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Göttingen Konjunkturpaket macht Neubau möglich
Campus Göttingen Konjunkturpaket macht Neubau möglich
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13:55 02.03.2010
Grundstein für Niedersachsens größtes Konjunkturpaket-Bauvorhaben auf dem Nordcampus gelegt: Figura, Stratmann, Meyer, Bolli, Stadtbaurat Dienberg und Dekanin Gatz (von links). Quelle: Heller
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Seit dem Jahr 2006 habe die Universität die Pläne für das Zentrum parat, aber keine Finanzierung in Aussicht gehabt, sagte Universitätspräsident Prof. Kurt von Figura bei der Grundsteinlegung am Montag. Dass sich das Blatt wendete, lag an der Finanzkrise und dem Gegensteuern von Bund und Ländern mit den Konjunkturprogrammen. Fertige Pläne fürs Schwann-Schleiden-Forschungszentrum für zelluläre Biologie (SSF) sorgten dafür, dass in Hannover schnell zugunsten von Göttingen entschieden werden konnte: 23,5 Millionen Euro wurden für das neue Zentrum der Biologischen Fakultät bewilligt – 75 Prozent vom Bund, 25 Prozent vom Land – und damit für das größte Bauvorhaben des Konjunkturpakets in Niedersachsen.

Die Universität Göttingen habe „außerordentlich schnell reagiert“ als es um die Beantragung der Finanzmittel ging, sagte Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU). Das Geld sei hier hervorragend investiert und werde dazu führen, „den Leuchtturm Neurowissenschaften in Göttingen noch stärker zum Erstrahlen zu bringen“ und damit den Standort zu stärken.

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Im Rahmen der „Initiative Niedersachsen“ stehen dem Wissenschaftsministerium für die Umsetzung des Konjunkturpakets II rund 192 Millionen Euro für Bau- und Investitionsmaßnahmen zur Verfügung. Rund 152 Millionen Euro davon fließen allein in die staatlichen und Stiftungshochschulen.

Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) lobte Konzept und Planung für das Projekt als überzeugend. Das neue Forschungszentrum „sorgt dafür, dass Göttingen seine Attraktivität als Studentenstadt erhält“.

Davon geht auch die Dekanin der Biologischen Fakultät, Prof. Christiane Gatz, aus. Sie wies darauf hin, dass für Lehre und Forschung dringend Laborflächen sowie moderne Arbeitsbedingungen benötigt werden. Im Schwann-Schleiden-Forschungszentrum seien für Bachelor- und Master-Studierende forschungsorientierte Projekte vorgesehen und damit ein hervorragender Start in wissenschaftliche Berufsleben möglich. „Wir fühlen uns in der Pflicht, dieses Geschenk profitabel zu nutzen“, sagte Gatz im Namen der Fakultät. Mit Universitätspräsident Figura und Minister Stratmann füllte Gatz dann den Grundstein mit Dokumentenrolle, mit der Tageblatt-Montagausgabe und Bauplänen, Mörtel und Mauersteinen. Anfang nächsten Jahres soll der Neubau am Justus von Liebig-Weg eröffnet werden.
Dann werden Neuro- und Pflanzenbiologen unter verbesserten Bedingungen arbeiten können. Die molekularen Prozesse beim Weiterleiten von Signalen in einer Zelle sind ein Forschungsgebiet, das in den vergangenen Jahrzehnten immer größere Bedeutung erlangt hat. An diesen Fragestellungen arbeiten sowohl Neuro- als auch Pflanzenbiologen. Deren Unterbringung unter einem Dach ermöglicht nach Ansicht von Universitätspräsident und Dekanin in Zukunft einen deutlich besseren wissenschaftlichen Austausch zwischen den Disziplinen: Die Forscher nutzen dieselbe Infrastruktur und können so zelluläre Prozesse der Informationsverarbeitung in Tieren und Pflanzen aus unterschiedlichen Perspektiven vergleichend betrachten.

Im künftigen Schwann-Schleiden-Forschungszentrum entfallen von den 3      200 Quadratmetern Gesamtfläche rund 2      200 Quadratmeter auf Labore. Den Wissenschaftlern stehen außerdem insgesamt 20 Klimakammern zur Anzucht von Pflanzen und Fliegen zur Verfügung.

Schwann-Scheiden

Matthias Schleiden kam 1832 nach Göttingen, um hier Medizin zu studieren und entdeckte dabei sein Interesse für Botanik. Er formulierte im Jahr 1838 in Berlin die Zelltheorie für die Pflanzen. Wenig später erweiterte Theodor Schwann an der Universität Löwen diese Aussage auf tierische Organismen. Der Name des neuen Zentrums soll an die Synergien erinnern, die durch das Überprüfen von Konzeptionen in verschiedenen Systemen entstehen.

Von Angela Brünjes

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