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Göttingen Kostenfalle Cyberangriff – Wissenschaftler prüfen Kosten und Nutzen von Schutzmaßnahmen gegen Angriffe aus dem Netz
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Kostenfalle Cyberangriff – Wissenschaftler prüfen IT-Schutzmaßnahmen

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14:30 27.05.2021
Symbolbild: Auf dem Bildschirm eines Laptops ist der Binärcode zu sehen. Experten beschäftigen sich mit dem Thema Cyber-Angriffe.
Symbolbild: Auf dem Bildschirm eines Laptops ist der Binärcode zu sehen. Experten beschäftigen sich mit dem Thema Cyber-Angriffe. Quelle: Oliver Berg
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Göttingen

Viele Unternehmen setzen zum Schutz vor Cyberkriminellen auf Experten und Sicherheit. Ein Forscherteam der Universität Göttingen hat sich nun der Frage angenommen, welche Kosten für derlei Maßnahmen im Geschäftsalltag anfallen.

Der Forschungsfrage „Wie können Unternehmen bewerten, ob spezielle Maßnahmen ihre IT-Sicherheit erhöhen und welche Kosten auf sie zukommen?“ widmen sich Forscherinnen und Forscher im Verbundprojekt „Prozessorientierte wirtschaftliche Bewertung und Auswahl von IT-Sicherheitsmaßnahmen“ (ProBITS) unter Leitung der Universität Göttingen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), so teilt es die Universität mit, fördere das Projekt drei Jahre lang mit insgesamt rund 1,4 Millionen Euro.

Längere Prozesse und hohe Kosten

Aufgrund der sich ständig wandelnden Bedrohungslage, etwa durch Cyberangriffe oder gesetzliche Anforderungen, seien Unternehmen zunehmend gefordert, Bündel aus IT-Sicherheitsmaßnahmen (ITS-Maßnahmen) umzusetzen. „In der Praxis sehen wir, dass es nicht nur kostspielig ist, solche Maßnahmen umzusetzen. Vielmehr ist zu beobachten, dass ITS-Maßnahmen maßgeblich den Geschäftsalltag beeinflussen. Sie können dazu führen, dass Geschäftsprozesse länger dauern und höhere Kosten verursachen. Zudem können sie Geschäftsprozesse komplexer und somit unflexibler machen, wenn sie angepasst werden müssen“, erklärt Prof. Simon Trang, Juniorprofessor für Informationssicherheit und Compliance an der Universität Göttingen.

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Klassische Bewertungsmodelle der Investitionskostenrechnung griffen zu kurz, wenn es darum ginge, auch die nicht-monetären Auswirkungen von ITS-Maßnahmen zu bewerten. Zudem verfügten Unternehmen oft nicht über Daten, wie häufig sie Cyberangriffen ausgesetzt sind und wie hoch die durchschnittliche Schadenshöhe bei einem Angriff ist. „In kleinen und mittleren Unternehmen gibt es meist keinen eigenen ITS-Beschäftigten, häufig mangelt es an Anwendungswissen bezüglich der IT-Sicherheit“, so Trang.

Projektsteuerung aus Göttingen

Das Team von ProBITS wolle eine skalierbare Methode entwickeln, mit der Unternehmen die ITS-Maßnahmen wirtschaftlich bewerten und auswählen könnten. Dabei soll der Geschäftsprozess im Fokus stehen: „Unternehmen sollen die Auswirkungen auf den Prozess, die bislang kaum kalkulierbar sind, in ihre Bewertung miteinbeziehen können“, sagt Trang. „Wir wollen die Barrieren bei der Einführung und Nutzung von ITS-Maßnahmen aufspüren und mögliche Hemmnisse abbauen. Das Projekt leistet somit einen wesentlichen Beitrag, um die IT-Sicherheit zu erhöhen und gleichzeitig ökonomische Kriterien nicht außer Acht zu lassen.“

Professor Simon Trang von der Universität Göttingen Quelle: Frank Lemburg/Fotostudio Wilder

Partner im Projekt ProBITS sind die Universität Halle-Wittenberg, die msu solutions GmbH und die Rezeptprüfstelle Duderstadt GmbH. Im Rahmen des Teilprojektes „ProBITS einfach gemacht“ übernimmt die Universität Göttingen die Gesamtsteuerung für die Entwicklung der ProBITS-Methode. Der inhaltliche Fokus, so die Verantwortlichen, liege darauf, Hürden bei der Einführung von ITS-Maßnahmen aufzuspüren und Unternehmen dabei zu unterstützen, die ProBITS-Methode bei sich einzuführen. Das BMBF fördert das Teilprojekt mit rund 486.000 Euro.

Von Claudia Bartels