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Göttingen Kritik an der Athener Sklavenhalter-Demokratie
Campus Göttingen Kritik an der Athener Sklavenhalter-Demokratie
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18:12 20.11.2011
Ausgezeichnet : Ministerin Wanka (2. v. l.) mit Preisträgern Eva Maria Weig, Svenja Goltermann, Yukiyo Kasai und Jörg Hartig (v. l.). Quelle: PH
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Göttingen

Zu Recht wird nach Meinung des Professors der Ausschluss der Frauen aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben Athens kritisiert. Athen sei eine maritime Großmacht gewesen, deren politisches System sich wahrscheinlich aus den archaischen Kriegergenossenschaften entwickelt habe. Das sei eine Erklärung für den Ausschluss der Frauen, „aber kein menschlicher Trost“. Immerhin hätten Aristophanes und Euripides in ihren Theaterstücken der Unzufriedenheit der Frauen Ausdruck gegeben. Kritiker der Athener erinnert Lehmann daran, dass das Frauenwahlrecht erstmals 1893 in Neuseeland verwirklich worden sei.Als erstes Land in Europa habe Finnland 1906 nachgezogen. Die Gleichberechtigung der Frauen sei bis heute ein Thema. Einen „menschlichen Skandal“ stelle die private und öffentliche Sklavenhaltung Athens dar, sagt der Professor. In den attischen Silberbergwerken hätte „Massenelend“ geherrscht. Lehmann verweist aber darauf, dass andere griechische Stadtstaaten ebenfalls Sklaverei kannten. Im übrigen sei die Sklaverei erst im 19. Jahrhundert nach vielen Kämpfen geächtet worden. In einigen Regionen der Welt bestehe sie bis heute fort. Außerdem sei den Athenern zugute zu halten, dass sie sich um eine Humanisierung bemüht hätten. So sei das öffentliche Schlagen eines Sklaven verboten gewesen. Niemand habe Mitbürger versklaven dürfen. Auch hätten sich Sklaven freikaufen können.

Kritik gibt es laut Lehmann auch am Staatsbürgerrecht der Athener. Nur Menschen, deren Vater und Mutter attischer Abstammung gewesen seien, hätten Staatsbürger werden können. So habe das Gemeinwesen wahrscheinlich das attische Sozialsystem mit seinen Leistungen für Hinterbliebene von Gefallenen sowie für Kranke schützen wollen. Die hohen Hürden bei Einbürgerungen seien aber in Zeiten starker Bevölkerungsverluste gesenkt worden. Verbündete, die sich im Kampf bewährt hatten, seien in die Bürgerschaft aufgenommen worden. Im übrigen sei Athens Aufenthaltsrecht für Ausländer, die ihren Lebensunterhalt selbst verdienen konnten, liberal gewesen. Akademiepräsident Prof. Christian Starck geht während der Jahresfeier in seinem Rechenschaftsbericht auf den neuen Kooperationsvertag der Akademie mit der Göttinger Universitätsbibliothek ein. Die Bibliothek kümmere sich künftig um die Digitalisierung und Langzeitarchivierung von wissenschaftlichen Beiträgen der Akademie. Es gebe einen neuen Internetauftritt. Ein Akademie-Repositorium „res doctae“ sei eingerichtet worden. Mit Verlagen sei vereinbart worden, Werke erst zwei bis drei Jahre nach der Print-Veröffentlichung online zu stellen.

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Die Niedersächsische Ministerin für Bildung und Kultur, Prof. Johanna Wanka, lobt in ihrem Grußwort den freien Zugang im Internet. Wenn mit öffentlichen Geldern geforscht werde, sollten auch die Ergebnisse offen zugänglich sein, sagt sie. Wanka ermuntert die Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler der Akademie zur Politik- und Gesellschaftsberatung. Wanka betonte zudem, dass das Land die Grundlagenforschung auch in Zeiten knapper Kassen fördere.

Von Michael Caspar

Akademie vergibt vier Preise

Akademie-Präsident Prof. Christian Starck hat während der Jahresfeier der Akademie der Wissenschaften vier Nachwuchswissenschaftler für hervorragende Leistungen ausgezeichnet. Den Wedekind-Preis erhielt Privatdozentin Svenja Goltermann für ihre Monographie „Die Gesellschaft der Überlebenden. Deutsche Kriegsheimkehrer und ihre Gewalterfahrung im Zweiten Weltkrieg“. Den Preis für Geisteswissenschaften verlieh die Akademie der Japanerin Yukiyo Kasai für ihre Arbeit „Die uigurischen buddhistischen Kolophone.“
Mit dem Physikpreis wurde Dr. Eva Maria Weig ausgezeichnet. Sie hat eine Arbeit zur Mechanik von Nanosystemen an der Grenze von der Quantenmechanik zur klassischen Mechanik verfasst.
Den Chemiepreis bekam Prof. Jörg S. Hartig für seine Arbeiten auf dem Gebiet der chemischen Biologie von Nukleinsäuren, insbesondere der RNA. Sie seien nach Einschätzung der Jury „bahnbrechend und richtungsweisend“, sagte Starck. mic