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Göttingen Kunstvolle Zeichnungen für die Wissenschaft
Campus Göttingen Kunstvolle Zeichnungen für die Wissenschaft
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17:44 23.11.2010
Eisvogel mit Krabben: Aquarell von Georg Forster während der Weltumsegelung mit James Cook im Jahr 1772 entstanden.
Eisvogel mit Krabben: Aquarell von Georg Forster während der Weltumsegelung mit James Cook im Jahr 1772 entstanden. Quelle: SUB
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Willmann machte deutlich, dass Kunst und Wissenschaft sich bezüglich der Darstellung dieser Bilderwelten gegenseitig beeinflusst und befruchtet hätten. Es gebe Gemälde aus Zeiten weit vor dem 18. Jahrhundert mit sehr detaillierten Darstellungen von Objekten wie Muscheln oder Schmetterlingen. Letzterer sei schon seit der Antike immer wieder als Symbol für die Seele aufgenommen worden, so Willmann. Als Beispiel zeigte er das Gemälde „Bildnis eines Mädchens aus dem Hause Este“ von Pisanello aus dem Jahre 1433.

Ein Vorreiter für die realistische Darstellung von Tieren sei natürlich Albrecht Dürer (1471-1528) gewesen. Willmann, Leiter der Abteilung Morphologie, Systematik, Evolutionsbiologie der Biologischen Fakultät der Universität Göttingen, erläutert: Aber „die Wissenschaft war noch nicht so weit wie die Kunst, denn die Wissenschaft war auf die Vervielfältigung angewiesen“. Und Handzeichnungen habe man damals nicht drucken können.

Besonders würdigte Willmann den Verdienst von Maria Sibylla Merian (1647-1717), Künstlerin und Naturforscherin. Merian ermöglichte als erste Forscherin der breiten Bevölkerung durch ihre qualitativ hochwertigen Kupferstiche Einblicke in die Entwicklung der Schmetterlinge. Nicht zuletzt, weil ihr Buch „Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung“ auf Deutsch und nicht wie damals in Wissenschaftskreisen üblich auf Latein erschienen sei. Durch ihre genaue Darstellung der Metamorphose dieser gilt sie als Wegbereiterin der modernen Insektenkunde (Entomologie).

„Nach ihr beschäftigten sich zahlreiche Naturkundler weltweit mit Insekten“, untermauert Willmann die Bedeutung Merians für die Wissenschaft. Immer wieder seien aber auch aus Unwissen Kuriositäten wie Meerjungfrauen in die wissenschaftliche Literatur eingegangen. „Bis Ende des 18 Jahrhunderts bemühte man sich auch redlich um den Beweis zur Existenz dieser Arten“, so Willmann augenzwinkernd.

Fortschritte in der Erforschung von fremder Fauna und Flora hätten im 18. Jahrhundert die Expeditionen des berühmten Entdeckers und Seefahrers James Cook gebracht, bei denen Cook von Wissenschaftlern und Zeichnern wie Georg Forster begleitet wurde, die seine Entdeckungen dokumentieren sollten. Nach und nach entstand so im 18. Jahrhundert nicht nur eine Vorstellung von der Fülle der Arten, sondern auch der Evolutionsgedanke.

Das Umwelthistorische Kolloquium wird am Mittwoch, 24. November, fortgesetzt von Prof. Bruce Campbell, Belfast (Irland). Sein Vortrag „The crisis of the 14th century: the collapse of a complex system?“ beginnt um 18.15 Uhr im Institut für Zoologie und Anthropologie, Bürgerstraße 50, Hörsaal.

Von Marie Varela