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Göttingen Landwirtschaft setzt auf neue Systeme
Campus Göttingen Landwirtschaft setzt auf neue Systeme
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18:14 21.03.2012
Von Angela Brünjes
Moderne Landwirtschaft: Per Satellitenbildauswertung werden die Standortfaktoren analysiert.
Moderne Landwirtschaft: Per Satellitenbildauswertung werden die Standortfaktoren analysiert. Quelle: dpa
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Göttingen

„Es ist oft hilfreich einen Blick über den Tellerrand des eigenen Fachgebietes zu wagen. So kann man sehen, ob nicht vielleicht schon jemand anderes eine Lösungen für ganz ähnliche Probleme gefunden hat“, erklärt Breitenbuch. Der Geschäftsführer der Agrar-Betriebsgemeinschaft Leine-Solling in Parensen hat mit  dem Mainzer Neurochirurgen Kantelhardt einige Probleme erkannt, die für beide Professionen bestehen.

Sogenannte Präzisionslandwirtschaft

So ist das menschliche Gehirn mit funktionellen Zentren, Leitungsbahnen oder Blutgefäßen sehr heterogen aufgebaut, was bei jeder Operation genauestens beachtet werden müssen. Aber auch der Acker, den moderne Landwirte bestellen ist keinesfalls homogen. Die Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeit oder Lage haben einen direkten Einfluss auf das Wachstum der Pflanzen. Im Rahmen der sogenannten Präzisionslandwirtschaft werden all diese Unterschiede mit Hilfe von Satellitenbildauswertungen und speziellen Sensorsystemen aufgezeichnet. Mengen an ausgestreutem Dünger oder anderer Präparate werden dann per GPS Steuerung genau auf die jeweiligen Standortfaktoren abgestimmt.

„Tatsächlich wird in der Präzisionslandwirtschaft mit ähnlicher Präzision gearbeitet wie in der navigationsgestützten Neurochirurgie. Wenn man die maximale Auflösung der verwendeten GPS basierten Navigation, beispielsweise die Position einzelner Rübensetzlinge, zur Größe des bearbeiteten Feldes in Beziehung setzt, erzielt man eine ähnliche Genauigkeit wie bei neurochirurgischen Eingriffen, bei denen ein kleiner Tumor im Hirngewebe mit Hilfe der Neuronavigation exakt aufgesucht wird“, berichtet Kantelhardt. Der Privatdozent war vor seinem Wechsel im Jahr 2010 nach Mainz in der Abteilung Neurochirurgie der Universitätsmedizin Göttingen tätig.

Sinnvolle Grenzen

In einem Beitrag für die Fachzeitschrift „Landtechnik / agricultural engineering“ haben Breitenbuch und Kantelhardt ihre vergleichende Untersuchung ausführlich dargestellt. Darin ziehen die beiden Autoren das Fazit, dass in der Zukunft die Genauigkeit von Navigations- und Sensorsystemen sowohl in der Neurochirurgie, als auch in der Landwirtschaft noch weiter zunehmen wird. Sinnvolle Grenzen dieser Entwicklung stellen ihrer Ansicht nach die jeweils kleinsten Einheiten dar, die von Interesse sind.

Für den Neurochirurgen sei dies eine einzelne Zelle. Tumore und andere krankhafte Strukturen kommen nicht in kleineren Einheiten vor. In der Landwirtschaft gehen sie davon aus, dass vermutlich mit der Erfassung einer einzelnen Pflanze die maximal nötige Ortsauflösung erreicht wird. „Eine solche Auflösung ist aber vermutlich nicht allein mit Navigationssystemen zu verwirklichen, sondern wird nur durch Integration weiterer Informationen wie zum Beispiel der optischen/spektralen Bildanalyse, ermöglicht werden“, lautet das Fazit von Landwirt Breitenbuch und Chirurg Kantelhardt.