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Göttingen Lernschwäche: Studie über Testverfahren
Campus Göttingen Lernschwäche: Studie über Testverfahren
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18:25 30.07.2009
Per Touch-Screen: Jette Klingelhöfer (rechts) testet die AGTB, Inga Schmid kontrolliert .
Per Touch-Screen: Jette Klingelhöfer (rechts) testet die AGTB, Inga Schmid kontrolliert . Quelle: Pförtner
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Mit Hilfe der „Arbeitsgedächtnis Testbatterie“ (AGTB) soll bei Kindern frühzeitig eine Lese-, Rechtschreib- oder Rechenschwäche diagnostiziert werden können. Gedacht ist der Test für Schulpsychologen, Schuleignungstests, aber auch für Entscheidungen über die Schulwahl nach der vierten Klasse.

„Arbeitsgedächtnis steht für das, was landläufig als Kurzzeitgedächtnis bekannt ist. Testbatterie heißt es deshalb, weil die AGTB aus 14 verschiedenen Tests besteht, die am Ende einen Gesamtwert ergeben“, erklärt die Psychologin Inga Schmid vom Georg-Elias-Müller-Institut der Universität Göttingen. Sie hat im Rahmen ihrer Dissertation die Aufgaben für die Testbatterie konzipiert und die Koordination für die Erprobung der AGBT übernommen.

„Bevor die AGTB ausgereift ist, müssen erst Normwerte erstellt werden“, sagt Schmid. Es gibt keinen Richtwert für die Anzahl der Kinder, die notwendig sind, einen Normwert zu erhalten. „Wir haben uns auf 1600 geeinigt, wobei dieses Projekt neben Göttingen auch an der Universität Eichstätt läuft“, sagt Schmid. In Göttingen und Umland hat die Psychologin die Befragung von rund 700 Kindern organisiert und durchgeführt.

Mit Spielen motiviert

Die Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren musstenzweimal 45 Minuten an einem Computer Zahlenreihen nachsprechen und Zahlenkreise und Bilder in der Reihenfolge auf dem Touch-Screen berühren, wie sie ihnen zuvor angezeigt wurden. Der Test wird komplett am Computer durchgeführt. Am Ende rechnet das Programm die Ergebnisse selbstständig aus. Die Innovation der AGTB ist, laut Schmid, dass er interaktiv auf das Können der Kinder reagiert. Normalerweise steigt die Schwierigkeit der Aufgaben von Aufgabe zu Aufgabe an. Doch sollte beim AGTB ein Kind nicht die richtige Lösung finden, reagiert das Programm und variiert den Schwierigkeitsgrad. „Um die Kinder zu motivieren, haben wir ihnen erzählt, dass sie Computerspiele testen würden“, sagt Schmid. Von Juni 2008 an haben die Kinder in Göttingen und Umland teilgenommen. „Schulen im Göttinger Stadtgebiet sind teilweise etwas übersättigt, wenn es um Anfragen der Universität geht“, hat Schmid festgestellt.

Durch persönliche Kontakte, Schmids Mutter war dort Lehrerin, kam eine Zusammenarbeit mit der Martin-Luther-Schule in Northeim zustande. Dort wurden allein 400 Kinder getestet. Weitere Teilnehmer kamen unter anderen aus der Erich-Kästner-Schule in Northeim, der Personn-Realschule in Weende, der Schule am Osterberg in Bovenden, der Anne-Frank-Schule in Rosdorf, den Kindergärten Pusteblume und St. Jacob, beide in Witzenhausen.

Mitarbeit der Schulen

„Ich bin froh, dass die Schulen so toll mitgearbeitet haben, da es ein großer Aufwand war, ein Kind allein für zwei jeweils 45 Minuten dauernden Testbatterien aus dem Unterricht zu holen“, sagt Schmid. Die Schulen hätten durch ihre Teilnahme gezeigt, dass sie „offen für neue wissenschaftliche Ansätze in der Pädagogik sind“, findet Schmid.

Das Projekt wurde 2006 gestartet. Es ist eine Zusammenarbeit des Göttinger Hogrefe-Verlags mit dem Georg-Elias-Müller-Institut. Der Verlag ist spezialisiert auf psychologische Tests. „Als wir mit dem Projekt begonnen haben, waren die zuständigen Lehrkräfte noch an der Universität Göttingen. Dann ist der Leiter, Prof. Marcus Hasselhorn, nach Frankfurt am Main berufen worden und die weiteren Arbeitsgruppenleiter, Prof. Dietmar Grube und Prof. Claudia Mähler, nach Oldenburg und nach Hildesheim“, berichtet Schmid. Die Professoren haben an ihren neuen Wirkungsorten die Kinder getestet. Zudem haben in Göttingen noch 25 wissenschaftliche Hilfskräfte und Diplomanden an der Studie mitgearbeitet, erklärt Schmid. Jetzt müssten die Ergebnisse ausgewertet werden, um die Normwerte zu erstellen. Im Sommer 2010 soll die AGTB auf den Markt kommen.

Von Corinna Berghahn

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