der aktuellen Lage?

Manager oder Spitzenforscher?

Die derzeitige Situation der Universität Göttingen mit „misslich“ zu beschreiben, würde auf ein allenfalls oberflächliches Verhältnis zur Realität deuten. Wer sich jetzt um das Präsidentenamt bewirbt, muss ein bedeutendes Maß an Leidenschaft und Leidensfähigkeit mitbringen. Besonders bedauerlich an dem handwerklich so schlecht inszenierten Wahlverfahren ist der Umstand, dass damit die Chance vertan ist, herauszufinden, ob nicht doch einem Wissenschaftsmanager im Moment der Vorzug vor einem Spitzenforscher an der Spitze der Uni zu geben wäre. Vieles spricht dafür, dass Sascha Spoun alle nötigen Voraussetzungen dazu mitgebracht hätte.

Kluger Mensch statt starker Mann

Das ist Konjunktiv. Die Messe ist gesungen. Schnell könnte der Gedanke entstehen, dass das Präsidentenamt nun einen starken Mann braucht. Irrtum. Dort ist kein „starker Mann“ vonnöten, sondern ein kluger Mensch, der im Idealfall von zahlreichen klugen Menschen umgeben ist, die auf Eitelkeiten verzichten können. Die Uni Göttingen hat nur noch einen Versuch, die Beisiegel-Nachfolge ordentlich und zukunftsweisend zu regeln. Der Schuss muss sitzen. Ansonsten verkommt die Georgia Augusta tatsächlich zur akademischen Pommesbude.

Sie erreichen den Autor unter

E-Mail: c.oppermann@goettinger-tageblatt.de

Twitter: https://twitter.com/tooppermann

Facebook: https://www.facebook.com/christoph.oppermann

Von Christoph Oppermann

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