Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Leipziger Anthropologen untersuchen 15 Millionen Jahre alten Schädel
Campus Göttingen Leipziger Anthropologen untersuchen 15 Millionen Jahre alten Schädel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:57 20.07.2015
Von Angela Brünjes
Dreidimensionales Computermodell des winzigen, aber komplexen Gehirns von Victoriapithecus, einem Altweltaffen, der vor 15 Millionen Jahren lebte.
Dreidimensionales Computermodell des winzigen, aber komplexen Gehirns von Victoriapithecus, einem Altweltaffen, der vor 15 Millionen Jahren lebte. Quelle: MPIeA/Spoor
Anzeige
Leipzig

Victoriapithecus machte im Jahre 1997 erstmals Schlagzeilen, als sein versteinerter Schädel auf einer Insel innerhalb des Viktoriasees in Kenia gefunden wurde, wo das Äffchen vor 15 Millionen Jahren lebte. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Fred Spoor vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und dem University College London (UCL) in Großbritannien machte jetzt erstmals sein Gehirn sichtbar: Das winzige Gehirn ist erstaunlich faltenreich und weist einen Riechlappen auf, der  bei Victoriapithecus etwa dreimal so groß war wie bei heute lebenden Affenarten.

„Diese Studie belegt die Stärke moderner digitaler Bild gebender Methoden, wenn es darum geht, wertvollen Fossilien wesentliche Informationen zu entlocken, die ansonsten unerkannt geblieben wären“, betonte Spoor, der ein Experte für die Erforschung fossiler Funde mithilfe von Computertomografie und 3D-Visualisierung ist. Trotz seiner eher kümmerlichen Proportionen erwies sich das Gehirn des Äffchens als überraschend komplex. CT-Scans offenbarten zahlreiche markante Falten und Mulden. Der sogenannte „Riechlappen“, der Bereich im Gehirn, der der Verarbeitung von Gerüchen dient, war etwa dreimal so groß wie erwartet.

„Victoriapithecus verfügte wahrscheinlich über einen besseren Geruchssinn als viele heute lebende Affen- und Menschenaffenarten“, erklärt Lauren Gonzales von der Duke University. „Bei heute lebenden höheren Primaten ist das Gehirn sehr groß und der Riechlappen sehr klein. Mit einem besseren Sehvermögen ließ möglicherweise der Geruchssinn nach. Statt einen Kompromiss zwischen Riechen und Sehen einzugehen, könnte sich Victoriapithecus beide Fähigkeiten erhalten haben“, sagt Gonzalez.

Die Ergebnisse geben neue Einblicke in die frühe Evolution des Gehirns bei Primaten während einer Epoche, aus der nur sehr wenige Fossilien vorhanden sind. „Dies ist der älteste Schädel eines Altweltaffen, der bisher gefunden wurde, und fast der einzige Fund, anhand dessen wir die frühe Evolution des Gehirns von Altweltaffen überhaupt erforschen können“, sagt Co-Autorin Brenda Benefit von der New Mexico State University, die den Schädel mit ihrem Kollegen Monte McCrossing entdeckt hatte.